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118.) drei andere ordines succedendi vorhanden; waren ja doch vorzugsweise um der Emancipirten und Cognaten willen die bonorum possessiones eingeführt, und gerade auf Emancipation, sowie den Unterschied der Agnaten und Cognaten kommt es nach dem Authentic kenrechte nicht mehr an. Indeß nach der richtigen communis conclusio der Doctores nach der Glosse muß man die Frage mit Nein beantworten, weil sich keine correctio der bonorum possessiones findet und die correctio iurium zu vermeiden ist. Was aber nicht aufgehoben ist, muß als fortbestehend angesehen werden. Deßhalb hat man auch noch hodie die Wahl, ob man de iure civili adire oder de iure praetorio die bonorum possessio agnosciren wil, was von Wichtigkeit ist wegen der differentiae, die zwischen der hereditas und bonorum possessio bestehen. — Rück. fichtlich der einzelnen Klassen fommt es nun auf die von Cynus, Baldus, Salicetus u. U. weitläufig erör: terte Frage an, ob die betreffende Klasse necessaria oder utilis sei, 0.h. ob man nur auf Grund eines prä: torischen Rechtssaßes im fraglichen Fall zur Succession gelangen könne oder ob man sich auf Civilrecht zu stüßen vermöge. Jm ersteren Fall ist die bonorum possessionis agnitio noch hodie necessaria, im lekteren Fall bloß utilis. In dieser Hinsicht ist 1) die contra tabulas bonorum possessio für den filius emancipatus necessaria in dem Sinne, daß, wenn derselbe sine causa präteriet ist, er allerdings wie der suus das Testament für nichtig erklären kann, wenn er dagegen cum causa präterirt ist, ihin die contra tab. b. p. zusteht. 2) Die secundum tabulas bonorum possessio ist iin Allgemeinen nur voluntaria, da der Institutus de iure civili die Adition vornehmen kann; aber in einigen

Fällen ist diese bonorum possessio necessaria z. B. bei einem durch Präterition eines schon vor dem Erb: laper wieder verstorbenen Postumus ruinpirten Testa: mente. 3) Die bonorum possessio unde liberi ist hodie nicht inehr necessaria, und die unde legitimi ist stets nur utilis gewesen. 4) Die bonorum possessio unde cognati war olim necessaria, ist es aber hodie nach der Novelle 118 nicht mehr. 5) Die bonorum possessio unde vir et uxor ist so gut wie olim auch hodie necessaria. 6) Die vier extraordinariae bonorum possessiones (als welche Schneidewinus die b. p. ut ex legibus, Carboniana, ventris nomine und litis ordinandae gratia aufführt) waren olim und sind hodie necessariae. 7) Wenn eine bonorum possessio nur utilis ijt, so hat das die Bes deutung, daß, wenn Jemand die hereditas de iure civili repudiirt, ihm die Ugnition der b. p. noch offen steht. Renunciationen sind nämlich strict zu interpre: tiren. Hat er aber einfach auf sein Erbrecht verzichtet, so umfaßt das auch die bonorum possessio. Ferner : das Civilerbrecht muß man innerhalb 30 Jahren antre: ten, die bonorum possessio kann man aber, wenn man nur von ihrer Delation nichts gewußt hat, auch noch nach dieser Zeit agnosciren, so daß man mit Jason sagen fann: quodsi quis staret ignorans sibi delatam successionem per mille annos, nunquam a bonorum possessione excluderetur!

Im Gegensaße zu diesem lediglich auf das Justinianeische Recht das Augenmerk richtenden Standpunkte bricht sich mit dem siebzehnten Jahrhundert eine ganz andere Richtung Bahn. Man kommt zu dem Bewußt: sein, daß es in den modernen Völkern ein eigenes nas tionales Rechtselement gebe, welches, auch wenn man

es zunächst noch in Anknüpfung an das römische Recht behandelte, doch einer ganz selbständigen wissenschaft: lichen Pflegebedürfe. Iind zwar solches in Deutsch: land, Holland, Frankreid, u. s. w. auftretend Gewohnheitsrecht erkannte man nicht bloß in dem auf altnatio. nalen Grundlagen ruhenden Herfommen, - welches sich dann algemach bei uns in Deutschland zu der vollen Emancipation in unserem deutschen Privatrecht empors gearbeitet hat, – sondern man fand auch, daß bei der Reception des römischen Rechts von Seiten der, auf so vielfach dein Alterthuin freinden Anschauungen stehen: den, modernen Völker viel neues Gewohnheitsrecht das römische Recht in wesentlichen Punkten für die Rechtsanwendung umgestaltet habe. Unter diesen Mo: dificationen des römischen Rechts durch modernes Ge: wohnheitsrecht fommt nun auch das Gebiet der bonorum possessio in Betracht.

Der Erste, der dies in unserer Lehre in der be: stimmtesten Weise ausgesprochen hat, ist Giphanius. In seinen Explanationes in Inst. (p. 344.) fagt er: si mores et aetatem nostram (spectas), nullus est usus bon. possessionis, sed utimur tantum hereditate et aditione hereditatis civili. Huic rei argumento sunt haec: primum quia in iure municipali sive statutis civitatum et constitutionibus imperii, regum ac principum nulla usquam mentio bon. possessionis fieri solet: deinde quia in consiliis Dd. item nulla extat mentio: postremo et ratio est, cur hodie eius nullus esse debeat aut possit, satis perspicua. His accedit, quod iam olim et apud Graecos rarissima sit mentio bon. possessionis, ut videre licet in Nov. Just. Leonis, Philippi, in libr. Bagialkoðv, in Harmenopulo. Non recte autem Andreas Perneder in Instit. Germanicis explicans tractatum de b. p. eas confundit cum inductione sive missione in possessionem, Germanice ,,Einsat“. Nam b. p. de qua hic agitur, iuris est potius quam corporis, ut ait Ulpianus tit. de b. p. lege Bona 3. At possessio, in quam quis mittitur sive inducitur, corporis est et facti potius quam iuris, ut ait Paul. in l. 1. D. de ac. acq. poss.; et de hac missione sive inductione in possessionem in aliis locis explicatur, ut sub tit. de ed. div. Hadr. toll. sub tit. quor. bon., tit. de her. pet.

Von der Frage über diesen „Einsag" fann hier noch abgesehen werden, indem es sich zunächst nur darum handelt, wie man sich in Deutschland und den uns berührenden neueren Völkern - insbesondere Deutschland und Holland geben in dieser Hinsicht ganz gleichen Schritt, – der aus dem Gebiete der bonorum possessio herstammenden materiellen Erbberechtig . ung gegenüber verhalten hat.

Grönewegen in seinem „tractatus de legibus abrogatis et inusitatis in Hollandia vicinisque regionibus“ (Lugd. Bat. 1649.) sagt darüber p. 44: ius civile et praetorium hodie in unam consonantiam redactum est, ideoque huius tituli nullus amplius est usus: etenim qui aliis ex testamento aut ab intestato succedunt, in universum heredes appellari solent. Er citirt hiefür eine Reihe dies bestäti: gender Schriftsteller, aus denen ich den Vinnius her: ausgreife.

Vinnius p. 645. räumt ein, daß nach Justinianei: ichem Recht zur Erlangung des Rechts der bonorum possessio die Agnition vor einem Richter unzweifelhaft nothwendig sei. Magistratum tamen aliquem adire

oportet, apud quem de voluntate nostra publice testemur: alioquin si nuda et simplex declaratio voluntatis privatím aut coram testibus facta sufficeret, agnitio bonorum possessionis nulla in re differret ab aditione haereditatis, et Constantius tantum necessitatem petitionis solennis et necessitatem praetoris aut praesidis adeundi in agnoscenda bonorum possessione sustulit. Aber er fügt dann gleich als das neuere gemeinsame Gewohnheitsrecht seines Vaterlands (Holland) wie auch Frankreichs und Deutschlands hinzu, daß die bonorum possessio nicht mehr zur Anwendung fomme: In hisce regionibus bonorum possessionis nullus usus est, sed utimur tantum aditione sive agnitione haereditatis civili. De Germania idem testatur Giphanius, de Gallia Baro et Bugnion lib. 5. leg. abrog. c. 17. in fin. Apud quosdam locus esse dicitur bonorum possessioni . unde vir et uxor, apud nos tamen nunquam usurpata fuit. Vinnius zeigt durch den Gegensaß, den er hervorhebt, daß es nämlich allgemein für alle Erben nur der hereditatis aditio bedürfe, den Sinn der Anfangsworte des Sapes: in hisce regionibus bonorum possessionis nullus usus est. Er wil damit fagen: „jedenfalls giebt es feine Agnition der bonorum possessio mehr; ob aber auch die einzelnen Erbklassen der bonorum possessio wie insbesondere die b. p. unde vir et uxor außer Anwendung feien, das ist eine andere Frage, die an inanchen Orten anders beurtheilt wird wie bei uns.“ Heineccius fügt dann in seinen Zusäßen noch die Bemerkung hinzu: Non tamen dubium, quin usus adhuc tantum non ubique sit (in) bonorum possessionum temporalium et extraordinariarum. Exempla passim habent scriptores pragmatici.

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