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begonnen. Er theilte die Arbeit in der Weise ein, dass er Mr. Robert das westliche Sikkim übertrug, während er selbst das östliche übernahm und als Grenze zwischen beiden Gebieten die vom Kantschinjinga gegen Südost streichende Bergkette wählte. In der Hoffnung, die Schneeberge an der tibetanischen Grenze in der kurzen Zeit zwischen dem Ende der Regen und dem Beginn des winterlichen Schneefalles aufnehmen zu können, ging er zunächst am Latschung hinauf zum Donkia - Pass und alsdann an dem anderen Hauptquellfluss der Tiesta, dem Lasing oder Latschen hinauf zum Rangra-Lama-Pass '), bestieg ferner die Gipfel des Kinyong, Notschego und andere Berge und drang in Theile des Landes vor, die nie von Europäern besucht worden waren. In dem Zeitraum von 3J Monaten nahm er über 1000 engl. Q.-Meilen im Maassstabe von 1 :250 000 durch Winkelmessungen auf und bestimmte dabei die Höhe von ca 300 Punkten mittelst Barometer und KochThermometer. Gleichzeitig nahm Mr. Robert ein Areal von 600 engl. Q.-Meilen in 1:125 000 auf, einschliesslich der Grenzlinie gegen Nipal. Von den zahlreichen dominirenden Gipfeln auf diesem Grenzgebirge konnte er diejenigen Theile von Nipal überblicken. die östlich von den südlichen Ausläufern des Mount Everest liegen, und war so in den Stand gesetzt, ein Areal von ca 900 engl. Q.-Meilen von Nipal zu skizziren, abgesehen von der Fixirung zahlreicher Punkte auf den umgebenden Bergketten und in Sikkim.

Zu den vorzüglichsten neueren Reisewerken ist Kreitner », mit der 32. Lieferung jetzt zum Ahschluss gekommenes „Im fernen Osten", die Schilderung der Szechenyfschen Expedition durch Ost-Asien (Wien, bei A. Holder), zu zählen, welches jedem Gebildeten als interessante und anregende Leetüre empfohlen werden kann. Seiner ganzen Anlage nach für weitere Kreise bestimmt giebt es eine schlichte Darstellung der mannigfachen Reiseerlebnisse und hält sich dabei fern von jeder Effekthascherei, von der Sucht, durch allerlei mögliche und unmögliche Abenteuer zu fesseln, wodurch es in einen wohlthuenden Gegensatz zu so manchen neueren Reisescbilderungen tritt. Aber es wirkt auch nicht ermüdend durch eintönige tagebuchähnliche Aneinanderreihung oder Aufzählung der einzelnen Thatsachen. Der Verfasser hat es vielmehr verstanden, durch Einflechten historischer Rückblicke auf die Entwickelung der besuchten Länder, durch Hervorheben der wichtigsten Momente der Entdeckungsgeschichte, durch Schilderung der Sitten und Gewohnheiten im socialen Leben dem Leser eine angenehme Abwechselung zu bieten. Besonders beachtenswerth erscheinen uns diejenigen Capitel, welche die Insel Yesso und das Ajnovolk (8), die Reise durch die Lösslandschaften (13), durch die Gobi oder Kopi, wie Kreitner schreibt, nach Sutschou (15 und 16), den Ausflug zum Kuku-nor (17) und endlich das tibetanische Hochland (20) schildern. Auch der Fachmann findet vielfache Belehrung, da es den Reisenden in Folge der besonderen Vergünstigungen , welche ihnen wegen der hohen gesellschaftlichen Stellung des Grafen Szechenyf und durch diplomatische Vermittelung von den chinesischen Regierungsbehörden zu Theil wurden, vergönnt war, eingehendere Studien über Land und Leute zu machen. Erwähnen wollen wir noch,

') Siehe Peterm. Mitth. 1861, Tafel 2.

dass das Werk durch eine Reihe guter Holzschnitte geschmückt ist, welche zum grössten Theil nach Originalzeichnungen des Verfassers und des Geologen Loczy hergestellt wurden. Zu bedauern dagegen ist, dass Kreitner nicht eine Liste seiner astronomischen Positionsbestimmungen , deren Veröffentlichung vermuthlich dem grossen wissenschaftlichen Werke vorbehalten ist, beigefügt hat, auch wäre ein Namensregister wünschenswerth gewesen. Von den drei Karten ist die erste eine kleine Übersichtsskizze der Reiserouten, die zweite, die Insel Yesso, erwähnten wir bereits Heft VII, S. 276; die dritte Karte, China und OstTibet, wurde mit der letzten Lieferung ausgegeben. Sie umfasst die Route von Shanghai durch China bis an die tibetanische Grenze und nach Birma nebst den Excursionen nach Sutschou und Tunghoanshien am Nordabhange des Nan-san, sowie den Ausflug nach dem Kuku-nor. Vermuthlich auf Kreitner's Positionsbestimmungen beruht die bedeutende Verschiebung des tibetanischen Grenzgebietes nach Osten, der Kuku-nor z. B. kommt um mehr als 1° östlicher zu liegen als nach Przewalsky's Routenaufnahmen, während Lantschu-fu, einer der Hauptorte der Provinz Kansu, um mehr als 1.5'' nach 0 verschoben ist. Eigenartig ist auch die Darstellung der hydrographischen Verhältnisse im südlichen Tibet; den Sanpo identificirte Kreitner mit dem Brahmaputra, er verlegt aber die Quellen des Irawaddy und seines Nebenflusses Mougung ebenfalls weit nach N unter 32° N. Br. und lässt so mit dem Saluen (Lukiang), Mekong (Lantsankiang) und Jangtsekiang fünf Hauptströme aus dem tibetanischen Hochlande nach S fliessen. Reichhaltigkeit im Detail ist bei dem kleinen Maassstabe von 1: 8 000 000 nicht zu erwarten; eine genauere Darstellung der Reiseroute in derselben Weise, wie Kreitner die Strecke von Sayang bis Bamo auf Tafel 12 unseren Lesern vorführte, steht wohl in dem grossen Werke in Aussicht, in welchem Graf Szechenyf in hochherzigster Weise auch die wissenschaftlichen Resultate Beiner grossartigen, auf eigene Kosten unternommenen Expedition verarbeiten lassen wird. Möge sein edleB Streben recht zahlreiche Nachahmer finden!

Das 24. Heft der „Mittheilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens" (Yokohama, Juli 1881) bringt neben mehreren Fortsetzungen der im vorigen Hefte begonnenen Abbandlungen (s. S. 276 dieser Zeitschrift) u. A. einen Auszug aus dem geographisch-statistischen Werke „Nihon Chishi-teio", das die japanische Regierung in den Jahren 1874—80 herausgegeben hat. Die von Mueller-Beeck demselben entnommenen Notizen betreffen die Provinzen Kazusa und Awa, welche die Bai von Yedo im Osten begrenzen, und begleiten eine Kartenskizze in 1: 400 000. Am Scbluss seines inhaltreichen Aufsatzes über die Liu-kiu-Insel Amami Oshima hebt Dr. Doederlein hervor, dass zwischen Oshima und Kiushu die Grenze zweier grosser zoologischer Regionen, der paläurktischen und orientalischen (nach Wallace) zu liegen kommt, wie denn auch in Amami Oshima eine Reihe der auffallendsten und charakteristischsten Pflanzenformen ihr nördlichstes Vorkommen findet und die indische Seefauna von der nord-paeifischen durch eine Grenze geschieden wird, welche der nördlichen Verbreitungsgrenze der riffbildenden Korallen folgend nördlich von den Bonin-Inseln vorübergeht. Dieses Zusammenfallen der Grenze in der Landfauna, marinen Fauna und Flora ist nach Dr. Doederlein wahrscheinlich auf die Wirkung des Kuro-siwo zurückzuführen.

Noch auf manches Jahrzehnt hinaus wird die malayische Halbinsel dem Forscher jungfräulichen Boden in grösseren und kleineren Partien darbieten, denn ausser den vier englischen Besitzungen und ihrer nächsten Nachbarschaft, sind nur einzelne Flussthäler und Routen bekannt, während namentlich in der östlichen Hälfte fast alles Gebiet unerforscht geblieben ist. Bei dieser Sachlage ist es sehr angenehm, in Emile J. D' Sounds „Map of the Malay Peninsula", 1: 484 000, Singapore, Surveyor General's Office, 1879, ein Orientirungsmittel zu erhalten, das in ausreichend grossem Maassstab das Bekannte zur Darstellung bringt und durch Weisslassen des Unbekannten den Reisenden vorschreibt, wo sie zum Nutzen der Geographie arbeiten können. Die Karte umfasst die ganze Halbinsel nördlich bis zum 8. Breitengrad und hat alle topographischen Materialien verarbeitet, die im Vermessungsbureau zu Singapore vorhanden waren.

J. Kuyper, der bekannte Geograph und Statistiker im Haag, hat eine populäre, mit zahlreichen Holzschnitten hübsch ausgestattete Beschreibung von Niederländisch-Indien, das er als „On%e Oost" bezeichnet, bei J. G. Broese in Utrecht herausgegeben. Auf der zugehörigen Übersichtskarte deB Indischen Archipels sind die Umrisse von Europa mit schwachen rothen Linien eingezeichnet, so dass eine unmittelbare Vergleichung der Grössen- und EntfernungsVerhältnisse möglich wird. Auf diese Weise tritt z. B. frappant hervor, wie Borneo so gross ist wie Frankreich, Belgien, die Schweiz und ganz Süd-Deutschland zusammengenommen, oder wie der Weg von Batavia nach Amboina an Länge gleich kommt dem von Marseille nach St. Petersburg.

Afrika.

Nach längerer Unterbrechung erhielten wir wieder einmal eine Sendung von Dr. Emin-Bey, dem Gouverneur der ägyptischen Äquatorialprovinzen in Ladö, welche Nachrichten von ihm bis zum 8. Juli 1881 enthält. Mit ungeschwächtem Eifer fährt er fort, die Wohlfahrt der ihm untergebenen Länder zu heben, und es ist ihm gelungen, vollkommene Ordnung und Ruhe in seinem weiten Bereiche herzustellen und zu erhalten. Häuptlinge, die früher die heftigsten Gegner der ägyptischen Regierung waren und Baker mit den Waffen in der Hand entgegentraten, sind jetzt zuverlässige Anhänger geworden; Dr. Emin-Bey versteht es in der That vortrefflich, sich mit den Eingeborenen, sogar mit den berüchtigsten und gewaltthätigsten Fürsten der Nachbarschaft auf guten Fuss zu stellen. König Kabrega von Unyoro Hess ihm sagen, er möge ihn besuchen und würde ihm hoch willkommen sein. Sultan Mbio schlug zwar die Leute aus der Mudirieh Bahr-el-Gasal, die nach Gessi-Pascha's Fortgang gegen ihn zogen, schickte aber Geschenke an Dr. Emin-Bey. Die ägyptische Regierung scheint denn auch grosses Vertrauen in ihn zu setzen, erst in diesem Jahre wurden die Gebiete von Rohl und Amadi, Theile der Niam-Niam-Länder und ganz Monbuttu zu seiner Provinz hinzugefügt. Wenn es der ägyptischen Regierung gelänge, über alle ihre Provinzen im Sudan Männer zu setzen, welche mit eben solchem Ernst und Ge

schick und ohne am Erfolg zu verzweifeln, ihre Aufgabe zu erfüllen strebten, so würde sich doch innerhalb eines Menschenalters eine wesentliche Verbesserung der Verhältnisse zeigen. Im März bis Mai 1881 bereiste Dr. EminBey die seiner Verwaltung unterstellte Provinz Lattuka im Osten des Nil, zwischen 4 und 5° N. Br., 32 und 33° östl. L. v. Gr., und schickte uns ausser einer Beschreibung dieser Reise eine Karte des Landes, die sein Vakil, Mr. F. Lupton, jetzt Mudir des Bahr-el-Gasal, mittelst Winkelmessungen und Positionsbestimmungen zusammengestellt hat, meteorologische Aufzeichnungen, Höhenmessungen und ein Vokabular der Lattuka-Sprache, die, von allen benachbarten verschieden, zu den Galla-Sprachen zu gehören scheint. Von Dr. Junker hatte auch er leider keine Nachricht erhalten. Auch von Süden her fehlten ihm, seit auf Gordon Pascha's Befehl dessen eigenes Werk für nutzlos erklärt und die Stationen zurückgezogen wurden, fast alle Nachrichten, zumal Kabrega's Leute, nachdem sie Mreko, den Onkel des Königs Mtesa von Uganda, getödtet, den Weg verlegt haben. „Einem mir aus Unyoro von Zanzibar-Arabern zugekommenen Brief zufolge hat vor ca 2 Monaten (also im Mai 1881) Mtesa den König Kabrega angegriffen, völlig geschlagen und zur Flucht gezwungen, wobei mehrere seiner Frauen gefangen wurden. Am 4. Juli traf eine Gesandtschaft Kabrega's hier ein, die mir eine Einladung zu ihm überbrachte. Ich kann augenblicklich nicht dorthin gehen, will es aber später thun. Sodann habe ich eine Reise nach Monbuttu vor und endlich eine Reise nach Osten, wo die blauen Berge eine bedeutende Anziehungskraft auf mich geübt haben. Unsere Station in Lirehm wird einen guten Stützpunkt für weitere Arbeiten abgeben und die Station in Loggiri uns Irenga erschliessen. Wie lieb wäre es mir, jetzt Mitarbeiter zu haben, es wird doch mitunter für den Einzelnen zu viel".

Den Tagebüchern der englischen Missionare in Uganda, die bis Ende März 1881 reichend im „Church Missionary Intelligencer", October 1881, veröffentlicht sind, entnehmen wir, dass Missionar Pearson die Länge von Rulaga durch Beobachtung des 1. Jupiter-Mondes zu 32° 58' 45" östl. v. Gr. fand. Stanley berechnete sie zu 32° 57', Speke zu 32° 44£'. Die Breite ist nach zahlreichen Beobachtungen Pearson's 0° 18' 46' N.

Der Güte des Herrn Hofrath G. Rohlfs verdanken wir Briefe, die Dr. Stecker, sein abessinischer Reisegefährte, an ihn geschrieben hat und die aus Debra Tabor vom 21. Juni, resp. von Aschangi, 9. August 1881, datiren. Wir entnehmen ihnen das auf Dr. Stecker's Reise Bezügliche: „Vom Tana zurückgekehrt und eine Specialkarte dieses höchst interessanten und doch so wenig bekannt gewesenen Wasserbeckens nach Berlin übersendend, erlaube ich mir, ein Paar Zeilen an Sie zu richten, um Ihnen mitzutheilen, dass ich mit den Resultaten meiner Tana-Reise ganz zufrieden bin und schon wieder aufbrechen muss, trotz der schon eingetretenen Regenzeit, wo es hier tagtäglich sehr stark regnet, und ich in meinem Zelte vor diesem Elemente nicht im Geringsten geschützt bin. Dieses Mal geht es auf ausdrücklichen Wunsch des Negus, der mir durch einen Courier seinen Brief zum Tana nachschicken liess, nach Zabul, der erst vor Kurzem vom Negus Johannes occupirten Provinz im Osten Abessiniens. Herr Naretti ist schon dort, und ich gehe in drei, vier Tagen. Negus hat zwei Soldaten hierher geschickt, die mich zu ihm begleiten sollen; er möchte mich sehr gern, schreibt er, in seiner Nähe haben. In demselben Briefe hat er mir versprochen, mich nach der Regenzeit nach Kaffa gehen zu lassen, welches Land nach dem letzten Kriegszuge seines treuen Bruders (schreibt er), des Negus Tekla Haimanot, ihm tributpflichtig sei, und wo ich nun werde sicher reisen können, ohne eine abermalige Wiederholung der Ghera-Affaire (damit meint er den Capitän Cecchi). Bleibe ich gesund — und das hoffe ich —, so werde ich nach der Regenzeit zuerst die im Westen des Tana-Sees gelegenen Länder der Negerstämme, sogenannte Schimeledschani, die ich auf meiner letzten Reise leider nur gesehen, eines Missverstiindnisses halber aber und wegen der Ordre, nach Zabul zu gehen, nicht betreten konnte, besuchen, und mich dann, wenn möglich, über Fazogl nach Ghera, Enarea und Kaffa begeben. Mein Plan ist nun, zu versuchen, entweder die Juba-Mündnng oder, was mir noch lieber wäre, über den ganz unbekannten Samburu-See, Kenia und Kilimandscharo Sansibar zu erreichen. Unversucht werde ich eine von diesen Strassen nicht lassen.

„Was nun den Tana-See anbetrifft, so bemerke ich, dass alle Karten in Bezug auf das Gorgora-Gebirge im Norden, die Süd- und Südwestufer, die Abai-Mündung &c., ganz falsch sind. loh habe zwei Reisen zum Tana-See unternehmen müssen, da ich, denken Sie sich, von Wendige aus, nur einen Tagemarsch von Zegi, dem Ausgangspunkte, und nun dem Ziele meiner Reise entfernt, umkehren und über Dembea zurück nach Debra Tabor gehen musste. Man hat mich nicht südwärts ziehen lassen wollen, weil diese Länder (zwischen den beiden Abais) dem Negus Tekla Haimanot gehören — auch die grosse Insel Dek — und ich keine Erlaubniss zu ihrem Besuche besass. Ich war sehr wüthend, das hat aber gar Nichts geholfen, ich musste zurück. Da man mich aber schon früher in Korata darauf aufmerksam gemacht hat, so habe ich mich schon damals schriftlich an Negus (der sich in Dalanta befand) gewandt und ihn um Erlaubniss zu einer Reise in Mietscha (Südufer des Tana) gebeten. Der Brief kam aber nicht und ich fand ihn erst in Debra Tabor zurückgekehrt vor, da Naretti nicht wusste, wohin er mir denselben, der unterdessen eingetroffen, nachschicken sollte. Ich brach sofort wieder "auf und ging über Mahdera Mariam nach Korata (Abai habe ich schon früher besucht), von da per Tankoa nach Zegi und von hier bis zu der höchst interessanten Abai-Mündung, die ich auf der ersten Reise von Wendige aus ebenfalls erreicht habe. Ich besuchte auch die Insel Dek (denken Sie sich eine 12stündige Tankoa ') -Fahrt — gar nichts Angenehmes) und wollte dann nach Schimeledschani, als mich die Ordre traf, nach Zabul zu gehen. Von Wendige aus besuchte ich auch Atschefer, das auf allen Karten falsch eingezeichnet ist.

„Gesammelt habe ich, was ich nur konnte: 250 Pflanzenspecies, eine schöne Insectencollection (darunter besonders Lepidopteren), Fischskelette und treue Abbildungen der Fische (sammeln konnte ich sie nicht wegen Mangels an Spiritus), schöne complete Sammlung der Conchylien des Tana-Sees, geologische Proben, darunter das Interessanteste, Beweise, dass am Tana-See in zwei verschiedenen Pe

') Tankoa ist ein Boot aus Wasserrohr, Arundo, gefertigt. Fetermann's Geogr. Mitteilungen. 1881, Heft XII.

rioden Eruptionen Statt finden mussten. In Folge der ersteren, die im Norden an dem vulcanischen Gorgora-Gebirge, wo ich am Goraf-Berge noch Krater, Eruptivkegel und mächtige Lavaströme entdeckt habe, Statt fand, ist höchst wahrscheinlich der Tana entstanden, und der Abai hat seinen Lauf geändert; man unterscheidet im Tana zwei deutlich sichtbare Abai-Strömungen, welche sioh von Zegi aus sehr leicht verfolgen lassen, und die ich in der Karte mit Pfeilen angedeutet habe. Die zweite Eruption, meiner Ansicht nach viel jüngeren Datums, hat die Inseln Dek und Dega, sowie die ganze Reihe von kleineren Inseln am Ostufer des Tana, und die den Abai-Lauf hemmenden, im AbaiThale zerstreuten, grossen Felsblöcke vulcanischen Ursprungs zur Folge gehabt. Ich habe nämlich hier im Süden in deutlich ausgesprochenem Eruptivgestein Conchylien eingeschlossen gefunden (eine Art, an Ostrea [sie!] in ihrem Habitus erinnernd), welche ich lebendig am Gorgora-Gebirge gesammelt habe. Mit Citronensaft schmecken diese Thierchen ganz vorzüglich. Was nun Manatus betrifft, so muss ich behaupten, dass es im Tana keine solchen Thiere giebt; Niemand weiss etwas davon, und auch der amharische Name, wie ihn Th. v. Heuglin anführt, ist den Leuten rings um den Tana gänzlich unbekannt. — Ich habe im Tana an 300 Tiefen gemessen und schöne Resultate erzielt. Zwischen Dega und Zegi fand ich eine Tiefe von 72 m, zwischen Korata und Zegi auf einer Stelle 67 m, und eine ganze Reihe von Tiefen 32—47 m, und 10—30 m habe ich auf der Karte verzeichnet. 250 anthropologische Messungen habe ich vorgenommen, 12 Punkte am Tana astronomisch, was die Breite betrifft, bestimmt, und an 2000 barometrische, thermometrische und hypsometrische Ablesungen gesammelt. Areal des Tana 2980 qkm, Höhe 1942 m.

„Das wichtigste ist aber natürlioh die Karte, im Maassstabe 1: 200 000, die ich nach Berlin schicke. Ich habe nun den Tana ganz gesehen, Berge an seinem Ufer bestiegen, über 500 Peilungen mit Azimuthalbussole vorgenommen, 12 Punkte astronomisch bestimmt, kurzum ich glaube, dass an meiner Karte, was die Richtigkeit anbetrifft, sehr wenig auszusetzen ist. Die Zukunft wird das lehren. — Hier ist es jetzt fürchterlich kalt. Um 2 Uhr Nachmittags regnet es bis zum Sonnenuntergang, dann wieder Nachts, so dass ich manchmal thatsächlich friere, während Sie sich zu Hause um diese Zeit des schönsten Wetters erfreuen. Für Abessinien ist diese Zeit wahrlich der Winter.

„Negus scheint mir nach Aussage der Leute mit unseren Geschenken sehr zufrieden zu sein. Täglich sitzt er vor seinem Zelt, hält Tribunal, wobei zwei Sclaven über ihn den Schirm aufgespannt halten und neben ihm das Schwert paradirt. Auch den Burnuss zieht er an, und zwar Sonntags, wenn er zur Kirohe geht. Er wird von mir den Mauser haben wollen, ich werde ihm aber sagen, dass ich für ihn einen in Berlin bestellt habe. Ich bitte Sie also, wenn möglich, das Gewehr, sowie die bestellten Hüte gütigst abschicken lassen zu wollen. Wegen Lombard hat er neulich durch Naretti an Herrn Raffray schreiben lassen und ihn zu sich eingeladen. Augenblicklich ist er in Adal, wohin er gegangen, um einige Scheptas, die dort Kirchen verbrannt und Soldaten ermordet haben, zu bestrafen, d. h. das Land zu plündern. Er kehrt aber naoh Zabul zurück, wo er für sich ein Palais und eine Kirche

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nach Rabba, welche Herr Flegel ebenfalls an die Afrikanische Gesellschaft eingeschickt hat, harrt noch ihrer Veröffentlichung, und so mag die vorläufige Skizze Manchem willkommen sein, da sie die bedeutenden Änderungen in der Zeichnung des Nigerlaufes zwischen Bussa und Gomba, sowie den Lauf des zum ersten Mal aufgenommenen Gulbin-Gindi, des aus Sokoto kommenden grossen Nebenflusses des Niger, in hinreichend grossem Maassstab vorführt, um für Übersichtskarten Gebrauch davon zu machen. Nebenbei bietet diese kleine Skizze den Vortheil, dass sie das Verhältniss der Flegel'schen Routen zu den früheren hier in Betracht kommenden Reiserouten klar legt. Im Übrigen verweisen wir auf die brieflichen Nachrichten Flegel'B und unsere Bemerkungen dazu auf Seite 351 ff. dieses Jahrganges.

In Capit. Camperio's „L'Esploratore", Septbr. 1881, giebt O. Bianehi beschreibende Notizen über Damot, wo er einen grossen Theil des Jahres 1880 zubrachte. U. A. bestig er dort den Berg Rava und bestimmte seine Höhe mittelst Aneroids zu 4178 m.

Aus den Tagebüchern des Marchese 0. AnUnori in Schoa veröffentlicht das „Bollettino della Soc. geogr. ital." (1881, 8) Notizen und Abbildungen von einigen neu entdeckten kleinen Seen bei Daimbi im Lande der HaddaGalla, namentlich von dem Tschalalaka- und dem HaddoSee. Auch barometrische Hohenmessungen einiger Punkte in Schoa sind daraus abgedruckt:

Till Harre 7291m Hescha Eremo .... 3120 m

Karali 857 Berg von Hescha, NO

Mullu 782 über dem Eremo . . 3169

Farre 1367 Dens 2787

Schotalit 2350 Mahal-TJonz 2392

Let-Marefia . , . . .2452 Ankober - 3005

Fekerie Ghem, erste Unfwallung der Veste . . 3088

Bevor die Riebeck'sche Reisegesellschaft mit Prof. Schweinfurth im Frühjahr d. J. nach der Insel Sokotra aufbrach, unternahm sie mit ihm eine Excursion von Cairo nach dem Nordrand des Galala-Gebirges am Golf von Suez. Als Frucht dieses Ausfluges erscheint in den „Mittheilungen des Vereins für Erdkunde zu Halle a. S.", 1881, eine ausführliche Karte der Tour des Dr. Riebeck von Cairo zum Wadi Na'ük, von Prof. Schweinfurth in 1: 300 000, nebst einem Text von Dr. Riebeck in Tagebuchform.

Das „Boletino da Sociedade de geographia de Mocambique' scheint sich zu einem recht nützlichen Quellenwerk über den Südosten Afrika's herauszubilden. Es liegen uns bis jetzt fünf Hefte vor, deren Inhalt sich verständiger Weise auf die portugiesischen Besitzungen in Ost-Afrika beschränkt; darüber aber mannigfaltige Belehrung gewährt. So findet man darin u. A. eine detaillirte Beschreibung der ZambesiMündungen, Notizen über die Insel Mocambique, über die Bazaruto-Inseln, über die Minen von Sofala, über die Mündung des Sabi, über die portugiesische Expedition nach dem Nyassa und dergl. mehr. E. Behm.

Allgemeines.

Neue Ausgabe von Stieler 's Sand-Atlas, 27.—29. Lieferung. Noch vor Schluss des Jahres 1881 wurde die LieferungsAusgabe des „Grossen Stieler" durch weitere drei Hefte gefördert deren neun Blätter zwar nur zwei neue Karten enthalten, im Übrigen aber solche Nummern bieten, die zu einem grossen Theile des Inhalts vervollkommnet und umgestaltet sind. Die an den restirenden Blättern noch erforderliche beträchtliche Sticharbeit erschwert bei den kurzer werdenden Tagen den planmässigen Portgang der Lieferungen nicht wenig und verschiebt die neuesten Karten auf die letzten Lieferungen. — Die letzterschienenen Neustiche betreffen Süd - Amerika. Das Übersichtsblatt dieses Erdtheils schliesst sich der Ausführung nach völlig jenen von Asien, Afrika und Nord-Amerika an in vereinfachter aber kräftig wirkender Gebirgszeichnung, Verallgemeinerung des Inhalts überhaupt und farbiger Tiefendarstellung des umgebenden Meeres. — Der zweite Neustich, die vierte Section der Karte von Süd-Amerika in 6 Blättern, die neben noch wenig bewohnten und unvollkommen bekannten Gebieten des Innern von Brasilien das in den letzten Jahren rasch entwickelte Eisenbahnnetz der der Hauptstadt näher liegenden Küstenprovinzen zeigt, umfasst auch die Südprovinzen, die als ein Ziel starker deutscher Einwanderung in einem deutschen Atlas einen Bestandtheil von näherem Interesse bilden müssen und hier in ziemlich ausgiebigem Maassstabe erscheinen. — Die Verkehrskarte des Deutschen Reichs zeigt in den immer dichter werdenden Maschen des Eisenbahnnetzes den Fortschritt unseres Bahnbaues bis zum Juni 1881. Ähnliches gilt von dem Blatte der österreichischungarischen Monarchie. — Die dem Vorschieben der russischen Grenzen in Asien vorausgegangenen Recognoscirungen, die mit jenen Schritt haltenden Vermessungen, die Aufnahmen der Briten an den indischen Nordwestgrenzen, die Reisen indischer Geometer jenseits des Himalaya liefer

ten zusammen reichliches Material für verbessernde Umgestaltung der Blätter „Iran und Turan" und „Inner-Asien", wobei auch die Eisenbahnen nicht fehlen, die jenem Vordringen der Engländer vom Indus sowohl wie der Russen vom Caspischen Meere aus in die Teke-Oase auf dem Pusse folgen. Zu den neuesten Änderungen letztgenannter Karte gehört auch die viel besprochene Grenzberichtigung von Kuldscha, als ein Ausnahmefall, in dem ein von den Russen Jahre lang besetzt gehaltenes Gebiet an den früheren Besitzer zurückgelangt. — Zu einem grossen Theile umgewandelt zeigt sich ebenfalls die Karte der Luftströmungen, die an der Hand des gegenwärtigen Standes der Wetterkunde ein Bild des Zusammenhanges von Luftdruck, Wind und Niederschlag in der Bedeutung der letzteren beiden für die Pflanzendecke auf dem Lande wie für die Verkehrswege auf der See anstrebt. — Als fast völlige Neubearbeitungen zu bezeichnen sind die beiden Blätter „Nordost-" und „Süd-Afrika". Waren es in dem ersteren die mit der Ausbreitung der ägyptischen Herrschaft immer dichter werdenden Reiserouten im Nilquellenlande, wichtige Reisen in Arabien oder auch die derzeitige politische Eintheilung des grossen Nilreiches, welche erhebliche Veränderungen bedingten, so sind es in letzterem Blatte neben den grossen Entdeckungsreisen eines Cameron, Stanley, Serpa Pinto, Brazza &c., welche die leeren Räume des Innern des „dunkeln Continents" mehr und mehr verengerten, neben kleineren Expeditionen verschiedener Nationalitäten auch die Reisewege zahlreicher deutscher Landsleute, die eingehendere Kenntniss der von jenen Pionieren durchzogenen Gegenden erzielten. Herrn. Berghaus.

Geographische Literatur.

AMERIKA.

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Karte.

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