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fördern, dabei die dauernde von der zeitweiligen Aus- und Einwanderung zu unterscheiden, und sich nicht auf das Sammeln der numerischen Daten zu beschränken, sondern ihre Untersuchungen auch auf die Ursachen dieser Bewegungen und auf ihre Resultate besonders vom Gesichtspunkt des Handels und der Schifffahrt auszudehnen; b) dass die Vereine zum Schutz der Auswanderer und die handelsgeographischen Gesellschaften alle Notizen veröffentlichen, welche sie sammeln können über die Umstände, durch welche die Auswandererströme bestimmt werden, über die Lebensbedingungen (Löhne und Kosten) in den Ländern, welche die Auswanderung an sich ziehen oder dazu auffordern, und über die Lage der Einwanderer, welche die Colonien verschiedener Nationalitäten bilden; c) dass durch Privatinitiative Auskunftsbureaux in den Ländern gegründet werden, von welchen hauptsächlich ausgewandert wird.

„Der Congress wünscht, dass die Schulkarten nach einfachem Maassstab und Verhältniss angefertigt werden, damit sie eine klare Vorstellung von der relativen Ausdehnung der Gegenden geben können und sich leicht untereinander vergleichen lassen.

„Der Congress erkennt, wie wichtig es für den Fortschritt der geographischen und naturhistorischen Wissenschaften ist, eine neue Serie von antarktischen Explorationen zu beginnen, schickt einen Gruss an die kühnen Reisenden , welche jetzt nach jenen Gegenden unterwegs sind, ermuthigt das italienische Comite, das sich zur Beförderung dieser Explorationen gebildet hat, und wünscht dem Projecte Negri-Bove eine rasche Verwirklichung".

Ausser diesen in den allgemeinen Sitzungen angenommenen Anträgen wurden in den einzelnen Gruppen eine Reihe von Wünschen laut und zum Theil auch durch Abstimmung acceptirt. So kam u. A. die in Antwerpen, Paris und auf anderen geogr. Versammlungen stets wiedergekehrte Frage, wie die Einigung über einen ersten Meridian zu erzielen sei, nicht nur zur Discussion, sondern es wurde der bestimmte Wunsch ausgesprochen, die Regierungen der verschiedenen Länder möchten innerhalb eines Jahres eine internationale Commission beschicken, welche Beschluss in dieser Angelegenheit zu fassen hätte, und als Sitz dieser Commission schlugen die amerikanischen Delegaten Washington vor. Ob damit etwas gewonnen sein wird, ist freilich sehr fraglich; die Einigung hat ihre grossen Schwierigkeiten und, was noch schlimmer, weder in wissenschaftlicher, noch in praktischer Beziehung eine grosse Bedeutung, nur für den Unterricht wäre sie sehr wünschenswerth.

Die Ausdehnung der Beobachtungen von Strömungen und Gezeiten wurde warm empfohlen und auf AI. Woeikow's Antrag der Wunsch ausgesprochen, dass zu gleicher

Zeit mit der Errichtung der magnetisch-meteorologischen Beobachtungsstationen in den Polar - Regionen nach dem Weyprecht'schen Plane, meteorologische Stationen zweiter Ordnung auf denselben Meridianen, aber in niedrigeren Breiten angestellt werden möchten, vor Allem wären solche Stationen in Ost-Sibirien zwischen 52 und 72° N. Br. und an der Westküste von Nowaja Semlja erwünscht. Ebenso befürwortete man, dass die italienische Regierung eine möglichst lange Serie von meteorologischen Beobachtungen in den antarktischen Regionen ausführen lassen möchte, und dass längs des Rio Negro in Patagonien und in der Bai S. Giuseppe meteorologische und speciell magnetische Beobachtungen unter Beistand der dortigen italienischen Missionare vorgenommen würden. Auch sprach u. A. die vierte Gruppe, veranlasst durch einen Vortrag von Muschen broek über die Alfuros, den lebhaften Wunsch aus, dass die Regierung von Niederländisch-Indien und die dort blühenden wissenschaftlichen Institute ihre Aufmerksamkeit auf die Ethnologie der sogenannten Alfuros von Halmahera und den benachbarten Inseln richten möchten, man könne Bich daraus Aufklärung über den Ursprung der hellen Polynesier versprechen.

Selbstverständlich boten die Sitzungen der acht Gruppen eine Menge interessanter Mittheilungen und Bemerkungen, namentlich auch die der 7. und 8., die sich mit dem Unterricht und den Reisen beschäftigten, obwohl aus ihnen wenig allgemeine Beschlüsse hervorgegangen sind.

Die Ausstellung. — Wie vortrefflich der Gedanke war, Ausstellungen mit den geogr. Congressen zu verbinden, hat sich in Venedig wieder glänzend bestätigt. Es giebt in der That für die Producenten keine andere in gleichem Maasse günstige Gelegenheit, ihre Arbeiten den Sachverständigen und Consumenten vorzuführen, als diese Fachausstellungen zu einer Zeit und an einem Orte, wo so viele Männer von Fach aus allen Ländern vereinigt sind, und andererseits bieten sie den Geographen die Möglichkeit, die neuen Erscheinungen in einiger Vollständigkeit, sowie viele interessante und seltene alte Werke kennen zu lernen. Die Production von geogr. Karten, Büchern, Zeitschriften, von Photographien landschaftlichen und ethnographischen Inhaltes aus den entferntesten Winkeln der Erde, von Bildern, Panoramen, Reliefkarten und dergl. ist in den letzten Jahrzehnten ganz enorm gewachsen, eine geogr. Bibliothek einigermaassen complet zu halten, ist gegenwärtig eine sehr kostspielige Aufgabe und geschieht nur an wenigen einzelnen Stellen. Viele Publioationen sind zudem kaum oder nur durch besondere Gunst zu erhalten, weil namentlich Behörden und Gesellschaften noch häufig ihre Druckwerke nicht in den Buchhandel geben, bisweilen wird nicht einmal ihr Erscheinen bekannt gemacht, und trotz aller Aufmerksamkeit entgeht dem Fachmann aus diesem Grunde die Existenz mancher, für ihn vielleicht wichtiger Gegenstände. Bei den geogr. Ausstellungen aber haben sich, wenigstens in einer Anzahl von Ländern, gerade die Behörden und Gesellschaften, in rühmenswerther Weise betheiligt, und auch der Kundigste wird sie mit Befriedigung besucht haben, da sie einem Jeden Neues und Interessantes boten.

Die Ausstellung in Venedig übertraf in mancher Hinsicht noch die Pariser von 1875. Die Räumlichkeiten im Falazzo reale mit der Aussicht auf den Markus-Platz und auf die Piazzetta waren etwas klein, so riesige Karten wie die zusammengesetzte Carte de France in 1: 80 000, hätten dort unmöglich placirt werden können, und nirgends zeigte sich eine Perspective wie in der Galerie des Fastes und der Salle des l2tats, aber sie waren reich und schön und zeichneten sich dadurch vortheilhaft vor den nothdürftig restaurirten Sälen des Pavillon de Flore aus.

Ob die Zahl der Gegenstände grösser oder geringer war als in Paris, lässt sich nicht wohl angeben , die Nummern des Catalogs geben dafür keinen sicheren Anhalt, weil eine einzelne oft viele Gegenstände zugleich umfasst, doch übersteigt die Zahl der Nummern in der Venetianischen Ausstellung die der Pariser um mehr als ein Drittel, und so mag sie doch auch thatsächlich reichlicher beschickt worden sein. Bedeutend mehr als in Paris hatten namentlich Italien, England, Österreich - Ungarn und die Vereinigten Staaten von Amerika ausgestellt, sodann Spanien, Japan, Ägypten, Brasilien, Chile; auch Deutschland war diess Mal vollständiger vertreten, und denjenigen Staaten, welche sich von der Ausstellung in Venedig fern gehalten hatten, wie Dänemark, Norwegen, Portugal, Türkei, Hawaii, standen andere gegenüber, die sich zum ersten Mal betheiligten, so Griechenland und Venezuela. Eine vergleichende Tabelle über die Zahl der ausgestellten Nummern, die wir den Catalogen entnehmen, giebt darüber näheren Ausweis:

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I. Lettere di distinzione. Hydrogr. Amt der Kais. Admiralität, Kais. Statistisches Amt, Kg!. PreusB. Generalstab, Kgl. Preuss. Geolog. Institut, Kgl. topogr. Amt in München, Kgl. Bayer. Oberbergamt, Kgl. Bayer.Meteorol. Centralstation, Kgl. Bayor. Akademie der Wiss., Grossh. topogr. Amt in Karlsruhe.

II. Ehrendiplome 1. Classe. Kais. Seewarte in Hamburg, Westphälisch. Verein für Bergbau

in Bochum, Anthropol. Gesellsch. in München2), Justus Perthes' Geogr. Anstalt in

Gotha.

III. Medaillen 1. Classe. A. Asher & Co. in Berlin3), Dietr. Reimer in Berlin (historische

Geographie), J. Perthes in Gotha (historische

Geographie), Behm und Wagner, Bevölkerung

der Erde,

Herrn. Berghaus in Gotha,
Carl Vogel in Gotha,
J. Perthes (Peterm. Mittheilungen),
Weidmann'sche Buchhandl. in Berlin,
Dietr. Reimer in Berlin (Reise-
werke).

IV. Ehrendiplom 2. Classe.
Geogr. Gesellschaft in Bremen.

V. Medaillen 2. Classe.
K. Bamberg in Berlin (geodät. In-
strumente),
J. Wanschaff in Berlin (desgl.),
Museum Godeffroy in Hamburg,
Vermessungs-InBpector Kaupert im

kgl. preuss. Generalstab,
Dietr. Reimer in Berlin (Unterrichts-
mittel),
Velhagen & Kissing in Leipzig.

VI. Ehrenvolle Erwähnungen.
Eduard Strecken (?),
Springer in Berlin (?),
Hans Reimer in Berlin,
Karl Flemming in Glogau,
Leo Wörl in Würzburg.

') Portugal und Bulgarien hatten nicht ausgestellt, aber dort wurde der Afrika-Reisende Serpa Pinto, hier Dr. Cost. Firecok prämiirt.

2) Für Prof. Öhlcnschläger's prähistorische Karte von Bayern.

3) Für das Werk von Reiss und Stübel über das Todtenfeld von Ancon in Peru.

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Nicht weniger befriedigend als die Beschickung war auch der Besuch der Ausstellung. Nach officiellem Ausweis betrug die Gesammtzahl der verkauften Eintrittskarten 20 733 oder, da die Ausstellung vom 1. bis 30. September dauerte, im Durchschnitt täglich 691. Nimmt man an, dass die Congressmitglieder, welche freien Eintritt hatten, je ein Mal am Tage die Ausstellung betraten, so stellt sich die durchschnittliche Zahl der Besucher auf ca 1300 heraus, während sie in Paris etwas über 1200 betrug. Die absolute Zahl stieg in Paris allerdings bedeutend höher, weil die Ausstellung über doppelt so lang (15. Juli bis 16. Septbr.) geöffnet war.

Wenn wir nun zu den einzelnen Abtheilungen übergehen, so müssen wir uns auf wenige Notizen über neueste Erscheinungen, und zwar vorzugsweise über Reiseergebnisse, beschränken. Die meisten der ausgestellt gewesenen Gegenstände sind bereits in diesen Blättern erwähnt worden oder waren Fortsetzungen früher erwähnter Kartenwerke &c.; Vieles lag auch ausserhalb der Categorien, mit denen sich unsere Zeitschrift beschäftigt, so besonders die astronomischen und geodätischen Instrumente, die in grosser Zahl und, wie man hört, in vorzüglicher Güte vorhanden waren, die ethnographischen Gegenstände, die Photographien und sonstigen Bilder, die naturhistorischen Sammlungen und dergleichen mehr, die eine gefällige Abwechselung in den hauptsächlich mit Karten und Büchern angefüllten Räumen bewirkten. Bei einer grossen Anzahl von Objecten war auch ein genügendes Betrachten nicht möglich, weil sie zu hoch an den Wänden angebracht oder in Büchern gebunden waren, die nicht aufgeschlagen werden durften. Das Verbot, die Masse der gebundenen Atlanten, Schrift- und Bilderwerke zu durchblättern, wäre geradezu peinigend und zweckwidrig gewesen, hätten sich nicht die Commissäre und Delegirten der einzelnen Länder mit nicht hoch genug anzuerkennender Selbstverleugnung der Wissbegierigen angenommen und ihnen sogar ausser der Zeit, in welcher das Publicum Zutritt hatte, die Gegenstände gezeigt und erklärt, die sie vorzugsweise kennen zu lernen wünschten. Es ist uns Bedürfniss, unseren wärmsten Dank für diese liebenswürdige Gefälligkeit auch an dieser Stelle auszusprechen.

Die ersten Räume, die den Eintretenden aufnahmen, und darunter der einzige grössere Saal waren der Ausstellung Italiens gewidmet, die augenscheinlich mit ganz besonderem Eifer und unter Mitwirkung zahlreicher Behörden und Privaten zusammengebracht war. Gleich in dem ersten Zimmer fand man hier neben nautischen und meteorologischen Instrumenten die interessanten ethnographischen Gegenstände, die d'Albertis 1872—75 in Neu-Guinea gesammelt hat, und in dem anstossenden Saale fesselten eine

Menge anziehender und merkwürdiger Gegenstände das Auge. Neben dem Modell eines altvenetianischen Ruderschiffes füllten die Tische im inneren Räume u. A. grosse Reliefpläne von einzelnen Orten der Insel Candia, von Zara, Corfu, Cerigo, die im 17. Jahrhundert, grossentheils 1612 angefertigt wurden und durch ihre vortreffliche Ausführung überraschen; sie gehören dem Marine-Arsenal in Venedig. Die lange Wand gegenüber • den Penstern war bedeckt mit mittelalterlichen Portulanen, Welt- und anderen Karten, die, von verschiedenen Bibliotheken, Akademien und Privaten geliefert, hier eine einheitliche, nach der Zeit geordnete Collection bildeten. Als Hauptstück stand an ihrem rechten Flügel die berühmte Weltkarte von Fra Mauro (1459) aus der Biblioteca Marciana zu Venedig, unter Glas und eingerahmt auf einem besonderen Gestell und fast 2 m hoch und breit. Als passende Ergänzung lagen auf den Tafeln zahlreiche Astrolabien und andere alte Instrumente, eine Menge Aasgaben der Schriften von Strabo, Ptolemaeus, Pompouius Mela, dann von Marco Polo, Pigafetta, Marin Sanuto, Verschiedenes von Columbus und anderen alten und mittelalterlichen Reisenden und Schriftstellern. Diese ganze Sammlung von Zeugen aus früheren blühenden Epochen der Geographie zählte gegen 500 Nummern und mag im Einzelnen viel Interessantes geboten haben; aus ihrer Mitte erhob sich ein über und über vergoldeter chinesischer Götze als lebensgrosse menschliche Figur, die, wie man sagt, eine chinesische Verherrlichung des Marco Polo sein soll.

Bei dieser Gelegenheit mag erwähnt werden, dass Prof. Theob. Fischer in Kiel Facsimiles von einer Auswahl der in Italien aufbewahrten Welt- und Seekarten des 13. bis 16. Jahrhunderts herausgiebt (Venedig, bei Ferd. Organia, 1881), und zwar sind nach Ausweis seines Catalogs bis jetzt 17 solcher, meist mehrblätteriger Karten erschienen, die hier auslagen (Preis 318 Lire).

Dem vergoldeten Marco Polo gegenüber stand reich bekränzt das lebensgrosse Portrait des Capitän Matteucci, dem kurz vor dem Congress das tragische Geschick zu Theil ward, dass er nach einer glänzenden Reise quer durch Afrika, mit dem vollen Rechte auf ungewöhnliche Ehren und Belohnungen nach Europa zurückgekehrt, von den Nachwirkungen des tückischen Klima's dahingerafft wurde, noch bevor er die Heimath wiedergesehen. Nur sein Reisegefährte Massari konnte dem Congress berichten, wie es den beiden Italienern gelang, nach Wadai einzudringen und durch Bornu, Haussa und Nupe die Guinea-Küste zu erreichen. Während der Excursion nach Murano wurde unter den theilnehmenden Congressmitgliedern eine Geldsammlung veranstaltet, welche den Grundstock für das aus nationalen Mitteln zu beschaffende Denkmal des Verstorbenen bilden soll.

Im Gegensatz zu dem viel betrauerten Matteucci war es dem Prof. Beltrame vergönnt, durch seine persönliche Anwesenheit zu zeigen, dass ihm das verrufene Klima des Weissen Nil, dem er sich vor einem Vierteljahrhundert Jahre lang aussetzte, die Lebensdauer nicht abzukürzen vermochte, und für seine Geistesfrische legen seine Bücher „II Sennaar: e lo Sciangallah" (Verona, 1879) und „II Fiume Bianco e i Denka" (Verona, 1881), von dem letzteres erst durch den Congress veranlasst und bereitwilligst unter die Mitglieder des Congresses vertheilt wurde, das günstigste Zeugniss ab. D'Albertis' Werk über Neu-Guinea war in englischer und italienischer Ausgabe („Alia Nuova Guinea", Florenz 1881) ausgelegt.

Unter der grossen Anzahl Land- und Seekarten zogen uns am meisten an die photolithographirten Blätter der Generalstabskarte von Süd-Italien in 1:100 000 (bis jetzt 277 Bl.) und deren erst kürzlich publicirte Reduction auf 1:500000 (24 Bl.). Sie geben namentlich für Calabrien ein von dem bisherigen ganz verschiedenes Terrainbild, das auf einige Entfernung sehr ausdrucksvoll wirkt, während für Betrachtung in der Nähe die Schwere der Bezeichnungen der Unebenheiten etwas stört. Kräftigeren Eindruck in der Nähe sowohl wie in einiger Entfernung machten die zusammengesetzten 9 Originalzeichnungen der Karte der Umgebungen von Neapel in 1:25 000, hergestellt im Ufficio topograüco dell' ex-Regno di Napoli, die zwar auf Seite der geschichtlichen Abtheilung die Wand zierten, aber mit ihren frischen Farben so lebhaft in die Gegenwart schauten, dass man ihnen nicht ansah, wie sie schon vor einem Menschenalter in Kupfer gestochen worden sind, und dass man am Vesuv und den Phlegräischen Feldern ein Modell zu sehen glaubte. Ausgezeichnete Reliefkarten von Ober-Italien und von Central-Umbrien lieferte C. Maineri und Cl. Cherubini. Wenn bei ihnen die Färbung fast etwas zu matt erschien, glänzte eine Serie von Reliefs kleineren Formates für Unterrichtszwecke mehr durch ihre Anzahl und starke Lackirung als durch ihr unschönes Colorit.

Durchwandert man die ziemlich schmalen Corridore, die aus Mangel an Raum zum Unterbringen vieler Gegenstände benutzt waren, so sah man sich reichlich belohnt durch die hervorstechend geschmackvollen und mit eingehendster Sachkenntniss bearbeiteten Karten, die Guido Cora an diesem bescheidenen Platze ausgestellt hatte. Sein „Cosmos" ist in fachmännischen Kreisen bekannt und hochgeschätzt, ausser den Karten dieser Zeitschrift fand man aber auch einige ganz neue Zeugnisse seiner jungen Arbeitskraft, eine Karte von Tunis, eine Wandkarte von Asien, erst in der Situationszeichnung, und einen ebenfalls noch unvollendeten grossen Globus in 1:20000000. Mehrere Schulen hatten hier Kartenzeichnungen ihrer Schüler ausgestellt, die sich zwar nicht über das Dilettantenhafte erhoben, aber einen Petermann's Geogr. Hittheilnngen. 1881, Heft XI.

Grad von Fertigkeit erkennen Hessen, der auffallen müsste, wäre nicht anzunehmen, dass die Hand des Lehrers doch etwas nachgeholfen hat. Eine Manuscriptkarte von NordostAfrika von Carlo Pedrone, westlich bis Bornu reichend, zeigte u. A. die Route Bianchi's durch Abessinien, wurde aber durch einigen Mangel an Kritik beeinträchtigt.

An Italien grenzte freundnachbarlich, auch auf der Ausstellung, Frankreich, das sich mit grossem Eifer und Erfolg bemüht hatte, nicht nur ein möglichst vollständiges Bild von seiner neuesten geogr. Production zu geben, sondern auch Abwechselung zu bieten und die Schaulust zu befriedigen. Das am dichtesten umstandene Object der ganzen Ausstellung war eine Bauernstube der Bretagne mit allen zugehörigen Möbeln und Geräthen und mit acht lebensgrossen menschlichen Figuren in den Trachten von 1840, eine Probe von den Schätzen der Musee d'ethnographie in Paris. Aus demselben Museum hatte das Ministerium des öffentlichen Unterrichts noch zwei einzelne lebensgrosse Figuren, einen Basken und einen Fischer aus Dieppe im Festanzug von 1830 darstellend, sowie eine Sammlung von landschaftlichen und ethnographischen Photographien aus den verschiedenen Provinzen Frankreichs, auf einem grossen drehbaren Ständer, nach Venedig bringen lassen. Auch aus anderen Museen war vieles zur Stelle gebracht, so aus dem der gallischen und römischen Alterthümer zu St.-Germain, dessen altrömische Wurf- und Schleudermaschinen die Congressmitglieder von 1875 in Thätigkeit sahen, eine Anzahl Karten und Bücher über Gallien, Druidensteine, Abbildungen von Alterthümern, aus der Nationalbibliothek verschiedene alte Karten; für uns übten aber unter den Ausstellungsgegenständen des Unterrichtsministeriums die Ergebnisse der Missions scientifiques die grösste Anziehungskraft. Reisen zu wissenschaftlichen Zwecken werden bekanntlich jedes Jahr von der französischen Regierung in grösserer Zahl unterstützt, und seit neuerer Zeit werden auch geographische Zwecke dabei berücksichtigt. So sah man denn hier als Resultate die Aufnahmen der südamerikanischen Flüsse Oyapok und Vapura von Crevaux in 10 Blatt, und ausser verschiedenem Anderen, theils gedruckt, theils im Manuscript, Alfred Grandidier's grosses Werk über Madagaskar, soweit es fertig ist, darunter 4 Quartbände mit 399 Tafeln über die Vögel Madagaskars. Dabei befand sich eine Manuscriptkarte: „ Carte hypsomctrique du massif d'Ankaratra in 1: 500 000 und mit Höhencurven von 500 zu 500 m, eine Probe der äussersten Genauigkeit, mit der Grandidier seine kartographischen Arbeiten zu veröffentlichen gedenkt.

Gleich dem Unterrichtsministerium hatten alle anderen Ministerien, mit einziger Ausnahme des Justizministeriums! zu der Ausstellung beigetragen. Das des Äussern war

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durch einige ältere Karten, das des Handels und das der Finanzen durch statistische Druckwerke und Zeitschriften, das des Innern und der Culte durch eine Reihe statistischer Karten über Bevölkerungsdichtigkeit, Gemeindesteuern, Gemeindeschulden &c., sowie durch die Publicationen über den letzten französischen Census, das der Posten und Telegraphen durch Post- und Telegraphenkarten von Frankreich und Algerien, das Marineministerium durch seine bekannten nautischen Publicationen, See- und Küstenkarten, ferner durch einiges auf Cochinchina Bezügliche vertreten. Vortreffliche geologische Karten, ferner dicke Atlanten über die schiffbaren Flüsse und die Canäle Frankreichs, graphische Darstellungen über den Verkehr auf den Eisenbahnen und Gewässern Frankreichs, Eisenbahnkarten von Frankreich und Algerien, Karten über den Kohlentransport und dergleichen waren vom Ministerium der öffentlichen Arbeiten geschickt worden, am reichsten aber an werthvollen Neuigkeiten war die Ausstellung des Kriegsministeriums. Dieses hatte ausser seinen bekannten fertigen Kartenwerken Proben von einer ganzen Anzahl noch unvollendeter oder erst begonnener vorgelegt. Da sah man neben einer revidirten Ausgabe der Carte de France in 1: 80 000, die, auf Zink gestochen, seit Januar 1880 in monatlichen Lieferungen erscheint, 4 Blatt einer neuen topogr. Karte von Frankreich in 1: 50 000, welche zusammen dem Blatt 69 (Nanoy) der Carte de France in 1: 80 000 entsprechen, von Zink gedruckt und fünffarbig, das Terrain durch Höhencurven von 10 zu 10 m ausdrücken. Eine Beduction von 16 Blättern dieser Karte auf ein einziges in 1:200000, den Sectionen Nancy, Lune"ville, Mirecourt und Epinal der 80 OOOtheiligen Karte entsprechend, ist in derselben Weise ausgeführt, nur beträgt der Abstand der Höhencurven 20 m. Diese Reduction soll 77 Blätter umfassen, während die Karte in 1:50000 deren 950 zählen wird. Ebenfalls unvollendet Bind eine Karte von Frankreich in 6 Bl. und 1: 600 000, eine Karte des Seine - Departements in 36 Bl. und 1:20000, von Zink mehrfarbig gedruckt, und eine topogr. Karte von Algier in 1: 50 000 in derselben Ausführung wie die von Frankreich. Ferner war hier eine Karte der Alpen in 10 Bl. und 1: 300 000, dreifarbig lithographirt, eine „Carte du nivellement general de la France" in 6 Bl. und 1:800 000, eine Karte über den Gesundheitszustand in den verschiedenen französischen Armeecorps 1880, eine Eisenbahnkarte von Frankreich in 1: 800 000 und die Anfänge nebst dem "Übersichtstableau einer Karte von ganz Afrika in 1:2 000 000 von Capitän Lannoy de Bissy.

Ausser den Ministerien nahmen auch andere Behörden, eine grosse Zahl von Gesellschaften und Privaten an der Ausstellung Theil, so z. B. die Präfectur des Seine-Departements, die Meteorologische Central-Anstalt, die Indo-chine

sische Akademie, die Anthropologische Gesellschaft zu Paris mit den Arbeiten von Quatrefages und Hamy, sowie mit reichen Sammlungen ethnographischer Photographien, die Panama-Canal-Gesellschaft mit ihren Schriften und Karten, der französische Alpenclub mit dem 7. Band seines Annuaire und mit Specialkarten des Mt. Perdu und Mt. Pelvoux, die geogr. Provinzialgesellschaften mit ihren Publicationen, und namentlich auch die Pariser Geogr. Gesellschaft. Hier fanden wir einiges besonderes Interessante. So z. B. d'Arnaud's handschriftliche Carte du Bahr-el-Abiad (1840—42) in 1:1500 000 mit einem grösseren Plan des Mokren und der benachbarten Theile des Keilak (Bahr-elGbasal) und Bahr-el-Abiad, aus welchem man ersieht, dass d'Arnaud den ganzen See und auch die zwei grossen Inseln in seiner Mitte umfahren hat. Ein grosses Vertrauen auf ihre Verläßlichkeit hat uns der Anblick dieser seit so langer Zeit zuerst an's Tageslicht gekommenen Aufnahme des Weissen Nil nicht gerade eingeflösst, sie weicht von den neuen Marno'schen Aufnahmen so bedeutend ab, dass wohl kaum die Veränderungen des Flussbettes zur Erklärung ausreichen. Auf sorgfältigen Routenaufnahmen scheint Olivier's Karte seiner jüngst beendeten Reise nach Futa Djalon (1:1250000) zu beruhen, die sauber gestochen, mit Profilen längs des Reiseweges, von der Geogr. Gesellschaft in Marseille ausgestellt war. Sehr erfreute uns eine vorläufige Karte von Savorgnan de Brazza's Reise vomOgowe zum Congo in 1:5 700 000, die wohl bald im „Bulletin" veröffentlicht werden wird. Die Route geht von Franceville am oberen Ogowe nicht nach dem Alima, sondern, ohne diesen zu berühren, südöstlich nach dem Lefini oder Lawson River und von diesem zum Congo. Die französische Station am letzteren, Brazzaville, liegt südlicher als die MUndung des Lawson, etwa unter 4° S. Br. In Handschrift und unvollendetem Stich zeigte sich Franc. Moreno's Karte seiner Reise im nördlichen Patagonien zum Nahuel-huapi 1879—80. auch waren Aufnahmen und Routen von Montano in Celebes, 1: 500 000, sowie Georges Revoil's neue Reise im SomaliLand 1880—81, mit Photographien von Somalis und von den ausgegrabenen Objecten, speciellen Aufnahmen, Skizzen und Zeichnungen, eine der interessantesten Neuigkeiten der ganzen Ausstellung, erst in Handzeichnung vorhanden. Die Karten ihrer „Bulletins" von 1875 bis 1881 hatte die Pariser Geogr. Gesellschaft in einen grossen Band zusammenbinden lassen, dabei als noch unpublicirte Karten für die nächsten Hefte eine Specialkarte der zahlreichen Itinerare Chevarier's in das Arad, die Sandregion im Süden von Tunis und Gabes, sowie Bloyet's Reise von Bagamoyo an der afrikanischen Ost küste in's Innere bis Condoua. Inmitten ihrer werthvollen Collection aber erhob sich das Portrait ihres verstorbenen Präsidenten, Vice-Admiral de la Ronciere le Noury.

(Fortsetzung folgt.)

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