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Reisen in Cyrenaica.

Im Auftrage der Handels-Erforschungsgesellschaft von Mailand ausgeführt von Capitän Camperio und Dr. Mamoli,

Commendatore Haimann und Herrn Pastore.

(Mit Karte, s. Tafel 15 ').)

Das Comitu der Mailänder Gesellschaft für HandelsErforschung Afrika's beauftragte zu Anfang des Winters 1880—81 den Vicepräsidenten Capitän Manfredo Camperio, das Innere bis Derna zu bereisen und die Hochebene bestmöglich zu erforschen, sei es persönlich oder durch einen der Delegirten, Dr. Mamoli, Capitän Bottiglia, Herrn Pastore, und Commendatore Haimann — letzterer in Gesellschaft seiner muthigen Gemahlin —, welche schon nach Bengasi abgereist waren, um die Station Bengasi selbst zu inspiciren und die Möglichkeit der Gründung anderer, versuchsweise zu errichtender Stationen zu studiren.

Camperio verliess Mailand am 17. Februar, um den Auftrag des Comite's auszuführen, und nachdem er Tunis, Susa, Sfax, Tripoli und Malta berührt hatte, langte er am 5. März in Bengasi an.

Nach Besichtigung der Station Bengasi, die er durch Capitän Bottiglia sehr gut eingerichtet fand, in einem der grössten und bequemsten Häuser, in welchem er auch mit Leichtigkeit den Dienst des meteorologischen Observatoriums regeln konnte, machte sich Camperio sofort daran, zwei Excursionen in's Innere zu organisiren.

Erste Expedition: Capit. Camperio und Dr. Mamoli.

Die Karawane dieser Expedition bestand ausser den Genannten aus dem Dolmetscher E. Levi, dem Führer Ibrahim, vier Pferden, vier Kameelen und zwei Kameelführern. Später vermehrte sie sich um einen Mohren, welcher den Zeltdienst zu versehen hatte, und um ein Eselein, das den Wassertransport besorgte. Ausserdem gab uns der Pascha Ali Kemali, da seiner Aussage nach das Land wenig sicher war, eine Bedeckung mit, bestehend aus einem Mudir mit seinem Schreiber und vier Zaptias zu Pferde, mit

') Capit. Camperio, der auf unseren Wunsch die Karte seiner und Commre Haimann's diessjähriger Heise durch den nördlichen Theil der Halbinsel Barka den „Petermann'schen Mittheilungen" zur Verfügung stellte, wünschte sie auch seinem „Esploratore" beizugeben. Aus Rücksicht auf die Abonnenten seiner Zeitschrift haben wir daher die italienische Schreibart der Namen auf der Originalzeichnung beibehalten. £. B.

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1881, Heft IX.

Ausnahme von Einem, der ein Kameel ritt. Alle waren nach arabischer Art bewaffnet, d. h. mit Feuersteinflinten und Pistolen. Die wissenschaftlichen Instrumente der Gesellschaft waren Thermometer, Kompasse, Anero'ide, Azimuth, Seile für Längenmessungen und Sondirapparate; ausserdem besass sie auch einen vollständigen photographischen Apparat ')•

Sonnabend, den 12. März. Aufbruch Nachmittags 3JUhr. Nach einem halbstündigen Marsche2) halten wir in einem Dattelwalde, um die Photographie der Karawane aufzunehmen. Nach lj Stunde Aufbruch. Um 6£ Uhr Lager in Sanit-Osman, dem letzten Garten von Osman. Diese Gärten, wovon nach Bengasi einer auf den anderen folgt, sind wahre Eden! Feigen, Datteln, Äpfel, herrliche Trauben sind ihre Producte. Man findet dort frisches und vollkommen süsses Wasser. Diess ist vielleicht der Ort der berühmten Hesperiden-Gärten. Ausserhalb dieser Gärten ist der Boden unfruchtbar und bedeckt mit grossen Steinen, Spuren von Ruinen.

Den 13. März. Abreise um 8 Uhr. Um 9 Uhr passiren wir die Sebken, ein felsiges, kalkartiges, ödes Terrain. Um 10 Uhr sind wir in Sicht der Gebel el Dakar-Berge, welche zur Akdar-Kette (den grünen Bergen) gehören. Ausgedehnte Ebenen, Gerstenfelder, beginnen sich dem Blicke zu zeigen, aber die Vegetation bleibt mager. Man trifft viele wilde Artischocken, wovon sich Menschen und Thiere nähren. Der Marsch wird hierdurch verzögert und wir legen nicht mehr als 4 km per Stunde zurück. Die wilden Artischocken werden auch gesammelt, um sie den Thieren während des Lagerns zu geben. Wir kommen in der Nähe von Sidi Kalifa vorbei, unweit dessen die zweite Expedition der Gesellschaft auf ihrer Reise von Malta nach Ben

') Die Abgeordneten der Gesellschaft müssen ausser den wissenschaftlichen Instrumenten auch den photographischen Apparat zu gebrauchen wissen.

'') Wir lassen die Directionsangaben weg, da diesem kurzen Auszug eine Kartenskizze der Reise beigegeben ist. M. Camperio.

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gasi Schiffbruch litt, und begegnen verschiedenen BeduinenZelten. Der Boden wird fruchtbarer, je mehr man sich den Bergen nähert; es zeigen sich Heerden von Kühen, deren Milch von bester Qualität und sehr fett ist. Links vom Wege finden wir gut erhaltene Fundamente eines alten Thurmes. Man trifft verschiedene Brunnen, runde und viereckige, und einen Wasserbehälter römischer Bauart, wo die Pferde trinken können. Diese Brunnen werden Talnides genannt. Um 6{ Uhr langen wir im Zeltdorf Sidi el Hamra an (das rothe Dorf) und bivouakiren hier. Der Boden ist reich an Gras, Wasser ist in Überfluss vorhanden, auch beginnen hier Wäldchen von Juniperus phoenicea (arab.: Scharra) und Lentiscus (arab.: Batum).

Den 14. März. Abreise von Sidi el Hamra um 7h 10m. Wir begegnen dem Dorfe El Creba. Der Marsch ist immer langsam, denn der Boden ist mit Gras bewachsen, und die Eameele fressen rechts und links und bleiben nicht in der Reihe. Um 10h 5m Bind wir in Bersis und eine Stunde nachher in Sicht eines Salzsees desselben Namens links. Er gleicht einem breiten grauen Fluss und ist durch einen weissen Streifen vom blauen Meere getrennt. Eine andere Sebka, die wir früher an der linken Seite in unserer Route sahen, steht in Verbindung mit dem Meer. Das Salz dieses Sees gehört den Arabern, nicht der Regierung.

Um ll1' 20m durchschreiten wir das Wadi Zera und seine trookenen Wäldchen, um 1 Uhr das Wadi Carub, so genannt nach den vielen Johannisbrotpflanzen, welche es umgeben. Dieses Wadi entspringt an dem nahen Berge der Akdar-Gruppe. Den Dragoman mit dem Führer jschickte ich auf einen hohen Berg der Akdar-Kette, um mit dem Anemul die Höhe desselben zu bestimmen. Am Abend kehrten sie zurück und hatten gefunden, dass er sich 1000 Fuss über das Niveau des von uns begangenen Weges erhebe.

Wir kommen durch ein drittes Wadi, Bei Brabis genannt. Hier gewinnt man die Wurzeln einer Pflanze, welche zur Herstellung einer rothen Farbe benutzt werden. Um 3Jh lagern wir bei den Ruinen von Tocra. Der See erstreckt sich ungefähr 3 Stunden'zu Fuss gegen Tocra hin parallel der Küste. Wir besuchen die Ruinen bis gegen Abend. In Tocra selbst giebt es gutes Wasser, aber nicht viel. Eine grosse Zauia steht in der Ebene und dient als Moschee für die Gläubigen. Sie hat, wie alle Zauien, eine viereckige Form, ist aber nur von einem einzigen Mönche bewohnt, welcher zur Brüderschaft der Snussi gehört.

Den 15. März. Um 7£h Aufbruch von Tocra. Man marschirt eine Stunde lang in der Ebene. Dann beginnt das Besteigen der Akdar-Berge. Durch dichte Büsche führt der Weg krumm und steil im Bette des Wadi Zaitum hin.

Am Fusse des Berges, rechts von unserem Wege, erblickt man das Zeltdorf Zaitum.

Auf dem Gipfel des Berges trafen wir ein anderes Wadi, welches in einer dem Wadi Zaitum entgegengesetzten Richtung läuft, und Wadi Scherra heisst. Auch befinden sich auf diesem Hochplateau viele Sümpfe und Bäche 'fliessenden Wassers, welche sich in den Thälern verlieren. Hier existirte augenscheinlich ein vollständiges Bewässerungssystem und man cultivirte vielleicht auoh Reis, wie Strabon vermuthen lässt. Die arabische Gleichgültigkeit hat indess jede Spur der Canäle vertilgt, und jetzt werden in der regnerischen Jahreszeit durch die Ausdünstungen der Sümpfe Fieber erzeugt. Gegen Mittag befinden wir uns auf dem höchsten Theil dieses Hochlandes. Bald erscheint die Ebene von Merg '), in deren Centrum man einen dunkeln Fleck, die Burg von Merg mit einigen Gebäuden, gegen Osten bemerkt. Auf der östlichen Seite von Merg lag wahrscheinlich die antike Barka. Wir erblicken einen langen blauen Streifen; es ist der Garig-See. Von hier aus sieht man alle Variationen des Terrains, indem man sich gegen die Ebene hin fortbewegt. Deutlich kann man die Wadis erkennen, welche von Norden her den Garig-See speisen. Der Führer, dessen Aussprüche ich durch die Aussage der Kameelführer controlire, giebt mir die Namen dieser Wadis; von Westen beginnend heissen sie: Wadi Selel Goddi, Wadi Grami, Wadi Testir, Wadi Rusa.

Die Ebene von Merg hat eine längliche Form und dehnt sich von Westen nach Osten 7 Marschstunden zu Fuss aus, und ca 3 Stunden in dem mittleren Theil bei Merg von Norden bis Süden.

Merg, dessen Schloss wir um 2h Nachmittags erreichten, ist ein Flecken von 100 Häusern und ca 1200 Einwohnern nebst 150 Cavallerie - Soldaten, welche die Besatzung bilden. Dort befiehlt ein alter Bimbaschi (Hauptmann). Eine kleine, aber sehr besuchte Zauia liegt gleich am Anfang des Dorfes, vom Schlosse aus gerechnet, und ist bewohnt von zwei Snussi-Mönchen. Nordwestlich vom Schlosse, ca 150 Schritt entfernt, befindet sich das Grab oder besser der Begräbnissplatz des Dr. Lassalle, eines französischen Reisenden, der 1876 in Merg starb, als er die Cholerakranken daselbst behandelte.

Die Bevölkerung besteht aus muselmännischen Beduinen, 70 Juden und einem maltesischen Christen. Man findet dort auch ein Dutzend Griechen aus Candia, welche Muselmänner sind. Die Provinz Merg wird von einem Kaimakam regiert, gegenwärtig von Aruf Bey, dem Schwager von Ali Kemali, dem Gouverneur von Bengasi. Er residirt

') Nach dem arab. orthograph. System Ton Prof. A. Aman: g wie im italienischen Wort giorno oder wie das deutsche dsch.

nicht in Merg, sondern wohnt ständig in Bengasi und geht nur in den Monaten April, Mai und Juni in sein Kaimakamat, um die Steuern einzutreiben. In jener Zeit begleitet ihn ein starkes Gefolge von Soldaten zu Fuss, welche auf dem Platze lagern und ihm hülfreich beistehen in den Unterhandlungen mit den Soheiks zur Bestimmung der Höhe der Taxen.

Im Westen von Merg befinden sich drei grosse Wasserbehälter von römischer Bauart und Überreste von Wasserleitungen von den Bergen her.

Es giebt keinen einzigen Baum in der Ebene von Merg, ausgenommen eine Palme, welche als Wegweiser für den zur Stadt wandernden Reisenden dient, und einige Feigenbäume, sowie andere kleine Bäume in den wenigen Gärten der Stadt. Der Boden ist ausschliesslich mit Gerste bebaut, aber eine grosse Strecke bleibt Wiese, welche herrlich gedeiht. Man zieht dort viele Pferde, welche als gut bekannt sind. Abends Aneroid 740.

Den 16. März Aufenthalt in Mer#.

Den 17. März. Abreise um 10h 20m. Wir ziehen an der Südseite des Garig-Sees entlang und brauchen dazu 3 Stunden zu Eameel. Dieser See wird durch das Wasser der oben genannten Wadis gebildet, er hat aber auch Quellen, welche ihn nähren.

Die Kameele erreichen die Hochebene im Osten des Sees um lh 30m und wir finden dort am Fusse der Berge Ruinen.

Der Boden ist hier steinig mit Gesträuch von weissen Dornbüschen (seder), bald aber betreten wir einen sehr schönen Wald von Scharra und Batum; die Gegend sieht wie ein englischer Park aus; der Boden ist roth und fruchtbar, aber bestreut mit grossen Felsstücken, von denen einige bearbeitet sind und augenscheinlich einen Theil alter Gebäude bildeten. Um 3h 25TM steigen wir allmählich in ein tiefes Thal hinab, wo wir drei steinerne Schleusen zum Aufstauen und Vertheilen des Wassers fanden. Diese Schleusen sind jetzt der Zerstörung und der Zeit preisgegeben. An besäeten Feldern vorbei kamen wir um 5 Uhr in Sicht von Tecniz und bivouakiren am Abhänge eines grasigen Bergvorsprunges, wo Büsche von Scharra und Batum stehen, aber kein Wasser sich befindet.

Den 18. März. Um 9h gelangen wir nach ungefähr einstündigem Marsche in ein grosses grünes Thalbecken, Tecniz genannt. Man findet dort alte, aber nicht tiefe Brunnen, einen viereckigen und zwei runde. Man nennt sie Magara. Auch giebt es hier Spuren von alten, vielleicht saracenischen Wohnungen. Tecniz sieht wie ein grosses Amphitheater aus. Nach 3 Stunden Ausruhen* beginnt wieder der Marsch immer in östlicher Richtung. Zahlreiche Heerden von Stieren, Kühen, Ziegen begegnen uns, aber wenig Kameele. Nach Tecniz hört das Juni

perus- und Lentiscus-Gebüsch auf, und eine weite wellige Ebene beginnt. Der Boden ist zum Theil besäet; lange Strecken jedoch sind öde oder ersterben durch das barbarische System der Cultur. Lager bei Dörsa-Zelten um 5h Abends. Aneroid 745, Temperatur 6°.

Den 19. März. Die Dörsa sind der Stamm des Mudir unseres Gefolges, daher zeigen sich die Beduinen sehr freundlich und gastfrei gegen uns, lassen uns aber für eine Ziege gerade doppelt so viel bezahlen, als was wir in Bengasi bezahlt hatten, Dank dem Mudir. Wir reisen von den Dörsa-Zelten um 7^h Morgens ab und kommen nach einer halben Stunde Marsches zu Pferd in Maraua an '). Ausser arabischen und römischen Gräbern fällt hier ein gewisser Reichthum oder besser Wohlstand unter den Bewohnern in's Auge: fürstliche Gastfreiheit, elegante Zelte mit Teppichen und Decken, verfertigt von den jungen Beduinen mit sehr primitiven Rahmen, welche die Beduinen mit Händen und Füssen bearbeiten und in Bewegung setzen. Stoffe von Kameelhaaren und undurchdringlicher Wolle.

Nach zwei Stunden der Ruhe reisten wir wieder um 1 lh 20m ab. Die nackte Ebene hört jetzt auf und es beginnen wieder die Wälder von Wachholder- und Myrtenbäumen. Der Boden wird immer wellenförmiger, bis er endlich nach und nach eine Reihe von Hügeln und Bergen bildet. Diese Berge gehören dem Gebiet von Sira an und der Mudir sagte mir, sie seien von Räubern verwüstet; er zeigte mir den Ort, wo kürzlich ein Beduine getödtet wurde. Diese Morde ereignen sich gewöhnlich zwischen Männern von verschiedenen Stämmen aus geringfügigen Veranlassungen, z. B. wegen einer geraubten oder verlorenen Ziege; sie sind aber äusserst selten und im Vergleich zur Bevölkerung weniger zahlreich als in Europa.

Gegen Abend, immer zwischen Bergen und Wäldern weiter gehend, kommt man an den Ort, wo einst Sira lag. Dort bemerken wir viele Ruinen der alten Stadt, und diejenigen eines Tempels von grossem Umfang. Man sieht noch die viereckigen Mauern davon, die ungefähr 5 m Höhe über dem Boden haben und aus regelmässigen Steinen ohne Cement construirt sind. Auch rings herum auf dem Hügel befinden sich Reste von Gebäuden und Gräbern, unten Brunnen und Quellen. Abends Aneroid 720, Temperatur 6£° C; Morgens Aneroid 718, Temperatur 6° C.

Den 20. März. Aufbruch um 8£h. Um 10Jh Ruinen von einer alten griechischen Stadt. Wir kommen in ein grosses rundes Thalbecken, ähnlich dem von Tecniz. Es heisst Slonta, hat wasserhaltige Brunnen und eine schöne

') Maraua ist kern bestimmter Punkt, sondern eine Localität. So verhält es sich auch mit Slonta, Znei und anderen auf der Skizze verzeichneten Funkten. Merg ist der einzige Flecken mit festen Häusern, ausser den Zauien und Schlössern, im ganzen Binnenlande.

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