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Niederlande, Theile von Dänemark, Polen &c. und führt die Zeichnung überall bis zum Rande durch. Situation und Nomenclatur sind reichhaltig, das Terrain zwar ziemlich detaillirt, aber zurücktretend gegen die politische Einteilung, Wegenetz und Ortsnamen.

Am 1. Juli ist eine „Österreichische Touristen-Zeitung" in's Leben getreten, die monatlich in zwei Nummern von Vi bis 1 Bogen Text mit Illustrationen, Panoramen &c. ausgegeben werden soll. Als Organ des österr. Touristenclubs erscheint sie in dessen Kanzlei zu Wien und wird von Edm. Graf und A. Silberhuber redigirt (Preis jährlich 4 fl.). Obwohl Vereinsorgan, soll sie doch die gesammten alpinen Interessen vertreten und die alpine Touristik in jeder Weise fordern helfen.

Das zweisprachige Jahrbuch des Ungarischen KarpathenVereins bringt in seinem 8. Jahrgang (1881) ausser mehreren naturhistorischen Abhandlungen und auf den Verein bezüglichen Nachrichten wiederum eine Reihe von Beiträgen zur topographischen Landeskunde. Besonders reichhaltig und vielseitig sind R. Siegmeth's Reiseskizzen aus der Marmaros, vervollständigt durch S. Gesells' Aufsatz über die Geologie derselben. Daneben findet man Monographien über drei einzelne Berge, den Grossen Ratzenberg der Hohen Tatra von S. Weber, den Königsberg der Niederen Tatra von A. Podhradszky, und den Retyezat im südwestlichen Siebenbürgen von G. Primics. Daran reihen sich die Schilderung eines Ausfluges auf die Königsnase in der Hohen Tatra von Dr. V. Emericzy, Bilder aus den Beregner Alpen von T. Lehoczky, Schmeckser Federzeichnungen von Z. Hanvay und ein Aufsatz über einige Höhlen Oberungarns von Dr. S. Roth.

Von der Geologischen Karte von Finland in 1: 200 000, deren erstes Blatt im J. 1879 erschien (siehe Peterm. Mitth. 1879, S. 306), sind vor Kurzem Blatt 3 und 4 ausgegeben worden, die Section Helsingfors und die östlich anstossende Küstensection umfassend, so dass nunmehr vier, die südlichste Küstenstrecke Finlands darstellende Blätter vorliegen. Jedes Blatt ist von einem ausführlichen Text in schwedischer Sprache begleitet, welcher von der Tüchtigkeit der Arbeit das beste Zeugniss ablegt. Die Sauberkeit uud Schönheit des Stiches und Farbendruckes lüsst Nichts zu wünschen übrig. Die in der Mitte der 60er Jahre begonnene geologische Aufnahme Finlands steht gegenwärtig unter der Leitung von K. Ad. Moberg.

H. Kiepert's neue Specialkarte von Mittel-Italien, welche unter dem Titel „Carta corografieu ed archeologica delV Italia centrale" bei D. Reimer in Berlin erschienen ist (4 Bl. in 1:250 000. Preis 10 M.), umfasst das beträchtliche Gebiet von Toscana bis zum Golf von Salerno und zeichnet sich, auf die besten und neuesten Materialien gestützt, einmal durch die zusammenhängende Darstellung in so ansehnlichem Maassstab und dann auch durch die Verbindung der alten mit der modernen Topographie aus. Die alten Namen und Strassen sind roth angedeutet. Ein grosser Carton enthält einen Plan von Rom und seiner weiteren Umgebung in 1: 50 000, ein anderer die gegenwärtige Provincialeintheilung zugleich mit den alten Landschaftsnamen. Die in Kreidemanier und braunem Druck ausgeführte Terrainzeichnung wird durch viele Höhenzahlen unterstützt.

Zu II. Kiepert's Generalkarte der Südost-europäischen Halb

insel in 1:1500000 (siehe Peterm. Mittheil. 1881, 8. 33) sind die versprochenen Ergänzungen, zwei an den unteren Rand anschliessende Blätter, auf deren einem noch ein Specialcarton des Hellespont angebracht ist, nunmehr bei D. Reimer erschienen.

Als 1878 der Atlas von Athen von Curtius und Kaupert erschien, verlautete schon, dass dieses herrliche Werk erweitert werden solle durch Herausgabe der Aufnahmen, die, in weiterer Umgebung von Athen, durch die Herren Landesvermessungsrath Kaupert, Premierlieut. v. Alten, Geh. Rath Curtius, Geh. Rath Adler und Baumeister Peltz geleitet, während der 70er Jahre vorgenommen wurden (siehe Peterm. Mittheil. 1879, S. 30). Diese Verheissung ist nunmehr in Erfüllung gegangen, D. Reimer in Berlin versendete vor Kurzem die erste Lieferung der „Karten von Attika von E. Curtius und J. A. Kaupert". Hier finden wir neben den berichtigten und vervollständigten beiden Plänen von Athen des Atlas zwei in demselben Maassstab von 1:12 500 gezeichnete Specialkarten der Halbinsel Peiraieus mit einem Textheft von Dr. A. Milchhöfer und Premier-Lieut. v. Alten.

I

Asien.

Indien in seiner Abgeschlossenheit zwischen dem Meere und der massigsten Bodenerhebung der Erde, fast so gross als Europa ausser Russland und mit ebensoviel Bewohnern, bildet eine Welt für sich, eins der grossen Menschen- und Culturcentren der Erde. Es ist ein kühner Gedanke, auf einem so gewaltigen, die grösste Mannigfaltigkeit der Culturzustände und der politischen Verhältnisse bietenden Ländercomplex einheitliche statistische Erhebungen durchzuführen , und nothwendig müssen die ersten Versuche auch noch mangelhaft ausfallen; aber Dr. W. W. Munter's „Imperial Gazetteer of Indio" ') beweist, dass mit Energie und Talent auch eine Autgabe von solcher Grösse und Schwierigkeit durchführbar ist. Auf Anregung von Dr. Hunter und unter dessen Direction wurden seit 1869 in allen 240 Districten amtliche Erhebungen angestellt über Topographie, Bewohner, Ackerbau, Industrie, Verwaltung und Gesundheitspflege und die gewonnenen Daten in ca 100 Districts- und Provincial-Beschreibungen zusammengestellt, von denen 90 mit zusammen 32 000 Seiten bereits gedruckt sind. Über Bengalen z. B. gab Dr. Hunter selbst 20 solche Bände heraus, über den Punjab E. J. Cunninglmm 32, Bombay und Sind haben J. M. Campbell und A. W. Hughes in 24 Bänden behandelt, die Central-Provinzen C. Grant in 19 Bänden &c. Der Inhalt dieser Bände lieferte die Basis und den hauptsächlichsten Stoff für das geographisch-statistische Lexikon, das wir der bewunderungswürdigen Arbeitskraft Dr. Hunter's verdanken, und dessen sechs bis jetzt ausgegebene starke Bände bis zum Ende des Buchstabens M reichen. Es umfasst etwa 8000 Artikel über einzelne topographische Objecto, Bezirke, Districte, Provinzen, endlich über Indien im Ganzen, dessen Darstellung 516 Seiten füllt und für sich allein eine reiche Quelle der Information abgiebt. Von den Behörden wurde der Arbeit aller mögliche Vorschub geleistet, die indische Landesvermessung lieferte z. B. Angaben über die

') Vol. I—VI. London, Trübner & Co., 1881. 2 t. i i.

Lage der Orte &c., selbst über die ca 300 einheimischen Staaten wurde von Beamten und Privaten möglichst verlässliche Auskunft beschafft. Das Werk ist somit ein amtliches und grundlegendes, geradezu unentbehrlich für Jeden, der sich ernstlicher mit Indien beschäftigt. Die Bevölkerungsstatistik beruht auf der Zählung von 1872 , die Verwaltungs- und Handelsstatistik bezieht sich auf die Jahre 1875 und 1879, Manches ist auch noch aus dem Jahre 1880 beigebracht.

Eine knapp zusammengefaßte Compilation, halb tabellarisch, halb beschreibend gehalten, ist der „Index geographica indicus" von J. Fr. Baness '), Geometer und Zeichner der Indischen Landesvermessung. Er enthält kurze Beschreibungen der Provinzen mit Tabellen über Areal, Bevölkerung, Ertrag und Begenmenge, ein alphabetisches Verzeichniss indischer Völker und Stämme und ein anderes über die wichtigeren Ortsnamen mit Angabe der Provinz und des Districtes. Den fremden Besitzungen sowie den Nachbarländern sind besondere kleine Abschnitte gewidmet. Bezüglich der kartographischen Ausstattung übertrifft das Buch den Hunter'schen Gazetteer beträchtlich. Während dieser in jedem Bande dieselbe kleine Übersichtskarte von ganz Indien wiederholt, findet man bei Baness für jede Provinz eine grössere Karte.

Als anmuthige Einzelheit aus dem indischen Ländergebiet sei hier SA- Richard Temples reich illustrirte Beschreibung des Seengebietes beim Chola- und Iyelap-Pass auf der Grenze zwischen Sikkim und C'humbi erwähnt. Sie ist mit einer orientirenden Karte im Juniheft der „ProceedingB R. Geogr. Soc." veröffentlicht.

Afrika.

Das französische Kriegsministerium hat beschlossen, eine grosse Karte von Afrika herauszugeben, die Capt. de Lannoy gezeichnet hat. In dem Maassstab von 1:2000000 construirt, wird sie aus 60 Blättern bestehen und zusammengesetzt eine Höhe von 4,20 m bei 4 m Breite haben. Ein kurzes Memoire darüber findet man im „Bulletin de la Soc. de g6ogr. de Paris", März 1881 , p. 230. Von E. Ravenitein's Karte von Ost-Afrika in 1:1000 000 sind uns inzwischen fünf neue Blätter zugegangen, so dass nun sechs zusammenstossende Sectionen vorliegen. Sie umfassen die Gegenden zwischen Bangweolo-See, der Mozambique-Küste und dem 20. Parallel S. Br., und indem sie gewissenhaft alles erreichbare Material verarbeitet enthalten, bieten sie das vortrefflichste Orientirungsmittel bei allen neuen Unternehmungen in jenen Gebieten, wo noch so viele Zweife zu lösen und Lücken zu füllen bleiben.

Von Bordeaux, wo Capt. Gallieni vom Niger zurückkommend am 6. Juni landete und bei dem Empfang, den ihm die dortige handelsgeographische Gesellschaft bereitete, einen übersichtlichen Bericht über den Verlauf seiner Expedition erstattete, kommt uns in dem Bulletin der genannten Gesellschaft (vom 20. Juni 1881) die erste vorläufige Kartenskizze der Routen zwischen Bafulabe am Senegal und dem Niger zu. Sie bietet für die Quellflüsse des Senegal einiges Neue, so wurde der Ba-ule bis fast an 15amaku heran verfolgt, derart, dass die Wasserscheide zwi

') Calcntta, W. Newraan & Co. London, Edw. Stanford, 1881.

sehen ihm und dem Niger in ganz geringer Entfernung von letzterem zu liegen kommt; auch für den Bakhoy und seinen Quellfluss Koro-koro findet man neue Details. Der Ort Nango, wo Gallieni und seine Gefährten als Gäste des Königs Ahmadu internirt waren, liegt etwas östlich von Boghe, nicht weit vom rechten Ufer des Niger.

Gleichzeitig mit der Gallieni'schen Expedition, am 12. April, kam die militär-topographische Expedition des Oberst Borgnis-Desbordes nach St. Louis zurück. Sie hat am 25. Februar den Grundstein zu den Befestigungen von Kita gelegt, nachdem sie kurz zuvor die Bewohner des südlich von Kita gelegenen Gubanko, welche an dem Überfall der Gallieni'schen Expedition Theil genommen hatten, gezüchtigt und die Recognoscirungen südöstlich bis Momgula, im Gebiet des Bakhoy an einem rechten Nebenfluss desselben, fortgesetzt hatte. Die topographische Abtheilung unter Commandant Derrien fand das Terrain vom Senegal bis Kita zum Bau einer Eisenbahn günstig.

Professor Leo Reinisch in Wien hat als erste Frucht eines zweimonatlichen Aufenthaltes zu Amideb und Betkom (im Frühjahr 1880) eine Abhandlung über „die KunamaSprache in Nordost-Afrika" veröffentlicht (Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der kais. Akad. d. Wiss., 1881, XLVIII, 1. Heft), bestehend aus Einleitung, Grammatik und einer Sprachprobe. Die Kunama und die südlich des Mareb wohnenden stammverwandten Dika-Bazen zeigen sowohl in ihrer Sprache, wie in ihren körperlichen Eigenschaften und ihren Sitten und Einrichtungen nächste Beziehungen zu den Nubiern in Kordofan und den Völkern am Nil aufwärts, sie bilden gleich den Barea Reste der ursprünglichen Negerbevölkerung inmitten der semitischen Stämme Nordost-Afrika's. Der Verfasser beabsichtigt, eine grössere Arbeit über die Kunama herauszugeben.

Über die nächste Umgebung des Cap Guardafui enthält das „Bulletin de la Socicte khediviale de geographie", August und November 1880, eine Kartenskizze in 1:40 000 und einen Bericht von Oberstlieut. Graves, der 1878 im Auftrag des ägyptischen Generalstabs dort einen geeigneten Punkt zur Aufstellung eines Leuchtthurmes aufzusuchen und die Umgegend zu mappiren hatte.

Der Königl. Akademie der Wissenschaften in Berlin ist telegraphisch aus Zanzibar die Trauerkunde von dem am 29. Mai zu Tananarivo auf Madagascar erfolgten Ableben des naturwissenschaftlichen Reisenden J. M. Hildebrandt

zugegangen.

Amerika.

Capt. G. M. Wheeler erfreute uns durch eine Sendung der neuesten Karten und Fortschrittsberichte über die unter seiner Leitung stehenden Aufnahmen des westlich vom 100. Meridian gelegenen Gebietes der Vereinigten Staaten. Diese grossartigen Arbeiten begannen im J. 1869, und nach Ausweis des Jahresberichtes für 1880 waren bis dahin 32 Blätter des topographischen Atlas veröffentlicht und 24 Blätter noch zu veröffentlichen. Ausserdem sind eine Anzahl dieser Blätter auch mit geologischem Colorit und mehr noch mit farbiger Unterscheidung von Wald, Grasland, nutzbarem Boden und Wüste ausgegeben worden, und ferner erschienen als Ergänzungen Specialkarten einzelner Gegen"den, Höhenschichtenkarten, eine Übersicht der Flussgebiete, Indexkarten und Anderes. Die jährlichen Portschrittsberichte, die früher Quart-, jetzt Ootav-Format haben, enthalten neben den von Wheeler selbst gegebenen Übersichten über die Arbeiten des betreffenden Jahres meist noch eine Reihe kurzer beschreibender Berichte der einzelnen Geometer über ihr Arbeitsgebiet, und eine Anzahl zoologischer, geologischer und ethnographischer Abhandlungen, öfters auch reichhaltige Positions- und Höhenverzeichnisse. Somit bieten diese „Annual Reports" von Wheeler, auch abgesehen von den ganz unentbehrlichen Karten seines Atlas, mannigfaltige und verlässliche Information über die westlichen Territorien, und diese mit grossen jährlichen Kosten verknüpften Arbeiten werden mit vollem Recht von den Geographen ausserordentlich geschätzt.

J. W. Powell veröffentlichte als Director des bei der Smithsonian Institution eingerichteten ethnologischen Bureau's 1877 unter dem Titel „Introduction to the study of Indian languages" gedruckte Fragebogen zur Ausfüllung beim Sammeln von Vocabularien und eine ausführliche Anweisung zur Benutzung dieser Fragebogen wie zur Niederschreibung einer noch ungeschriebenen Sprache überhaupt. Die seitdem gemachten Studien und Erfahrungen veranlassten eine Umarbeitung des Werkes, und so liegt denn jetzt eine 2. Ausgabe von 1880 vor. Eine recht fleissige Benutzung ist im Interesse der Ethnologie und Linguistik dringend zu wünschen.

Endlich ist es einem Amerikaner gelungen, den Rio Betii zu erforschen, nachdem alle früheren Versuche erfolglos geblieben waren (vgl. Peterm. Mitth. 1870, S. 462). Dr. Edw. R. Heath berichtet nach den Vereinigten Staaten, dass er von Cabinas, einem Lagerplatz von Kautschuk-Sammlern , aus den Rio Madidi, einem linken Nebenflusä des Beni, hinabgefahren sei und nach 12 Tagen, am 8. October 1880, die Confluenz der Madre de Dios mit dem Beni erreicht habe. Er bestimmte die Position dieses Punktes und stellte flüchtige Messungen der beiden Flüsse an, von denen der Beni 735, die Madre de Dios 2350 Fuss Breite haben. Am 10. October kam er zu einem 30 F. hohen, senkrechten Wasserfall des Beni, um welchen der Kahn herumgetragen wurde, und am 11. October lief er in den Mainore ein. Diesen letzteren Fluss verfolgte dann Heath 300 miles aufwärts bis Exaltacion und Santa Ana und ging ü ber die Pampas nach Reyes').

Polar - Regionen.

Am 22. Juni hat der Dampfer „Louise" des Baron v. Knoop von Bremerhaven aus eine Fahrt nach dem Jenisset angetreten. Obwohl der Hauptzweck ein commercieller ist, so wird die Fahrt doch voraussichtlich auch der Wissenschaft einigen Nutzen bringen, da auf die Einladung des Baron von Knoop- der Graf Waldburg-Zeil an ihr Theü nimmt, der zu naturwissenschaftlichen Zwecken 1870 mit v. Heuglin in Spitzbergen, 1876 mit Brehm und Finsch in West-Sibirien war. Commandant der „Louise" ist Capitän Burmeister.

Die zur Aufsuchung der „Jeannette" ausgesandten Expeditionen auf den Dampfern „Rodgers" und „Alkatwe" sind am 16. Juni von San Francisco, resp. Newport abgegangen.

') Proceedings of the 11. Geogr. Soc, Juli 1881.

Im J. 1879 erschien unter dem Titel „Meddeleker om Grönland" (Kopenhagen, bei C. A. Reitzel) ein erster Band über die geographischen und naturwissenschaftlichen Forschungen an der Westküste von Grönland, die seit 1876 unter der Ägide des Prof. Johnstrup unternommen worden sind. Jener erste Band enthält die Ergebnisse von Lieut. Jensen's Expedition im J. 1878, mit welcher u. A. eine interessante Tour auf dem Binneneis im District Frederikshaab verbunden war (s. Peterm. Mittheil. 1880, S. 91 und Tafel 5). In dem zweiten Bande (1881) findet man nun die Berichte über die Arbeiten von Steenstrup, Holm und Kornerup im District Julianehaab 1876 und von Jensen und Kornerup in den Districten Holstensborg und Egedesminde 1879. Sowohl die allgemein-geographischen und topographischen als die geologischen und mineralogischen Ergebnisse sind auf Specialkarten, in Text und Abbildungen, niedergelegt, auch die astronomischen Ortsbestimmungen ausführlich mitgetheilt. Die beiden Karten bilden wiederum sehr willkommene Beiträge zur genaueren Kenntniss des westlichen Litorales, die eine reicht von Holstensborg nördlich bis 68° 20' , die andere umfasst die Umgegend von Julianehaab, namentlich die drei Fjords Igaliko, Tunugdliarfik und Sermilik mit den zwischenliegenden Halbinseln. Der dritte Band (1880) enthält einen „Conspectus Florae Groenlandicae" von Joh. Lange, eine sehr verdienstliche Arbeit, welche selbstverständlich nicht nur die Sammlungen der letztjährigen Expeditionen berücksichtigt, sondern auf dem gesammten vorhandenen Material basirt. Der Verfasser hat schon für Rink's geographisch-statistische Beschreibung von Grönland (1857) ein Verzeichniss der damals aus jenem Lande bekannten Phanerogamen und Gefässcryptogamen geliefert, ist also mit seinem Gegenstand seit langen Jahren vertraut. Auch in der vorliegenden ausführlicheren Flora, wo besonders auch auf Angabe der Fundorte und der geogr. Verbreitung der einzelnen Species grosse Sorgfalt verwendet ist, beschränkt er sich auf die beiden genannten Abtheilungen, während die Zellencryptogamen einer späteren Bearbeitung vorbehalten bleiben. Eine Übersichtskarte von West- und Südgrönland in 3 Blatt ist diesem Bande beigegeben, und in ihm sowohl wie in dem zweiten findet man am Schluss zweckmässigerweise Resümee in französischer Sprache, die nicht nur denen nützlich sind, welche den dänischen Text nicht verstehen, sondern wegen der übersichtlichen und kundigen Zusammenfassung des Wichtigsten einen eigenen Werth besitzen.

Ooeane. Die erste kartographische Darstellung der BodmgestaU des Caraibischen Meeres, wie sie sich aus den letztjährigen Tiefseeforschungen der U. S. Coast and Geodetic Survey ergiebt, kommt uns auf einer kleinen Karte zu Gesicht, welche einer ungemein inhaltreichen Abhandlung des Commander J. R. Bartiett im „Bulletin of the American Geogr. Society", 1881, No. 1, beigegeben ist. Bartiett, der seit 1878 auf dem Dampfer „Blake" jene Untersuchungen leitete, bespricht hauptsächlich den Ursprung des Golfstromes; aber ohne auf dieses Thema einzugehen, wollen wir hier nur kurz erwähnen, dass nach der gegenwärtigen Ansicht der amerikanischen Hydrographen keine Strömung den Mexikanischen Golf umkreist, wie es auch noch auf neuesten

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schen Santiago de Cuba und dem Ostende von Jamaica" — so berichtet Bartlett — „wurde 25 miles südlich von Cuba eine Tiefe von 3000 Faden angetroffen. Spätere Sondirungen wiesen nach, dass dieser Punkt das Ostende eines ungeheueren tiefen Thaies bildet, welches sich von da westwärts bis zur Bai von Honduras erstreckt, südlich an den Cayman-Inseln vorbei. Die Cayman-Inseln und die Misteriosa-Bank wurden als submarine, sehr steil gegen Süden abfallende Fortsetzung des längs der Südküste von Cuba hinlaufenden Rückens erkannt. Das Thal ist an seinem östlichen Ende schmal, erweitert sich aber zwischen dem Westende von Jamaica und Cap Cruz, wo 15 miles von Cuba noch 3000, 25 miles von Jamaica 2800 Faden gelothet wurden. Bei einer durchschnittlichen Breite von 80 miles beträgt die Länge des Thaies 700 miles. Ein Areal von mehr als 85 000 Q.-miles hat nirgends weniger als 2000 Faden Tiefe, ausgenommen an zwei oder drei Punkten, welche die Gipfel submariner Berge bilden; die grös8te Tiefe beträgt 3428 Faden. Die niedrige Insel Grand-Cayman, welche kaum 20 Fuss über den Meeresspiegel hinausragt, ist in der That der Gipfel eines Berges, der sich vom Boden dieses submarinen Thaies 20 568 Fuss hoch erhebt, eine Höhe, die alle Berge des nordamerikanischen Continentes übertrifft".

In Kettler's Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie, 1881, Heft 3, veröffentlicht Dr. 0. Krümmel eine Tiefenkarte de» Indischen Oceans in 1: 37 500 000, mit kurzem erläuternden Text. Die dargestellten Curven sind die von 100, 500, 1000, 2000 und 3000 Faden. Sehr richtig bemerkt der Verfasser, dass die Nomenclatur des Bodenreliefs der Meeresräume weiter ausgebaut werden sollte, dass namentlich auch für die Maximaltiefen, welche den Berggipfeln homo* log sind, Benennungen einzuführen seien. Wenn man z. B. lese, in der Südsee ist die beträchtlichste Tiefe in 44° 55' N. Br. und 152° 26' östl. L. v. Gr. mit 4655 Faden oder 8513 m gemessen, so sei das eine trotz ihrer Schärfe keineswegs anschauliche Bezeichnung des betreffenden Punktes der Erdoberfläche. Habe man sich aber die Lage eines Tuscarora-Beckens durch Kartenstudium eingeprägt und könne auch an die Ziffer der genannten Maximaltiefe einen Namen knüpfen, etwa Washington-Tiefe, so würde das Festhalten dieses Objectes im Gedächtniss wesentlich erleichtert. Den Ausdruck Tiefe solle man für die Maximaltiefen aufsparen, und für die flacheren Depressionen die Ausdrücke Mulde oder Becken, unter Umständen Canal oder Thal anwenden.

E. Behm.

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