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die«« Maassregeln wird Algerien nie beruhigt werden, denn die alljährlich wiederkehrenden Aufstände beweisen diese. Wie kann man aber nur daran denken, mit Feinden im Rücken, eine friedliche Expedition nach dem Sudan führen

Iu wollen. Nur complete Entwaffnung der Eingeborenen und systematisches Vordringen nach dem Sudan sichert den Erfolg. Vor Allem aber hüte man sich vor „Unterhandlungen" mit den Tuareg, für diese passt nur Blei!

Major Serpa Pinto's Reise durch Süd-Afrika, 1877—79.

Durch den glänzenden Erfolg, den Stanley durch seine Erforschung des Congo-Laufes davongetragen, ist das allgemeine Interesse an afrikanischen Entdeckungsreisen in hohem Orade geweckt worden, aber auch die Ansprüche, welche das Publicum seitdem an jeden Afrika-Forscher zu stellen pflegt, haben sich seitdem so bedeutend gesteigert, daas Erfolge, wenn es sich nicht um eine Reise quer durch den „Schwarzen Continent" handelt, fast als Bagatelle angesehen werden. Und doch ist dieser äusserliche Erfolg seit Stanley nur Einem Reisenden vergönnt gewesen, einem Manne, welcher von seiner Nation, die in der Entdeckungsgescbiubte auf die ruhmvollste Vergangenheit zurückblicken konnte, nach einer Lethargie von Jahrhunderten als der erste ausgesandt worden war, um die Anschuldigungen, dass Portugal die Erforschung seiner eigenen Colonien Fremden überlasse, und dass die Misswirt lischaft seiner ColonialVerwaltung wesentlich unsere Unbekanntschaft mit dem Innern verschulde, zu entkräften. Die von so vielen Forschern versuchte Durchquerung des Continentes wurde von Major Serpa Pinto ausgeführt, und es ist daher begreiflich, dass derselbe, der erste erfolgreiche Entdeckungsreisende seiner Nation seit Jahrhunderten, bei seiner Rückkehr mit Uberschwänglichstem Enthusiasmus von seinen Mitbürgern gefeiert und neben, wenn nicht gar über die Koryphäen der jüngsten Vergangenheit, Livingstone und Stanley, gestellt wurde. Wenn nun auch diese Lobeserhebungen entschieden zu weit gehen. so ist doch anzuerkennen, dass wir dem unerschrockenen Forscher, welcher unter den ungünstigsten Verhältnissen, im Kampfe mit Fiebern und Entbehrungen, mit treulosen Begleitern und feindlichen Eingeborenen sich von der Ausführung seiner Pläne nicht abschrecken Hess, eine nicht unwesentliche Bereicherung unserer Kenntnisse verdanken, indem seine Aufnahmen und Erkundigungen dazu beitragen, den weissen Fleck der Karten verschwinden zu lauen.

Nachdem wir bereits nach den ersten vorläufigen Berichten eine kurze Skizze von Serpa Pinto's Reise veröffentlicht hatten (1879, S. 297), können wir jetzt nach Erscheinen seines ausführlichen Reisewerkes ') unBern Lesern einen Überblick über die geographischen Resultate derselben vorlegen. Gerade auf diesem Gebiete hat der Reisende seine besten Leistungen aufzuweisen: freimüthig gesteht er zu, seine naturwissenschaftlichen Kenntnisse nur gering

') In deutscher Ausgabe: Serpa Pinto'« Wanderung quer durch Afrika von Atl in tischen iura Indischen Ocean durch Minor grnsstentheil* gütlich unbekannt« Linder, die Entdeckung der grossen Nebenflüsse dos Zambesi. Nach des Reisenden eigenen Schilderungen frei Ibereetit von H. v. Wobeser. t Bde. 8°. Mit vielen Karten. Loipsig, ierd Hirt, 1881. 27 II.

waren, weshalb denn auch seine Bemerkungen über Faun» und Flora der durchwanderten Bezirke kein grosses Vertrauen erwecken können. Auf ethnologische Beobachtungen hat Serpa Pinto sein Augenmerk ebenfalls nur wenig richten können, doch sind seine Notizen über Lebensweise, Sitten und Gebräuche der besuchten Volksstämme, wenn sie auch kein einheitliches Ganze bilden, nicht ohne Interesse.

Wie aus früheren Berichten bekannt ist, hatte dos portugiesische Parlament im J. 1877 für Forschungszwecke in den afrikanischen Besitzungen eine Summe von 30 Contos de Reis (ca 134000 M.) bewilligt. Ursprünglich wurde dieser Expedition, an welcher ausser Serpa Pinto noch Lieutenant Capello und Lieut. Ivens Theil nahmen, die weitgehende Aufgabe gestellt, die hydrographischen Beziehungen zwischen dem Becken des Congo und dem des Zambesi festzustellen, wie überhaupt das ganze Gebiet zwischen den westlichen und östlichen Colonien zu erforschen. Ein späterer Plan, welcher die Bestimmung des Quangound Congo-Laufes betonte und die Untersuchung des Quellgebietes der Flüsse Quanza, Cunene und Cubango, sowie die Aufnahme des Cunene in's Auge fasste, erlitt insofern eine Änderung, als die Erforschung des Congo gerade von Stanley ausgeführt worden war, während die portugiesischen Reisenden im Begriff standen, ihre Reise anzutreten. In Folge dessen beschlossen diese, statt von Loanda aus weiter im S, von Bengudla aus ihre Thütigkeit zu beginnen, und zwar von der Mündung des Cunene aufwärts bis nach Bihe vorzudringen und dann die Erforschung der anderen genannten Flüsse in Angriff zu nehmen. Aber auch dieser Plan liess sich nicht ausführen, denn in Benguella waren, selbst durch die Vermittelung des Gouverneurs, keine Träger zu erhalten, so dass sie, um nicht monatelang an der Küste liegen zu bleiben, am 12. November 1877 mit nur wenigen Leuten vorauseilten, während der alte Händler Silva Porto ea übernahm, das Gepäck mit der nnthigen Zahl von Trägern nach Bihe zu schaffen. Unterwegs entschlossen sich Capello und Ivens, sich von ihrem bisherigen Gefährten zu trennen und von Bihe aus die Erforschung des Quanza und Quango allein fortzusetzen, während Serpa Pinto zu der Entscheidung kam, sich dem Mittellaufe des Zambesi zuzuwenden und von hier aus dem grossen Nebenflusse seines Unterlaufes Cafue od,er Loengue zu folgen, um endlich von Zumbo aus längs des Zambesi selbst den Indischen Ocean bei Quillimane su erreichen. Auch dieser Plan sollte nicht zur Ausführung kommen, denn am Zambesi in Catongo desertirten seine eämmtlichen Begleiter bis auf 3 Männer, 3 Knaben und 2 Frauen, und mit einer so geringen Karawane ohne Tauschgegenstände konnte selbst der Unerschrockenste nicht daran denken, in gänzlich unbekanntes Gebiet vorzudringen; die Reise wurde nun von hier längs des Zambesi nach S fortgesetzt, und von der Mündung des Cuando aus durch die Kalahari erreichte die Expedition glücklich Transvaal.

Die Reise Serpa Pinto's zerfällt in drei Abschnitte von sehr verschiedenem Werthe. Der erste umfasst die Route von der Küste bis Bihe und behandelt bekanntes Gebiet. Für uns am wichtigsten ist der zweite Abschnitt, der Weg von Bihe bis zum Zambesi; auch dieses Gebiet war uns keine völlige terra incognita, denn es ist bereits 1852 und 53 von dem portugiesischen Händler Silva Porto durchzogen worden, seine Mittheilungen ') über diese Landschaften sind jedoch höchst dürftig, ungenau und der Wirklichkeit widersprechend, so dass sie für uns fast werthlos waren. Der dritte Theil der Reise endlich führte den portugiesischen Forscher längs des Mittellaufes des Zambesi, welchen Livingstone zwei Mal 1853 und 55 besuchte, und dann über die von unendlich vielen Reisenden, Missionaren, Händlern und Jägern durchzogene Kalahari, ein Gebiet, welches zu grossen geographischen Entdeckungen keine Gelegenheit mehr bot.

Nicht auf dem directen Wege zwischen der Küste und der Landschaft Bihe, welchem Cameron auf seinem Rückmärsche aus dem Innern 1875 gefolgt war, sondern auf einem weit nach S führenden Umwege legten die Reisenden die erste Strecke ihrer Expedition zurück. Sie führte durch das Gebiet, welches von Portugal als noch jetzt in dem Machtbereiche seiner Colonialverwaltung gelegen und für portugiesische Besitzung ausgegeben wird, doch ist diess factisch nicht mehr der Fall. Der letzte militärisch besetzte Posten befindet sich gegenwärtig in Caconda in der Landschaft Nano; die benachbarten Stämme der Huambos Sambos, Ganguellas wie auch die Bihenos sind vollständig unabhängig. Die Letzteren treten allerdings vielfach mit den Portugiesen in Verbindung, da sie sich sehr häufig als Träger in den Dienst portugiesischer Händler begeben, ihre Fürsten (Sovas) kümmern sich aber in keiner Weise um die Behörden, und nur grosse und gut bewaffnete Karawanen können sich ihrer Erpressungen erwehren. Wenn indessen ein Theil von Serpa Pinto's Aufgabe darin bestand , die Verleumdungen der fremden Presse gegen die portugiesische Herrschaft in den Colonien zu entkräften, so hatte er in der Lösung derselben kein Glück; offen und ehrlich gesteht er die Misswirthschaft zu, er schildert die Missstände, welche die Behandlung dieser Besitzungen als Sträflingscolouie im Gefolge hat, die Machtlosigkeit der Behörden , den trotz aller Befehle noch immer schwunghaft betriebenen Sclavenhandel. Obwohl er zu der Annahme sich neigt, dass fremde Forscher in zu grellen Farben gemalt haben mögen, bieten gerade seine Mittheilungen die beste Handhabe zu Anklagen gegen die portugiesische Colonialverwaltung; Serpa Pinto traf selbst mit Solavenkarawanen zusammen, die von portugiesischen Unterthanen, Weissen und Mulatten, geführt wurden, und wahrscheinlich legte er durch sein Einschreiten gegen diese und die Befreiung der Sclaven den Grund zu einer ganzen Reihe von

Karte.

') Journal of the R. Qeogr. Society 1860, XXX, p. 155. Mit

Intriguen und Machinationen der Händler, welche schliesslich zu der Desertion der Träger am Zambesi führten und fast das Scheitern der Expedition veranlasst hätten.

Das Terrain der Küstenregion besteht aus Kalkgesteinen, es ist wasserarm und daher gedeiht auf ihm keine üppige Vegetation. In nord-südlich verlaufenden Ketten erhebt sich das Gebirge in der Nähe der Küste zu ansehnlicher Höhe, welche nach dem Innern zu stetig zunimmt, bald tritt Granit zu Tage, welcher im centralen Theile das vorherrschende Gestein bleibt. Auch hier herrscht Wassermangel, denn die Gewässer, welche in Längsthälern nach N dem Coporolo zufliessen, versiegen in der trockenen Jahreszeit wie dieser selbst, aber die Vegetation entwickelt sich trotzdem zu grösserer Üppigkeit als in der Nähe der Küste und bringt alle tropischen Erzeugnisse hervor. Unmittelbar östlich von Quillengues erstieg die Expedition den Mte Quicecua, die Wasserscheide zwischen dem Coporolo und dem Cunene, und vor ihr breitete sich das ungeheuere Hochplateau aus, welches in der durchschnittlichen Höbe von 1500 m den grössten Theil des Innern von Süd-Afrika einnimmt; bis Bihe und in das Quellgebiet des Quanza steigt es allmählich bis zu 1700 m, um dann nach O hin in das Thal des Zambesi sich bis zu 1000 m Höhe abzuflachen. Es weist nur geringe Terrainunterschiede auf, nur vereinzelt erheben sich einige Höhenzüge, während die zahlreichen Wasserläufe in unbedeutenden Einschnitten dahinfliessen. Im NW wird dieses hohe Tafelland von der bis zu circa 2500 m ansteigenden Huambo-Kette, welche von Serpa Pinto, dem Anreger der Expedition zu Ehren, Serra Andrade Corvo genannt wurde, begrenzt; sie fällt nach O in einen sumpfigen wüsten District ab, Enbana de Ambamba genannt, welcher das Quellgebiet mehrerer Stromsysteme bildet. Nach N ergiessen sich der Quebe, in seinem Unterlaufe Cuvo genannt, und der Cutato das Mangoias, einer der mächtigsten Nebenflüsse des Quanza, nach S fliessen der Cunene, Cubango und dessen bedeutender Zufluss Cutato dos Ganguellas.

Nachdem Serpa Pinto bereits von Caconda aus einen Abstecher zum Cunene gemacht und auf seinem Weitermarsche nach NO eine Reihe seiner auf der Huambo-Kette entspringenden Nebenflüsse, unter welchen der Caliie und Canhungämua die mächtigsten waren, passirt hatte, überschritt er den Hauptstrom nur wenig unterhalb seiner Quelle, wo er bereits 20 m breit und fast 2 m tief war. Noch mächtiger erwies sich der Lauf des Cubango, welcher dem Cunene eine kurze Strecke parallel laufend nach Aufnahme des Cutato dos Ganguellas und des Cuchi sich nach SO wendet. Beim Betreten der Landschaft Bihe gelangte die Expedition in das Quellgebiet des Quanza, wo in Belmonte, dem Dorfe Silva Porto's am Cuito, ein 3monatlicher Aufenthalt von Anfang März bis zum Juni genommen werden musste, um das Eintreffen des Gepäckes aus Benguella zu erwarten und die nötbigen Träger anzuwerben. Die Bihenos sind aus der Vermischung der umwohnenden Völkerschaften der Huambos, Quimbandes, Ganguellas u. A. hervorgegangen. Sie zeichnen Bich durch Unternehmungsgeist und Reiselust aus; in Begleitung portugiesischer Händler, aber auch selbständig unternehmen sie grosse Reisen, die sie bis an die Küsten des Indischen Oceanes ausdehnen. In klimatischer Beziehung würde sich die Landschaft Bihe, welche die höchste Erhebung des centralen Tafellandes bildet, sehr für europäische Ansiedler eigene, denn in Folge ihrer hohen Lage wird die tropische Hitze bedeutend gemildert, das Thermometer sinkt sogar bis auf den Gefrierpunkt. Es fehlt ihr allerdings die Üppigkeit der Vegetation in den Tropengegenden, dafür aber gedeihen hier alle Erzeugnisse europäischen Feldbaues, und besonders zeichnet sie sich durch ihre vorzüglichen Weidegründe aus, welche eine ausgedehnte Viehzucht begünstigen könnten. Während die Küstenzone und die Bergregion reich an Erzen zu sein geheint, wird auf dem Hochplateau nur Eisen gefunden, welches die Bihenos sehr geschickt zu bearbeiten wissen.

In östlicher Richtung wurde der Marsch von Bibe aus fortgesetzt und nacheinander die Stromsysteme des Quanza, Cubango, Lungo-e-ungo, Cuando und Nlieugo passirt. Serpa Pinto hielt sich etwas nördlich von der Route, welche Silva Porto 1853 eingeschlagen hatte, und da er sich überall der' Wasserscheide der verschiedenen Systeme möglichst näherte, so war er im Stande, die Angaben dieses weitgereisten, aber wegen seiner geringen Bildung nicht immer zuverlässigen Händlers zu berichtigen. Das Quellgebiet des Quanza und seiner Nebenflüsse Cuqueima mit dem Cuito auf der linken, Oiime mit dem Varea und Onda auf der rechten Seite liegt in Form eines spitzen Winkels tief eingeschnitten zwischen dem Cubango und seinem grössten Nebenflusse Cuito; der Oberlauf des Quanza, sowie seine hier mündenden Nebenflüsse sind wegen zahlreicher Stromschnellen nicht schiffbar, während der Cubango wie der Cuito weithin befahren werden können. Nachdem dieselben eine grosse Zahl von WaBserläufen aufgenommen, vereinigen sie sich bei Darico, und von hier durchströmt der jetzt Tonke, später Tioge genannte Strom in südöstlicher Richtung die Kalahari, wo er mit dem Reste seiner Wassermassen, die ihm nach Passirung der Wüste noch verblieben sind, den Ngami - See füllt. Der östlichste Zufluss des Cuito war der Cuanavare, dessen Quellen in unmittelbarer Nähe mehrerer Bäche liegen, die nach N einem bedeutenden Nebenflüsse des Zambesi, dem Lungo-e-ungo (Ladislaus Magyar's Lunge-bungo) zuströmen, dieser selbst entspringt in nordwestlicher Richtung anweit des dem Quanza zufliessenden Cuime. So drängt »ich hier auf einen sehr geringen Räume der Ursprung dreier Flusssysteme zusammen, welche sich 3 verschiedenen Abflussgebieten zuwenden; der Quanza ergiesst sich in den Atlantischen Ocean, der Lungo-e-ungo fuhrt seine Gewässer durch den Zambesi dem Indischen Oceane zu, während die Wassermassen des Cuito sich in der Wüste verlieren. Nördlich von diesem Quellgebiet befindet sich dasjenige der grössten Zuflüsse des Congo, des Quango und Cassai.

Nicht weit entfernt von den Zuflüssen des Lungo-e'-ungo entspringt der Cuando, welcher das für die zukünftige Entwickelung dieser Gegenden wichtigste Flussgebiet bildet. Während die Schifffahrt im Mittellaufe des Zambesi in Folge von Katarakten und Stromschnellen häufigen Unterbrechungen unterworfen ist, bietet der Cuando eine bis in sein Quellgebiet benutzbare Wasserstrasse, auch die Nebenflüsse seines Oberlaufes Queimo, Cubangui, Cucbibi, Chicului sind sämmtlich zu befahren; Silva Porto, wie auch andere Händler benutzten den Cuchibi und den Cuando selbst zur Fahrt stromabwärts bis Linyanti, der Hauptstadt des einstmaligen Makololo-Reiches. Hier in seinem Unterlaufe wurde der Cuando zuerst von Livingstone entdeckt und überschritten, Petermann's Oeogr. Mittheilungei. 1881, Heft VIII.

und seitdem führte er den Namen Tschobe, welcher jedoch nach den Angaben Serpa Pinto's auch hier den Eingeborenen unbekannt ist; vielleicht entstand der Irrthum aus der Verdrehung des Namens Cuchibi, des erwähnten Zuflusses. Der Name Tschobe hat sich aber seit 30 Jahren völlig eingebürgert und wird von den zahlreich hierher kommenden Händlern und Jägern stets gebraucht, so dass es sich nicht empfehlen wird, denselben zu unterdrücken und auch für den Unterlauf die Bezeichnung Cuando einzuführen. Er hat eine Länge von ca 600 miles, sein Fall beträgt auf dieser Strecke 422 m.

Nachdem die Expedition die Zuflüsse des Cuando verlassen, gelangte sie an den Ninda, welcher nicht dem Cuando, wie bisher angenommen wurde, sondern dem Nhengo, einem in östlicher Richtung dem Zambesi zuströmenden Gewässer, zufliesst. Am 24. August wurde endlich der Zambesi bei Lialui, der Hauptstadt des grossen Barotse-Reiches, welches sich an Stelle der Herrschaft der Makololo gebildet hat, erreicht.

Auf dem Terrain östlich von Bihe verschwindet der Granit allmählich und wird durch Thon- und Glimmerschiefer ersetzt, diesen Gebilden folgen vulcanische Gesteine, welche besonders das ganze mittlere Zambesi-Thal einnehmen. Die grossen Wasserfälle, die von Gonha oder Gonye, die Victoria-Fälle oder Mosi-oa-tunia stürzen über Basaltfelsen herab. Die stetig zum Zambesi hin abnehmende Höhe des Plateau's übt auch ihre Wirkung auf die Vegetation aus, welche nach und nach wieder einen rein tropischen Charakter annimmt. Während das Wild in der Landschaft Bihe selten ist, wird es weiter im 0 zahlreich, namentlich vom Cuando bis zum Zambesi. Hier glaubt Serpa Pinto eine neue Antilopenart entdeckt zu haben, welche hauptsächlich im Wasser lebt und sich nie weit von den Flussufern entfernt; die Thiere sollen sogar im Wasser schlafen, wobei sie nur ihre fast 2 Fuss langen spiralförmigen Hörner zur Hälfte hervorragen lassen (!). Von der Grösse eines einjährigen Stieres, haben sie dunkelgraues, glattes Haar; auf der Nase haben sie einen weissen Streifen. Die Bihenos bezeichnen diese Gattung mit Quichobos, die Ambuellas mit Buzi; sie soll nur im oberen Cuando und seinen Zuflüssen vorkommen, aber nicht mehr im unteren Cuando und Zambesi. Vielleicht haben wir es hier nur mit einer Species der Wasserböcke (Kobus ellipsiprymnus) zu thun, welche bereits von Oswell, dem Begleiter Livingstone's auf seinen ersten Reisen, in den Gewässern Süd-Afrika's entdeckt wurde.

Ostlich von Bihe leben 6 verschiedene Volksstämme, welche häufig aber fälschlich mit dem Collectivnamen der Ganguellas bezeichnet werden, die sich im S und SO von Bihe ausbreiten. Im Quellgebiet des Quanza wohnen die Quimbandes, östlich zwischen Cuito und Cuando die Luchazes, an welche sich die Ambuellas zwischen den Zuflüssen des Letzteren anschliessen. Diese 4 Stämme scheinen einer grossen Völkergruppe anzugehören, da sie mit geringen Abweichungen dieselbe Sprache, die der Ganguellas, sprechen. In dieses Gebiet findet von N her eine starke Einwanderung der Quiocos oder Quibocos Statt, welche in der Gegend der Quango-Quellen hausen; sie schlagen jetzt ihre Wohnplätze am oberen Cuito und am Südufer des Lungo-e-ungo auf, dort drängen sie die Luchazes, hier den Stamm der

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Lobares zurück. Die Quiocos und Lobares reden einen von der Oanguella-Sprache verschiedenen Dialekt. Völlig verschieden von dieser ist die Sprache der Mucassequeres, des bereits von Livingstone unter dem Namen Kasekere oder Buschmänner erwähnten, von Magyar als Kasekel oder Mukankala bezeichneten Nomadenvolkes, welches sich südlich von den Luchazes zwischen Cuito und Cuando ausbreitet. Es ist ein auf der niedrigsten Culturstufe stehender Stamm; sie bauen sich keine Hütten, wohnen auch nicht in Höhlen, sondern hausen dort, wo sie das Schicksal hinverschlägt. Ihre Nahrung besteht aus Honig, Wurzeln und dem Ertrage der Jagd, welche sie nur mit Pfeilen ausüben, andere Waffen kennen sie nicht. Sie haben eine schmutzig gelbe Hautfarbe und scheinen den Hottentotten anzugehören.

Nach dem Eintreffen am Zambesi hat Serpa Pinto uns keine wichtigen geographischen Aufschlüsse mehr geben können, doch hat er durch Erkundigungen die lange Zeit seines Aufenthaltes in Lialui und dem benachbarten Catongo nutzbar zu machen gesucht. Besonders erregte die Gegend zwischen dem Zambesi und den Zuflüssen seines Unterla'ifes seine Aufmerksamkeit, da er ja hierhin seinen Marsch fortsetzen wollte. Die Bihenos umgehen auf ihren Handelsreisen das Barotse-Reich im Norden und benutzen dann die schiffbare Wasserstrasse des Loengue, in seinem Unterlaufe Cafue oder Cofucde genannt, um zum unteren Zambesi, oder stromaufwärts, um in die Nähe des Bangweolo-Sees zu gelangen. Über den tragischen Untergang der Makololo, jenes unternehmenden Basuto-Stammes, welcher im Anfange dieses Jahrhunderts unter Führung von Sebituane über den Zambesi auswanderte und hier einen mächtigen, nach dem Tode seines Gründers aber allmählich verfallenden Staat schuf, bestätigt der portugiesische Reisende die Mittheilungen, welche wir dem englischen Missionar Mackenzie verdanken. Seit jener Zeit haben sich in diesen Gegenden noch nicht wieder geordnete Zustände entwickelt, die Herrschaft schwankt zwischen einzelnen Stämmen der Barotse, welche das mittlere Zambesi-Thal bewohnen.

Die Weiterreise nach Transvaal wurde bis Embarira (Impalera) an der Mündung des Cuando zum grossen Theil zu Boot auf dem Zambesi ausgeführt und bot, abgesehen von unverschämten Forderungen und der drohenden Haltung der Eingeborenen gegenüber seiner geringen Begleitung keine besonderen Schwierigkeiten. Seiner Habe fast gänzlich beraubt, fand der Reisende Schutz und Unterstützung bei 2 englischen Naturforschern, Dr. Bradshaw und Walsh, welche sich zoologischer Studien wegen am Südufer des Tschobe aufhielten, besonders aber bei der Familie des Missionars Coillard, welcher vergebens versucht hatte, Erlaubniss zum Eintritt in das Reich der Barotse zu erhalten und jetzt mit Serpa Pinto die Rückreise in civilisirte Gegenden antrat. Am 12. Februar 1879 traf die Expedition in Pretoria ein.

Besonders werthvoll für die Eenntniss Afrika's ist eine grosse Serie von Positionsbestimmungen, welche wir unten folgen lassen, und die Routenaufnahme, welche in einer grossen 2-blätterigen Karte und 8 Specialkarten für die Strecke zwischen der Rüste und dem Cuando niedergelegt ist. Livingstone's Aufnahme des Zambesi findet durch diese

Beobachtungen im Allgemeinen Bestätigung, der Flusslauf erleidet nur eine sehr unbedeutende Verschiebung nach W. Auffällig und von der bisherigen Annahme bedeutend abweichend ist die Position von Schoschong, der Hauptstadt des Bamangwato-Reiches westlich vom Limpopo, welche durch Serpa Pinto um mehr als 1 ° nach Osten verschoben wird. Eine Positionsbestimmung dieses wichtigen Platzes lag unseres Wissens bisher nicht vor, denn E. Mohr hat nicht, wie Serpa Pinto annimmt, die Lage von Schoschong selbst bestimmt '), sondern im SW den Punkt am LimpopoFluss, wo der Weg nach Schoschong abbiegt, aber auch dieser Punkt wird durch Serpa Pinto's Berechnung um ebensoviel nach 0 verschoben. Da Mohr's Aufnahmen sich bisher stets bewährt haben, so können wir uns nicht veranlasst sehen, für diesen Punkt plötzlich die seinige zu "verwerfen, und halten wir es deshalb für dringend wünschenswert!), dass durch eine grössere Reihe von Beobachtungen die Lage von Schoschong, wo schon seit langen Jahren Missionare der London Missionary Society, welche sich um die Erforschung Afrika's schon so sehr verdient gemacht hat, thätig sind, genau festzustellen. Bestätigt sich Serpa Pinto's Berechnung, so würde der Lauf des Limpopo und dadurch auch die Grenze von Transvaal bedeutend verschoben werden; für die Kartographie von Südost-Afrika ist die Bestimmung von Schoschong demnach von grosser Bedeutung.

Die Erfolge Serpa Pinto's haben auch ausserhalb seines Vaterlandes Anerkennung und Beifall gefunden und wurden namentlich durch die Verleihung der goldenen Medaille von Seiten der Londoner Geogr. Gesellschaft ausgezeichnet. Möge diese Anerkennung für die portugiesische Regierung zugleich ein Sporn sein, auf dem einmal betretenen Wege fortzufahren und dem glücklichen Unternehmen noch recht viele andere folgen zu lassen.

Positionsbestimmungen und Höhenmessungen.

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Quingolo —

Palänca 13° 20'

Cap6co 13 9

Quimbungo —

Passage des Cunene .... —

Dumbo —

Bnrundoa —

Gongo —

Passage des Cabango ... —

Chindonga —

Katarakt des Cutato . . . . —

Lamapas —

Hauptstadt von Quingue . . —

Passage des Cuchi . . . . —

Bilanga —

Candimba i —

Belmonte (Bihe) 12 22

Wald Ton Cablr 12 22

Commandante 12 28

Liüica 12 38

Maranda 12 35

OndaFlueB 12 37

1] miles westlich vom Cuito . 12 48

Jenseits des Cuito .... 12 54

Licocötoa-Fluss —

Cambimbia 12 56

Serra Cassara Cahiera ... —

Cambuta 12 58

Cutangjo ■ —

Cuando-Quelle I 12 59

Cubangui-Quelle 18 12

Cangamba 13 38

Cubangui (Verlassen des Flusses) ; 13 48

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Cahu-eii-hüe

Cuchibi-Fluss, linkes Ufer . . Cuchibi-Fl. (Verlassen d. Flusses)

Chicului-Fluss

Ninda-Quelle

Am Ninda

Calomba

Nhengo-Dörfer

Canhete

Lialui

Catongo

Sinanga

Sioma

Mündung des Joco .... Katarakt des Mambue ') . . .

Quisseque *)

Mündung des Cuando....

Embarira3)

Luchuma

Mosi-oa-tunia (Victoria-Fälle) .

Daca

Tamafupa

Am Nata

Schua (Unterlauf des Nata)

Linocanim

Morralana

Luale

Cane

Schoschong

Mündung des Ntuani .... Adicul am Limpopo ....

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Geographischer Monatsbericht.

Europa. Eine von dem Lehrer an der höheren Bürgerschule in Sonneberg, Clemens Major, gezeichnete und in der Geogr. Anstalt von Wagner & Debes in Leipzig vervielfältigte Karte „des Hertogl. S. Meiningen sehen Kreises Sonneberg und seiner Nachbargebiete" verdient es, ihrer exaeten Bearbeitung und geschmackvollen Ausführung wegen, in nachdrücklicherer Weise, als diess durch eine einfache literarische Anzeige möglich ist, der Aufmerksamkeit von Touristen und Lehrern empfohlen zu werden. In handlichem Format und im Maassstab von 1:100000 giebt die Karte bei entsprechender Vollständigkeit in drei Farbentönen: Flussnetz blau, Ortschaften, Wege und Grenzen schwarz und Berge rothbraun, ein ebenso übersichtliches und klares , wie im Detail genaues Bild der Topographie dieses schönen und neuerdings mehrbesuchten Theiles vom Thüriager Waldgebirge, und es ist nicht zu bezweifeln, dass die Karte um dieser Eigenschaften willen und vermöge

Cornucopia

Soul's Port

Piland's Berg .......

Pretoria

Heidelberg

Jeannette-Pik

24 6

25 10

26 29

27 32

27 37 30

993 1092 1378 1310 1495 1911

') Nambwe nach Livingstone.

'-') Chicheque der Karte; Sescheke nach Livingstone und Holub.

3) lmpalera nach Dr. Bradshaw und Holub.

ihrer grossen Deutlichkeit, die sich bis auf die Schrift und die in Metern eingeschriebenen Höhenzahlen documentirt, sich zahlreiche Freunde erwerben wird. Wäre das Terrain, statt in Schummerung in der prägnanteren Stichmanier ausgeführt , die weniger Zweifel aufkommen lässt, so würde das dem Zweck der Karte noch mehr entsprochen haben. Dieselbe ist bei Th. Brand in Sonneberg mit einem Begleitworte erschienen, welches über den Zweck und die Benutzung der Karte, sowie über die Quellen, auf welchen sie beruht, jede wünschenswerthe Auskunft giebt. (C. Vogel.) Als ein Gegenstuck zu der bekannten Generalkarte von Europa von H. Kiepert hat D. Reimer in Berlin eine Oeneralkarte von Deutschland und den Nachbarländern in 1:1 000 000 herausgegeben (9 Blatt. Preis 12 Mark). Von W. Hammer und C. Ohmann gezeichnet, von R. Kiepert revidirt, umfasst sie nicht nur das Deutsche Reich, sondern fast den ganzen österreichischen Staatencomplex, die Schweiz, OberItalien , einen bedeutenden Theil von Frankreich, Belgien,

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