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Petermann's Geographische Mittheilungen

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97

Red. B.Hassenstein., aut. 5. DOMANN * C.soundt

Die Temperaturverhältnisse des Russischen Reiches nach H. Wild.

(Mit 6 kleinen Karten, s. Tafel 12.)

Trotz der grossen Fortschritte, welche die physikalische Erdkunde und speciell die Meteorologie gemacht hat, giebt es doch noch weitausgedehnte Gebiete auf der Erde, aus denen meteorologische Beobachtungen von wissenschaftlichem Werth so gut wie noch nicht vorliegen. Die weite Inselflur der Südsee, das tropische Brasilien, das Innere des afrikanischen Continentes und des südöstlichen Asiens sind noch völlig entblösst von Punkten, an denen die Vorgänge in der Atmosphäre regelmässig registrirt und ihr Widerspiel an Instrumenten beobachtet würde. Ist also aus den hier genannten Gebieten in nächster und vielleicht auch noch fernerer Zeit jedes überhaupt nur einigermaassen brauchbare Beobachtungsmaterial von Interesse und deshalb willkommen, so tritt allmählich an diejenigen Staaten, in denen schon seit längerer Zeit meteorologische Beobachtungen angestellt werden, die Aufgabe heran, sowohl ihr gesammtes Material an dergleichen Beobachtungen zu sam. meln und kritisch zu bearbeiten, um dadurch die Spreu von den Weizen zu trennen, als auch die bereits gelegten Fundamente für die meteorologische Landesuntersuchung gründlich zu revidiren. Hierbei handelt es sich darum, das Unzuverlässige und Mangelhafte von jeder eingehenderen wissenschaftlichen Behandlung auszuschliessen. Eine solche Aufgabe ist um so schwieriger, aber auch um so dankenswerther, je grösser das Land ist, für das dieselbe unterdommen wird, weil alsdann die Kenntniss der klimatologi. schen Verhältnisse der Erde mit einem Schlag um ein Bedeutendes gesichert und erweitert wird. Eine Arbeit, welche für das grösste Reich der Erde, für Russland, die Lösung eines Theiles dieser Aufgabe bezweckt, wird daher von ganz hervorragendem Interesse sein müssen. Wegen der Massenhaftigkeit der aus demselben zu ziehenden Informationen über die Temperaturverhältnisse Europa's und Asiens verdient das soeben abgeschlossene Werk von Professor Wild ') mit vollem Recht ein monumentales genannt

1 zu werden. Zwar besitzen wir in dem Werk von Wesse

lowskij: „Uber das Klima von Russland" schon ein der. artiges kritisches Sammelwerk. Allein seit dem Abschluss desselben (1853) hat sich ein weiteres so reichhaltiges Beob. achtungsmaterial angesammelt, und haben sich für die Meteorologie so viele neue Gesichtspunkte eröffnet, dass die vorliegende, auf Veranlassung der Petersburger Akademie der Wissenschaften unternommene Neubearbeitung der Tem. peraturverhältnisse Russlands unter Anwendung eines schar. fen kritischen Maassstabes und unter Ausschluss aller nicht zuverlässigen, nicht mit guten Instrumenten und nach richtigen Methoden angestellten Beobachtungen, eine sehr zeitgemässe genannt zu werden verdient.

Es würde nicht im Sinne dieser Zeitschrift liegen, an dieser Stelle über den Inhalt des ganzen Werkes zu referiren. Viele Theile desselben haben naturgemäss nur für den speciellen Fachmann hervorragendes Interesse, und mögen deren Hauptergebnisse, so weit als thunlich, nebenbei mit angeführt werden. An diesem Orte sind es namentlich die Resultate der Untersuchung über die geographische Vertheilung der Temperatur, welche besonderes Interesse erwecken. Derselben liegen die Beobachtungsregul. tate von 387 russischen Stationen zu Grunde, davon fallen 298 Stationen auf das europäische und 81 Stationen auf das asiatische Russland, ausserdem sind noch die Resultate von acht auf Russlands Veranlassung in Japan und China eingerichteten Stationen, sowie diejenigen einer grösseren Reihe westeuropäischer Stationen benutzt, um der Voll. ständigkeit wegen die Temperaturverhältnisse auch über die unmittelbaren Grenzen des Reiches hinaus verfolgen zu können.

Der immerhin nicht ganz leichten Zugänglichkeit des Wild'schen Werkes wegen mögen hier zunächst einige Daten über die Temperaturverhältnisse einer Reihe be

kannter und durch die Zuverlässigkeit und theilweise auch I lange Dauer der Beobachtungen ausgezeichneter Orte Platz I finden

" H. Wild, Die Temperaturverhältnisse des Russischen Reiches. Supplementband zum Repertorium für Meteorologie. 2 Theile. Petersburg, 1878 und 1881. (Siehe darüber die Notiz im 6. Hefte, S. 227, der Petern. Mittheil. von 1881.)

Petermann's Geogr. Mittheilungen. 1881, Heft VIII.

36

Mittlere Monats- und Jahrestemperaturen und Extreme.

A. Europäisches Russland und Kaukasien.
-! See. Jan. Febr. März. April. Mai. Juni. Juli. Aug. Sept. Oct. Nov. | Dec. Jahr.

Jabr. Mitti. Mittl. Absol. Absol.

in Morin in Graden der Celsias-Skala.

Östl. L.
y Gr. | breite.

höhe.

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18,2

12,0

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27,0

9,8

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24,3

12,0

13,7

7,0

-23,9

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20,5

9,5 5,6

34,5 -59,4 39,5 --43,0 38,8 --62,0

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,5

Ajan.

138 17 56 28 Akmolinsk

| 71 2351 12 Barnaul

82 47 53 Blagoweschtschensk 127 37 50 Leuchtturm von Due. 142 26 50 Enisseisk (Jenisseisk). 92 6 58 Irkutsk

104 22 52 Jakutsk ,

129 42 Kraspowodsk

52 59 Nertschinsk (Hüttenwerk) 119 37 Nikolajewsk .

140 43 Peking .

116 29 39 Petro Alexandrowsk 615 Petropawlowsk

158 48 Semipalatinsk

80 13 Taschkent

69 16 41 Turucbansk . . . 87 3865 55 Urg&. . . . .

106 51 | 47 55 Werchojansk

133 51 67 34 Wladiwostok . . . 1132 0 1 43 91

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33,0

10 20,41
310
140

19,4
170
110 16,2
80

25,3 18,8
460

- 16,6 160

9.6 1
- 20

01
660
-23,9

0,4
20 ?
--22,9 -20,8

3,1
40

1,6

13,9
100

1,7 i 7,9 14,9
-10,0
,0 -

0,9
180

-16,8 -10,6
450

14,8
|--23,2 -14,9
1150

-20,4 -10,5 11,0
50? -

-47,2 – 33,8 -
|--15,0 1–10,6 – 1,9 4,5

7,3 11,7 12,4 8,7 - 1,6 – 12,0 – 19,6 - 3.9
13,4
18,7

- 7,8 -15,8

1,7 10,7 16,7

10,0

- 8,8 15,9 21,1 16,7

11,8

1,4 -13,4 5,1 10,8 15,3 16,6

4,4 - 5,2

0,5
16,2 20,0 16,7

1,1, -14,1 -
15,3
18,8
16,2

1,0 -10,8 – 17,4
4,6 14.6 18,8 15,6
21,4! 25,
9 28,9 29,4

8,5 10,7
8,0
15,4
15,5

1,6 – 15,6
3,6 12,5

16,1

1,7-10,0 –21,1 19,9 24,4 26,2 - 24,8 ] 20,0

3,8 - 11,8 21,8 25,2 28,8

- 3,8
10,3 14,6 14,8

– 1,8 – 6,2
14,0
19,9
22,5 | 19,8

3.2. - 6,4 --14,9

2,5
21,1
25,2

26,8 | 23,8 18,8 . 5,8 3,2 13,3
0,0 7,9 15,6 | 13,1 7,4 5,8 - 19,8 -25,0

14,8 ! 17,7 14,9 8,9 - 1,9 -14,0 ,-22,2 – 2,5
0,
4 18

13,4 15,4 11,9 2,3 -13,9 - 39,2 -45,7 -16,7
14,4 | 19,8 20,8 | 16,

41 9,4 – 1,5 – 10,7 4,6

18,3 16,4

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2,8

8.4

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So wie die Monats- und Jahresmittel der Temperatur, keit, wie die mittlere Abweichung der Mittel der einzelnen sich aus den Tabellen ergaben, waren diese Werthe für Monate, beziehungsweise Jahre vom Gesammtmittel heisst, eine richtige Darstellung der geographischen Vertheilung ist allgemein im Sommer kleiner als im Winter, ohne dass der Temperatur in den betreffenden Zeitabschnitten nicht sich jedoch über die Epochen der grössten und geringsten unmittelbar verwendbar.

Veränderlichkeit der Temperatur an verschiedenen Orten Zunächst sind bei einer geringen Anzahl von Beobach bestimmte Regeln aufstellen liessen. Der in Bezug auf tungsjahren die aus diesen abgeleiteten Werthe noch sehr seine Temperaturverhältnisse beständigste Monat ist an den ungenaue, weil bekanntlich in höheren Breiten die mittlere Küsten der Ostsee und des Ochotskischen Meeres der Sep. Temperatur der einzelnen Monate und Jahre mehr oder tember, im nordöstlichen europäischen Russland und in weniger grossen Schwankungen unterworfen ist. So haben Südwestsibirien der August, in Mittelrussland und Mittel. z. B. die Mitteltemperaturen bestimmter Wintermonate in sibirien aber der Juli. Die durchschnittliche Grösse der Archangelsk (Februar), Ustsysolsk (Januar, December), Se Veränderlichkeit, d. h. das Mittel von der Veränderlichkeit mipalatinsk (December) und Bogoslowsk (December) schon der zwölf Monate des Jahres, zeigt vom Continent nach um 20° und mehr in verschiedenen Jahren von einander den Oceanen und ausserdem nach dem Süden hin eine differirt. In Haapakylä (Finnland) sind sogar innerhalb rasche Abnahme, doch ist dieselbe nach dem Atlantischen eines 30jährigen Zeitraumes Differenzen von 7,6° in der Ocean stärker als nach dem Pacifischen, so dass die mittJahrestemperatur vorgekommen. Die mittlere Veränderlich lere Veränderlichkeit unter gleicher Breite an den west

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lichen Küsten geringer ist als an den östlichen. Die grösste Veränderlichkeit findet sich in Südwestsibirien, im mittleren und nördlichen Central-Russland und dann ganz besonders an den Küstengebieten des Weissen Meeres, namentlich in Nord-Finnland, während die kleinsten Schwankungen der Monatstemperaturen in den Gebieten mit rein oceanischem Klima, ferner an den Stationen in SO-Asien und in Transkaukasien vermöge deren südlicher Lage zu finden sind. Nahezu dasselbe Bild liefert die Untersuchung der Variabilität der Jahresmittel der Temperatur. Das Maximum derselben mit 1° und darüber findet sich in West- und Mittel - Sibirien und am Weissen Meere, das Minimum im oceanischen Klima und im Süden.

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Aus der mittleren Veränderlichkeit der Temperatur lässt sich nach den Regeln der Wahrscheinlichkeitsrechnung der wahrscheinliche Fehler der Temperaturmittel und die Zahl der Jahre, welche erforderlich ist, diesen Fehler z. B. auf

+0,1° C. zu reduciren, herleiten. Um das Mittel der Decembertemperatur von Kronstadt z. B. bis auf diesen Betrag richtig zu erhalten, wäre eine Beobachtungszeit von 1066 Jahren, für die des September aber nur von 115, für das Jahr von 67 Jahren nöthig. Für Petersburg sind zu letzterem Zweck 41, für den Januar aber 717 Jahre nöthig. Für Tiflis sind nur 12 Jahre für das Jahresmittel, aber immerhin noch 210 für den März nöthig. Will man die Monatsmittel zum wenigsten mit einer Sicherheit von +0,25° im Sommer und +0,5° im Winter sicher haben, so sind je nach der Lage der betreffenden Station 20—30 Jahre hierzu nöthig. Dieser Anforderung genügen unter den in dem Wild'schen Werk benutzten in- und ausländischen, sich auf ca 520 belaufenden Stationen nur 59 Stationen; mit einer längeren als 30jährigen Beobachtungszeit besitzt Russland selbst nur 35, welche Zahl natürlich zur Construction von Isothermenkarten bei der Grösse des Reiches ganz ungenügend gewesen wäre. Seit den Untersuchungen Dove's über die nichtperiodischen Änderungen der Temperaturvertheilung weiss man aber, dass sich die Anomalien in den Temperaturverhältnissen innerhalb be

stimmter Perioden nicht auf einzelne Punkte beschränken, sondern sich stets gleichzeitig in weiten Gebieten in demselben Sinne äussern. Die moderne Meteorologie hat diese Erscheinung, die Dove bekanntlich durch in ihrer Entstehungsweise etwas mystische Polar- und Aquatorialluftströmungen erklärt wissen wollte, durch die Erforschung des Wesens und der Bahnen der wandernden Gebiete niederen und hohen Luftdruckes, der Cyclonen und Anticyclonen oder barometrischen Minima und Maxima auch sachlich in unzweifelhaftester Weise erklärt und begründet. Die geringere oder grössere Veränderlichkeit der Mitteltemperaturen einer bestimmten Gegend in höheren Breiten bedeutet im Lichte der modernen synoptischen Meteorologie hauptsächlich, dass dieselbe von den durchschnittlichen Bahnen der barometrischen Wellenberge und Wellenthäler mehr oder weniger entfernt liegt. Je senkrechter die Isothermen von den Bahnen der Cyclonen geschnitten werden, je stärker die Temperaturgradienten, d. h. die Ab-, resp. Zunahme der Temperatur, in einer Richtung senkrecht zu den Isothermen auf eine bestimmte Entfernung hin ist, je öfter die betreffenden Bahnen von Cyclonen beschritten werden, desto stärker und häufiger sind in Folge dessen auch die Temperaturwechsel und die Abweichungen der Monats- und Jahresmittel der Temperatur von den Normalwerthen. Das Gebiet des nördlichen Finnlands und des Weissen Meeres ist aber nun derjenige Knotenpunkt, dem der grösste Theil aller Nord- und Mitteleuropa berührenden barometrischen Depressionen und Sturmbahnen zustrebt. Dieser Umstand in Verbindung mit den besonderen hydrographischen Eigenthümlichkeiten dieses Gebietes und seiner Nachbarschaft erklärt die ungewöhnliche Grösse der Veränderlichkeit der Temperaturmittel desselben auf das vollständigste.

Unter Benutzung der durch Dove aus einem äusserst umfangreichen Zahlenmaterial mühsam abgeleiteten, jetzt aus einigen synoptischen Witterungskarten sich theilweise nahezu von selbst dem Beschauer aufdrängenden Erfahrungssätze über die nichtperiodischen Veränderungen der Temperaturvertheilung, kann man die Resultate kürzerer Beobachtungsreihen dadurch zu sichereren und vergleichbareren machen, dass man sie nach einer in der Nähe gelegenen Station, von der ausser für die bezügliche Periode auch noch für eine weitere Reihe von Jahren Beobachtungen vorliegen, gleichsam auf vieljährige Mittelwerthe reducirt. Diese Reduction gestaltete sich bei der in Rede stehenden Untersuchung namentlich im asiatischen Russland, wo die Stationen unverhältnissmässig weit auseinanderliegen und Stationen mit langjährigen Beobachtungen selten sind, zu einer recht schwierigen und nicht ganz einwurfsfreien. Ein weiterer Umstand, der die unmittelbare Vergleich

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