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Beobachter oder Quelle.

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A. Bayer.

Alefeld.

Fritsch.

Schlagintweit.
Wessely.

Braun.
Fritsch.

Rottalowitz 39

Petermann'a Geogr. Mittheilungen. 1881, Heft

Armbrust.
W. Ziegler.
Fritsch.
P. Beck.
Fritsch.
F. Tonner.
I. Boehm.
A. Brossard.
Fritsch.

F. Jelentsik.

Fritsch.

Ewertz.

Riat und Rapine.

Fritsch.

A. Kerner.

Fritsch.

Schwendener.

C. Reuss.
W. Simon.

R. Tepelmann.
A. Krezmar.
H. Hoffmann, Schät-
zung.

L. Buxbaum.

Berghaus.

Ewald.

F. Eckhard.
Fritsch.

A. Blatter.

D. Bertolini.

G. L. Visard.
C. Reuss.

I. Flückiger.
Fritsch.
Wagner.
Fritsch.
Jordan.

H. Hoffmann, Schät-
zung.
Fritsch.

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Roveredo

Rüdesheim

Rüggisberg

Ruhkrog (bei Kappeln) . .

Rzeszow

Sagritz (Möllthal) . . .

Saifnitz

'Salzburg

Salzhausen

Samkow (SO von Lübeck)

Sandkrug

Satow

Schaffhausen

Schemnitz

Schiffenberg (bei Giessen) .

Schlagsdorf

•Schönberg (bei Danzig) . Schönberg (Mecklenburg) .

Schönna

Schössl

Schopfloch . .'

Schotten

Schwandi (bei Reichenbach)

Schweningen

Schwerin

Selters

Selzen

Senftenberg

Siedeisbrunn (Odenwald) .

Signan

Slijk-Ewijk (a. d. Waal) . Söldcn (Oberes ötzthal)

Soltau

Spaa

St. Andree

Stavelot

Stavenhagen

Steinbeck (bei • Königsberg)

Stettin

Steyer

St. Florian (Freistadt a. d.

Feidaist)

St. Imier

St. Jacob

St. Johann

St. Martin

Storndorf (NO v. Ulrichstein)

St. Paul

St. Trond (Thrond) . . .

Sülze

Sumiswald (0 von Bern) . Sutz (Amt Nidau) . . .

Szliacs

Tamswog

Tann

Taufers

Testorf (bei Schönwalde) . Thierachern (bei Thun). .

Thiessow

*Thorberg (NO von Bern)

Thourout

Török-Becse

Torgau

Trachselwald

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Beobachter oder Quelle.

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Fritsch.

Noll.

D. Pulver.

Lange.

Fritsch.

Schlagintweit.

L. Fertschnig.

Fritsch.

H. Tasche.

Fritsch.

H. Hoffmann.

1. H. Simonsen.

Plath.

Fritsch.

Schlagintweit.

Fritsch.

Brnmhard.
E. Wittwer.
Fritsch.

Heldmann.
Schneider.
Fritsch

Lehrer Hoffmann
H. Hoffmann, Schät-
zung u. E. Ihne.
G. Kohler.
Fritsch.
Schlagintweit.
Nickel.
Fritsch.

A. Zimmeter,
C. Hödl.

Fritsch.

E. ürban.

I. L. Sauvin.

Fritsch.

A. Lindner.

Fritsch.

H. Hoffmann, Schätzung.

S. Christen.

Fritsch.

Weber.

Sprüugli.

Fritsch.

Wehmeyer.

Fritsch.

C. Wolff.

T. Zimmermann.

Westphal.

I. Pauli.

Fritsch.

M. Brusznyai.

Fritsch.

C. Gfeller.

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Wesselburen

Wetzlar

Wevelinghoven (bei Köln) .

Wien

Wilhelmshaven

Willenroth, Unter- . .

Wüten

Wimmis

Winkel a./Rh

Winklern (0 von Lienz) .

Winnenden

Winterthur

Wismar

Wohlau

Wolgast

Wünschelburg

Würzburg

Wüstensacbsen

Wyleroltigen (bei Laupen) . "Wynigen (Emmenthal). .

Zaandam

Zauchtel (SW Ton Teschen).

Zduny

Zechen (Tscheschen). . .

Zell am See

Zihlbrücke (SO yon Biel) .

Zürich

Zuidbroek

Zweisimmen (Canton Bern) Zwenkau

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Beobachter oder Quelle.

H. Schwarck.

Lambert.

J. Hartmann.

Fritsch.

P. Andries.

Zimmer.

Fritsch.

J. Itten.

Wessely.
Fritsch.

F. Roth.
Fritsch.

J. Englert.

Hahn.

S. Kytz.

J. Niederhauser.

Fritsch.

G. A. Thal.

F. R. Fleischer.

Fritsch.

F. Martin.

Weber.

Fritsch.

n J. Sprüngli. Fritsch.

Ein Besuch auf der Bering-Insel.

Von Professor A. E. v. Nordenskiöld ')•

Unter den Punkten, welche wir auf unserer Reise im Norden Asiens besucht haben, befindet sich einer, der besonderes Interesse für die Dänen besitzt, nämlich die Bering-Insel; denn auf dieser Insel war es, wo der grösste Entdecker, den Dänemark hervorgebracht, sein thatenreiches Leben ausathmete. Sie ist die westlichste und also Kamtschatka am nächsten liegende der aleutischen Inseln. Zusammen mit der, in der Nähe liegenden Kupfer-Insel wird sie nicht zu Amerika, sondern zu Asien gerechnet und gehört Russland. Dessen ungeachtet hat die amerikanische Alaska-Compagnie sich auf dieser Insel Jagdrecht verschafft und sie unterhält hier eine nicht unbedeutende Handelsstation, welche die, ungefähr gegen 300 zählenden Einwohner mit Lebensmitteln und Manufacturwaaren versieht, und als Entgelt Pelzwaaren, besonders Felle von einer Art

') Aus dem Dänischen der „Geografisk Tidskrift" übertragen von Heinrich Zeise.

Seehund , dem sogenannten Seebären, aufkauft. Zwischen 50 000 und 100 000 dieser Thiere werden jährlich auf der Bering-Insel und auf der Kupfer-Insel getödtet, und es sind die sammtweichen Felle dieser, welche in der neueren Zeit so sehr in Mode gewesen. Um auf die Rechte des russischen Staates zu achten, sowie auch um die Ordnung aufrecht zu erhalten, befinden sich auch einige russische Beamte auf der Insel.

Ein halb Dutzend zweckentsprechender Holzhäuser ist für die Bediensteten der russischen Krone und für diejenigen der amerikanischen Compagnie zu Magazinen und auch zu Handelsbuden aufgeführt worden. Die Eingeborenen wohnen theils in recht geräumigen und nicht schlecht eingerichteten Häusern von Torf und theils in kleinen hölzernen Häusern, welche die Compagnie allmählich anstatt der Torfhäuser einzuführen sucht, indem sie solche Häuser den verdienstvollsten Bewohnern giebt. Jede Familie hat ihr eigenes Haus. Man findet hier auch eine Kirche für den griechisch-katholischen Gottesdienst, sowie eine geräumige Schule, letztere für die Kinder der Aleuten. Die Schule war unglücklicherweise geschlossen, als wir dort waren; aber den Schreibbüchern nach zu urtheilen, welche wir sahen, ist der Unterricht nicht schlecht. Die Schrift zeichnete sich wenigstens dadurch aus, dass sie gleichmässig und gut war, und die Bücher erwiesen sich als reinlich gehalten. Bei der „Colonie" sind die Häuser an einer Stelle zu einem kleinen Dorf gesammelt, welches sich, vom Meere aus gesehen, als ein kleineres norwegisches Fischerdorf präsentirt. Einige zerstreut liegende Häuser findet man hie und da an anderen Stellen der Insel, z. B. auf der nordöstlichen Seite, wo man einige Kartoffeln baut, sowie beim Fangplatz gegen Norden hin, wo sich ein Paar grosse Magazine und eine Menge kleiner Erdhäuser befinden, welche allein zur Fangzeit gebraucht werden.

Sowohl in geographischer wie auch in naturhistorischer Beziehung ist die Bering - Insel eine 'der merkwürdigsten Inseln in dem nördlichen Theil des Grossen Oceans. Hier war es, wo Vitus Bering nach seiner letzten unglücklichen Seereise, in dem Meer, das nun allgemein seinen Namen führt, am 19. December 1741 seine lange Bahn von Entdeckungen schlo3s, kurz nachdem sein Fahrzeug in der Mitte der Nordküste der Insel bei einem Sturm auf die Klippen stiess. Viele seiner Begleiter überlebten ihn jedoch, darunter der geniale Naturforscher Steller, der sich unfreiwillig von Mitte November 1741 bis Ende August 1749 auf der Insel aufhielt und uns eine mit Meisterschaft verfasste Schilderung ihrer Naturverhältnisse gegeben hat. So viel man weiss, ist die Bering-Insel niemals vor jener Zeit von Menschen besucht worden. — Da wir für unsere Sammlungen Felle und Skelette der hier vorkommenden merkwürdigen Säugethiere zu verschaffen und den jetzigen Zustand der Insel, nachdem sie gegen anderthalb Jahrhunderte der Jagd und der Raublust der Menschen ausgesetzt gewesen, mit der lebendigen und malenden Schilderung, welche Steller giebt, zu vergleichen wünschten, so entschloss ich mich, mit der „Vega" der Insel einen Besuch abzustatten. Die Nachrichten, welche ich auf der Bering-Insel durch amerikanische Zeitungen über jene Unruhe erhielt, in welcher man sioh in Europa unsertwegen befand, hinderten mich, so lange zu bleiben, wie ich gewünscht hatte; wir hielten uns daher nur fünf Tage hier auf, nämlich vom 14. bis zum 19. August, dennoch ward unsere Ausbeute an Sammlungen und Beobachtungen ausserordentlich reichhaltig.

Seit Steller's Zeit ist die ThierWelt auf jener Insel grossen Veränderungen unterworfen gewesen. Der Polarfuchs (Canis Lagopus) kam damals in unglaublicher Menge vor. Diese Füchse frassen nicht allein alles irgend Essbare,

das sich im Freien befand, sondern sie drangen sowohl am Tage wie auch zur Nachtzeit in die Häuser ein und schleppten Alles fort, dessen sie habhaft wurden, ja sogar Sachen, die ihnen nicht von geringstem Nutzen sein konnten, wie z. B. Messer, Stöcke, Schuhe und Strümpfe. Wenn man etwas ausserhalb des Hauses zu thun hatte, so musste man sie mit Stöcken fortjagen, und sie wurden den Schiffbrüchigen sogar gefährlich. Nach Steller's Zeit sind indessen tausende und aber tausende dieser Füchse von den Pelzjägern getödtet worden, und nun sind sie so selten, dass wir während unseres Aufenthaltes nicht einen einzigen sahen. Diejenigen, welche übrig geblieben sind, sollen jedoch nicht die früher allgemeine , kostbare, schwarzblaue Farbe besitzen, sondern einen weissen Pelz, der wenig werthvoll ist. Auf der Kupfer-Insel findet man dagegen noch schwarzblaue Füchse in nicht geringer Menge.

Von Steller und seinen Begleitern wurden auf der Bering-Insel 700 Seeottern (Enhydris marina) getödtet, aber diess, seines Pelzwerks wegen bekannte Thier ist nun vollständig von der Insel verschwunden. Von Seelöwen (Otaria Stellen), welche man früher in Menge fand, trifft man jetzt nur wenige an der Klippenküste der Insel. Die merkwürdigste aller Thierarten der Insel, Steller's Seekuh (Rhytina Stellen) ist vollständig ausgestorben.

Dieses Thier gehört zu einer Gruppe von Säugethieren, welche „die schwimmenden Dickhäuter" genannt werden und einen Übergang zwischen dem Elephanten, dem Tapir und den Walfischen bilden; in früheren Zeiten wurden sie zu den Walfischen gerechnet, denen sie auch in der Körperform gleichen. Zwei Geschlechter, nämlich Manati und Dygong, findet man in warmen Meeren oder Flüssen. Steller's Seekuh war dunkelbraun von Farbe und mit Haar bedeckt, das zu einer Art von Aussenhaut zusammengewachsen war, welche der Rinde einer alten Eiche glich. Die Länge betrug nach Steller gegen 35 Fuss und das Gewicht 500 Centner. Das Fleisch und die Milch schmeckten beinahe wie die des Hornviehes, ja nach Steller's Meinung sogar besser. Man sah beständig Seekühe, die in Begriff waren, die an der Küste reichlich vorkommenden Seepflanzen abzuweiden. Sie waren sehr gefrässig, und Hessen sich nicht im geringsten durch die Gegenwart von Menschen stören. Man konnte zuweilen ganz bis zu ihnen hingehen und sie berühren, ohne dass sie bange wurden. Sie zeigten grosse Neigung gegen einander, und wenn eine von ihnen harpunirt wurde, so gaben sich die anderen unglaubliche Mühe, sie zu retten. Zu Steller's Zeit grasten diese Thiere, gleichsam in grossen Heerden wie Hornvieh vereinigt, und zwar überall längs der Küsten, und er wie seine Begleiter tödteten eine grosse Menge derselben. Späterhin bildete die Jagd auf die Seekühe einen wichtigen Nahrungszweig für die Russen, welche von Kamtschatka nach den Aleuten segelten. Jedes Jahr wurden sie zu Hunderten getödtet und bald waren sie ausgerottet, da sie bereits zu Steller's Zeit, wenn man ein oder das andere Exemplar ausnimmt, das sich anderweitig hin verirrt hatte, nur auf der Bering-Insel vorkamen. Middendorff führt an, dass man nach den sorgfältigsten Untersuchungen, welche von den Akademikern v. Baer und v. Brandt angestellt worden sind , Steller's Seekuh nicht vor dessen Zeit, also 1741, gesehen habe, und dass das letzte Exemplar 1768 getödtet wurde. Bei meinen genauen Nachfragen unter den Eingeborenen bekam ich jedoch bestimmten Nachweis darüber, dass Seekühe noch später getödtet worden sind. Ein „Kreole" (d. h. ein Mischling von Bussen und Aleuten), jetzt 67 Jahre alt, der ein verständiges Aussehn hatte und vollständig bei Geisteskräften war, sagte, dass sein Vater im Jahre 1847 in einem Alter von 88 Jahren gestorben sei. Der Vater stammte aus Volhynien und kam in einem Alter von 18 Jahren oder im Jahre 1777 nach der Bering-Insel. Während der ersten zwei oder drei Jahre seines Aufenthaltes, also 1779 oder 1780, hatte man noch Seekühe getödtet, während sie bei niedrigem Wasser Seepflanzen frassen. Man hatte nur das Herz verspeist und gebrauchte die Häute zu Booten. Eine jede solche Haut lieferte zwei Boote, ein jedes von 20 Fuss Länge, 1\ Fuss Breite und 3 Fuss Tiefe. Nach jener Zeit hatte man keine Seekühe mehr getödtet.

Es ist indessen dennoch möglich, dass eine Seekuh sich noch später gezeigt habe. Zwei Kreolen sagten mir, dass sie vor ungefähr 25 Jahren auf der östlichen Seite der Insel ein ihnen unbekanntes Thier gesehen hätten, das nach vorn sehr dick war, kleine Vorderfüsse hatte und sich mit einer Länge von ungefähr 15 Fuss über Wasser zeigte. Es war braun von Farbe und hatte grosse, lichte Flecke, keine Rückenflossen, aber wenn es sich krümmte, so konnte man seiner grossen Magerkeit wegen Hervortretungen auf dem Rückgrat sehen. Ich verhörte beide Männer sorgfältig, und die Erzählung derselben stimmte vollkommen überein und machte den Eindruck der Glaubwürdigkeit.

Einer von den Leuten der Alaska - Compagnie, in Livland geboren und augenblicklich auf der Kupfer-Insel ansässig, sagte mir, dass man Knochen der Seekühe in der Mitte auf der linken Seite der Kupfer-Insel finden solle. Dagegen solle man diese Knochen nicht auf dem kleinen Holm ausserhalb der Colonie finden, ungeachtet sie allgemein an der naheliegenden Küste der Hauptinsel gefunden werden.

Diess sind die wenigen und spärlichen Nachrichten, welche ich bei den Eingeborenen und bei anderen, an jenem Orte

sesshaften Männern sammeln konnte. Dahingegen glückte es mir, eine sehr gute und schöne Sammlung von Knochen des besprochenen merkwürdigen Thieres zu bekommen.

Gleich nachdem ich Bekanntschaft mit den Europäern auf der Insel geschlossen hatte, sagten sie, dass nur geringe Aussicht vorhanden sei, eine grössere Sammlung dieser Knochen zu erhalten. Die Compagnie hatte nämlich bis zu 150 Rubel für ein Skelett geboten, jedoch vergebens. Aber bereits, nachdem ich einige Stunden am Lande gewesen war, bekam ich zu wissen, dass sich grössere oder kleinere Sammlungen von Knochen hier und dort in den Hütten der Eingeborenen befänden. Diese Knochen kaufte ich, indem ich sie absichtlich so gut bezahlte, dass der Verkäufer zufrieden und sein Nachbar ein wenig neidisch war. Ein grosser Theil der Bevölkerung legte sich nun darauf, Knochen zu suchen, und ich brachte auf diese Weise 21 Fustagen, angefüllt mit Knochen, zusammen. Unter ihnen befanden sich eine Menge Knochen desselben Exemplars, zwei ganze und mehrere beschädigte Hirnschalen &c. Eine Menge derselben wurde in einem, mit dichtem Gras bedeckten Wall am Strande liegend und mit einer Erdschichte von 1—1£ Fuss Dicke bedeckt gefunden. Da die Rippenknochen der Seekuh Steller's beinahe so hart wie Elfenbein sind, so haben die Eingeborenen sie häufig als Untergestell an ihren Schlitten benutzt, wie sie denn auch verschiedene Sachen daraus zu schneiden verstanden. Aus diesem Grunde wurden sie in grosser Menge verbraucht und sind deshalb seltener als die anderen Knochen.

Das einzige grössere Thier auf der Insel, das vielleicht in ebenso grosser Anzahl als zu Steller's Zeit vorkommen möchte, ist der Seebär (Otaria ursina). Auch dieser hatte so stark abgenommen, dass die jährliche Ausbeute nur unbedeutend war, als die Alaska-Compagnie gegen eine Abgabe an die russische Krone, wenn ich mich dessen richtig erinnere, von 2 Rubeln für jedes einzelne Thier, das Alleinrecht auf die Jagd bekam und sie in passender Weise regelte. Zu gewissen Jahreszeiten sind die Thiere nun vollständig geschützt; die Zahl der Thiere, welche getödtet werden soll, wird im Voraus bestimmt, ebenso wie der Landmann diess im Herbst bei seiner Viehheerde zu thun pflegt. Man wählt ferner, so weit man diess kann, diejenigen Thiere aus, welche getödtet werden sollen, und schont dabei Weibchen und Junge. Die zahlreichen Heerden von Seebären, welche man längs der Küsten der Bering-Insel und der Kupfer-Insel antrifft, werden also beinahe wie eine Heerde zahmer Thiere behandelt. Diess kann allein deshalb geschehen ,j weil die Thiere einige Monate des Jahres hinbringen, ohne etwas zu fressen, und zwar finden sie sich auf gewissen, weit in das Meer sich erstreckenden Landspitzen. Sie sammeln sich hier zu Hunderttausenden in dicht gehäuften Schaaren an der Küste. Au diesen Stellen ist es strenge verboten, die Thiere zu jagen oder sie in ihrer Ruhe zu stören, es sei denn, dass man besondere ErJaubniss vom Vogt des Dorfes erhalten habe. Wenn man eine Anzahl Seebären tödten will, so wird ein Rudel derselben von einer Schaar Jäger umringt und sie werden dann mit Stöcken eine Strecke die Küste hinaufgetrieben. Dann werden die Weibchen fortgejagt, ferner die Jungen, sowie diejenigen Männchen, deren Fell nicht gut ist; die übrigen bekommen erst einen Schlag auf die Schnauze und werden dann mit einem Messer erstochen.

In Gesellschaft des Dorfvogts, eines schwarzhaarigen, stotternden Aleuten und eines Kosacken eines jungen, höflichen Mannes, welcher bei feierlichen Gelegenheiten einen Säbel trug, der beinahe ebenso lang wie er selbst war, der übrigens auf keine Weise dem von Roman- und SchauspielverfaBSern angenommenen Kosackentypus entsprach, zogen einige von uns nach einer in das Meer vorspringenden Landspitze, welche ein Lieblingsaufenthalt der Seebären war. Augenblicklich sollten nach der uns angegebenen, sicherlich etwas übertriebenen Zahl 200 000 Thiere auf der Landspitze und auf den in der Nähe liegenden Theilen der Küste versammelt sein. Von unseren Wegweisern gefolgt, krochen wir in die Nähe einer Heerde, welche etwas abseits lag. Anfanglich wurden die älteren Thiere etwas unruhig, weil sie merkten, dass wir nach ihnen hinkrochen; sie begaben sich aber bald wieder zur Ruhe, und wir wurden nun Zeugen eines ergötzlichen Schauspiels. Wir waren die einzigen Zuschauer; die Scene bildete eine mit Steinen bedeckte und von schäumender Brandung umwogte Küste, den Hintergrund das unermessliche Meer, und die Schauspieler waren wunderbar geformte Thiere zu Tausenden. Ein Theil alter Weibchen lag still, ohne sich zu rühren, indem sie sich durchaus nicht um das bekümmerten, was vor sich ging. Andere krochen mit ihren kurzen Beinen plump zwischen den Steinen an der Küste umher, oder schwammen in den Brandungen, spielten, liebkosten sich und brüllten. An einer anderen Stelle kämpften zwei ältere Thiere mit einander, indem sie einen eigentümlich zischenden Laut ausstiessen, und zwar auf eine Weise, als ob der Angriff und die Vertheidigung mit im Voraus einstudirten Bewegungen ausgeführt würden. Auf einer anderen Stelle fand ein Scheingefecht zwischen einem älteren Thier und einem Jungen Statt, und es sah aus, als ob letzteres Unterricht in der Fechtkunst erhielt. Überall krochen die kleinen, schwarzen Jungen eifrig zwischen den Alten umher, und sie blökten zuweilen gleichsam wie Lämmer dazwischen, welche nach ihrer Mutter rufen. Oft werden die Jungen von den Eltern verwundet, wenn diese, durch irgend etwas aufgeschreckt, sich in's

Meer stürzen. Getödtete Junge findet man nach einem solchen Ereigniss zu Hunderten auf den Steinen.

„Nur" 13 000 Seebären waren in diesem Jahr getödtet worden. Ihre abgehäuteten Körper lagen in der Sonne auf dem Grase an der Küste und verbreiteten weit und breit einen widerlichen Geruch; diess verjagte jedoch nicht die auf der nahe liegenden Landspitze weilenden Kameraden, denn auch bei ihnen fand man einen solchen Geruch in Folge der vielen an der Küste verwundedeten oder verstorbenen Thiere. Zwischen dieser grossen Schaar Seebären thronte auf der Spitze eines hohen Steines ein einzelner Seelöwe, das einzige Exemplar dieser Thierart, das wir während unseres Aufenthaltes sahen.

Für eine Bezahlung von 40 Rubel vermochte ich den Dorfvogt, vier der im Grase liegenden halbverwesten Seebärenkörper für mich skelettiren zu lassen, und später bekam ich von den russischen Beamten und ohne irgend etwas dafür zu bezahlen, sechs ganze Thiere, worunter zwei lebende Junge. Auch diese wurden wir zu tödten genöthigt, da sie keine Nahrung von uns annehmen wollten. Das eine derselben brachten wir, in Spiritus gelegt, nach Schweden, damit es anatomisch untersucht werden kann.

Der von uns gesehene Theil der Bering - Insel wird von einer, auf vulcanischen Bergarten ruhenden Hochebene gebildet, welche jedoch an vielen Stellen von tiefen Kesselthälern unterbrochen ist. Der Grund dieser letzteren wird gewöhnlich von Binnenseen eingenommen, welche durch grössere oder kleinere Wasserläufe mit dem Meere in Verbindung stehen. Die Küsten und die Bergabhänge sind mit einem üppigen Pflanzenwuchs bedeckt, und zwar mit hohen Gräsern und schönen Blumen, unter welchen sich eine in unseren Gärten angebaute Art der Schwertlilie befindet, mehrere Schaumkräuter , zwei grossblumige Arten von Alpenrosen, mannshohe Schirmpflanzen &c.

Die Bering-Insel würde ohne Schwierigkeit grosse Heerden Hornvieh ernähren können, vielleicht ebenso zahlreiche wie die Heerden der Seekühe, welche früher an ihren Küsten grasten. Die Seekuh hatte übrigens ihren Weideplatz mit Verstand gewählt, denn das Meer ist hier nach Dr. Kjellman's Ausspruch eines der algenreichsten der Welt. Der Boden zeigt sich an günstigen Stellen mit Algenwäldern bedeckt, welche eine Höhe von 60—100 Fuss erreichen, und in welchen die „Stämme" so dicht stehen, dass das Schabeisen nur schwierig unten zwischen ihnen eindringen kann. Einzelne der Algen werden von den Eingeborenen als Nahrung benutzt.

Die Landspitze, auf welcher die Seebären vorzugsweise ihren Aufenthalt haben, liegt ein Paar Meilen von der Colonie entfernt. Wir zogen dorthin, jeder auf seinem Schlitten mit zehn Hunden bespannt. Auf dieser Tour

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