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es noch in der vollsten Bedeutung des Wortes; sie zählen in 8600—9000 Kibitken 43 000—45 000 Köpfe. Die Karakalpaken, der zahlreichste hier wohnhafte Volksstamm, befinden sich bereits auf dem Übergange vom Nomadenthum zum sesshaften Leben; man veranschlagt ihre Stärke in den 28 Geschlechtern der beiden Zweige On-Tört-Rru und Kungard mit dem zu keinem dieser Zweige gehörigen Geschlechte der Ssend-Chodsha auf 46000—52000 Köpfe in 9200—10400 Kibitken. Die Usbek-Aral, die früher auch Nomaden waren, sich jetzt aber fast gänzlich angesiedelt haben, sind 5000 Köpfe stark. Im Ganzen giebt diess eine Bevölkerung von 94200—102 300 Individuen. — Die beigegebene, im Kais. Kriegskarten-De"pöt zu St. Petersburg ausgeführte Karte des Chanats Chiwa und des Amu-DarjaDelta's im Maassstabe von 1:550 000, schon seit einigen Jahren bekannt, bezeichnet in anschaulichster Weise Wasser, Weiden, Acker- und Gartenland, Sand- und Thonwüsten, Salz- und WaBsermoore und die mit Röhricht und Gestrüpp bewachsenen Theile. Zu den Textbeilagen gehört eine Aufzählung der Brunnen, eine Tabelle mit den Resultaten der meteorologischen Beobachtungen und das Verzeichniss der Längen von neun während des Marsches der Turkestan'sohen Truppenabtheilung nach Chiwa bestimmten Punkte. Diese Punkte sind:

Nördl. Breite. Östl. L v. Gr. Fort Chala-Ata, 1873 von den Russen erbaut 40°63' 24,7" 63°12' 19,»" Ausfluss des Canals Scheich-Aryk aus dem

Amu 41 17 25,7 61 16 52,6

Stadt Chasarasp 41 18 33,2 61 21 13,s

Lager der rassischen Truppen bei Chiwa,

im Garten des Chans . . . 41 22 43,6 60 23 58,6

Stadt Chiwa, erster innerer Hof des Palais 41 22 42,7 60 22 9,0 Linkes Ufer des Amu an der Fähre der

Stadt Chanki 41 29 18,6 60 49 27,0

Stadt Chanki, am Thore der Stadtmauer . 41 28 19,6 60 47 51,0 Stadt Urgentsch, am Thore auf der Strasse

nach Chanki 41 33 57,6 60 38 43,6

Stand der Aral-Flottille im Ulkun-Darja bei

der Einmündung des Abflusses aus dem

See Kara-kul 43 18 41,8 59 3 51,0

Unter dem Titel: Viaje al interior de Persia (3 Bde, mit KaTte. Madrid 1880) publicirt A. Rivadeneyra, früherer spanischer Viceconsul in Persien, die Eindrücke einer Rundreise, welche er 1874 und 1875 zu seiner Information unternommen hatte. Seine Route führte ihn von Teheran über Hamadan, Kirmansohah, Chorremabad, Schuster nach Mohamera am Euphrat, von wo er sich zu Schiff nach Buschir begab. Von Buschir ging es weiter über Schiras nach Kirman, dann über Jesd nach Schiras zurück, und von hier aus erfolgte über Ispahan die Heimkehr nach Teheran. Konnte der Reisende auf diesen viel begangenen Routen auch gerade nicht viel Neues für die Erdkunde liefern, so gebührt ihm doch das Verdienst, ein in der spanischen Literatur gänzlich unberücksichtigt gebliebenes Land seinen Landsleuten näher gebracht zu haben; die lebendig geschriebenen persönlichen Erlebnisse erhalten Werth durch Schilderungen von Land und Leuten, Mittheilungen über die Vergangenheit des Landes und die gegenwärtigen commerciellen Verhältnisse. Die Karte beschränkt sich auf eine oberflächliche Wiedergabe des Itinerars.

Dr. E. Tietze, welchem wir schon verschiedene Monographien über geologische Verhältnisse Persiens verdanken, ergänzt seine früheren Mittheilungen durch eine neue Ar

beit: Über einige Bildungen der jüngeren Epochen in NordPersien, welche in Heft 1 des Jahrbuches der k. k. geol. Reichsanstalt, 1881, veröffentlicht ist.

Den ersten Theil von H. v. Schlagintweit-SakünlünskCs Abhandlung über die Regenverhältnisse in Indien (s. Seite 228 des vorigen Heftes) ist rasch eine Fortsetzung gefolgt, die Reihe A des zweiten Theiles '). Die Reichhaltigkeit des Materiales in Verbindung mit der Verschiedenheit des klimatischen Charakters veranlasste nämlich, im 2. Theil die Reihen A und B zu unterscheiden. Während letztere Ceylon und den Indischen Archipel behandeln wird, findet man in ersterer die Beobachtungsreihen aus Bhandelkand, Malva, Berar und Orissa, aus Dekhan und Maissur, sowie aus den Nilgiris und den Küstenländern auf beiden Seiten der Halbinsel. Die Zahl der Stationen, für welche die Daten zusammengestellt sind, beträgt 97. Wie zu erwarten, bestätigt sioh der durch den regenreichen Südwest-Monsun bedingte reichlichere Niederschlag in den westlichen Theilen der Halbinsel gegenüber der Ostküste. Längs der Westküste zwischen 13° und 9£° N. Br. beträgt die Regenmenge des Jahres 113 bis 127 engl. Zoll, längs der Ostküste dagegen erreichen die zwischen 11£ und 11° N. Br. liegenden Maxima nur 53 Zoll. Gegen das Innere der Halbinsel nimmt die Regenmenge, besonders von Osten her, sehr rasch ab und übertrifft in vielen Lagen nur wenig die Werthe im mittleren Europa, indem sie gegen 25 bis 30 Zoll beträgt. Die Vermehrung des Niederschlags in solchen Lagen, wo die Bewegung des regenbringenden Windes Widerstand an der Erhebung von Kämmen findet und nun eine etwas nach aufwärts steigende wird, lässt sich auch hier in den Ghats und in den Nilgiris deutlich erkennen, doch bleibt die Menge des Niederschlags viel kleiner als jene von 533 Zoll im Khassia-Gebirge. Als Maxima sind hier zu nennen die Regenmenge von 254 Zoll zu Mahabaleshvar in den westlichen Ghats (4300 engl. Fuss hoch), sowie in den Nilgiris die Station Atare Malle (4500 F. hoch) mit 263 Zoll und jene auf dem Dodabetta-Gipfel (8640 F. hoch) mit 101 Zoll Regenmenge.

Während die Reise von China nach Birma von einer ganzen Anzahl Europäern glücklich ausgeführt worden ist, gelang es bisher Keinem, von Birma nach China einzudringen; wie Capt. Sladen 1868, so scheiterte Oberst Browne 1875 mit seinem Project, des letzteren Begleiter, Margary, büsste den Versuch sogar mit seinem Leben. Als etwas Ausserordentliches ist es daher zu begrüssen, dass die Missionare Soltau und Stevenson von der China Inland Mission, welche im November 1880 von Bhamo in Birma abreisten, am 14. März 1881 glücklich nach Itschang am Yang-tsekiang gelangt sind.

Vom IVpot, des cartes et plans de la marine ist ein bedeutendes Kartenwerk über den östlichen Theil der hinterindischen Halbinsel ausgegeben worden, die „Carte de TlndoChine Orientale" in 4 Bl., 1: 900 000, und einem Übersichtsblatt, 1:1 800 000. J. L. Dutreuil de Rhins, von dessen Reisen und Aufnahmen in Annam und Tongkin das Bulletin der Pariser Geogr. Gesellschaft öfters berichtet hat, verarbeitet in dieser, mit bekannter französischer Eleganz aus

') Abhandlungen der k. bayer. Akademie der Wissensch. II. Classe, XIV. Bd., I. Abth.

gestatteten Karte die ziemlich zahlreichen Reisen, welche das Mekong - Thal, Cambodja, die Laos - Länder, Annam, Tongkin und Cochinchina vielfach durchzogen und unserer Kenntniss erschlossen haben, wenn sie auch grosse und zahlreiche Lücken bestehen Hessen, zugleich mit den Küstenaufnahmen und den sonatigen vorhandenen topographischen Materialien. Die Karte umfasst im Westen noch das Thal des Menam und reicht im Norden bis etwas über die chinesische Grenze hinaus. Der als Broschüre beigegebene Text verbreitet sich hauptsächlich über die Orthographie der Namen.

Korea hat den Japanern nunmehr auch an der Westküste einen Hafen geöffnet, und zwar Ningseng (Jinsen), das nur 9 ri oder 35 km von der Hauptstadt Seul entfernt ist. In Fusan ist die Zahl der japanischen Häuser innerhalb des letzten Jahres von 200 auf 430, die Zahl der ansässigen Japanesen von 1200 auf 2400 gestiegen.

Die Jap. Gazette Mail Summary vom 31. März 1881 enthält einen Bericht über den Besuch der Italienischen Corvette Vettor Pisani", Capt. 8. K. H. Herzog von Genua, in Fusan und Port Lazareff. Zunächst wurde in Fusan der Versuch gemacht, durch Vermittelung des japanischen Consuls daselbst mit den Koreanern in Verbindung zu treten , aber wie früher den Amerikanern unter Commodore Shufeldt, so ging es auch jetzt den Italienern, d. h. sie mussten unverrichteter Sache wieder abziehen. Ohne sich aber durch diesen Misserfolg beirren zu lassen, wurde in Port Lazareff ein zweiter Versuch gemacht, mit den Behörden in Verbindung zu treten, und der beabsichtigte Zweck vollständig erreicht. Der Präfect von Yung-Hing-fu, mit Namen Li Chi Cheng, Hess sich zu einem Besuch an Bord der Corvette bewegen und nahm auch nach einigem Sträuben ein Schriftstück entgegen, um es der Regierung in Seul einzuhändigen. Um sein Gewissen zu beruhigen, bestimmte er aber, dass das Schriftstück nur als Copie, nicht als Original gelten solle. Es enthielt den Dank der italienischen Regierung für die freundliche Aufnahme, die einem schiffbrüchigen Matrosen des im Jahre 1878 in der Nähe von Quelpart untergegangenen italienischen Schiffes „Bianca Pertica" auf dieser Insel zu Theil geworden war, und einen Vorschlag zu einem Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen Korea und Italien. Während des ganzen Aufenthaltes in Port Lazareff standen die fremden Gäste auf dem besten Fusse mit den Koreanern, die es übrigens bei ihren Besuchen an Bord meisterhaft verstanden, kleinere Gegenstände, Geschirr und dergl. in ihre weiten Ärmeltaschen gleiten zu lassen.

Dr. F. A. Junker v. Langegg, früherer Director der medicinischen Schule in Kioto, veröffentlicht in dem ersten Bande seines unter dem Titel Segenbringende Reisähren (Midzuhogusa) erschienenen Werkes ') eine deutsche Bearbeitung des berühmtesten japanischen Nationalromans „Vasallentreue" (Chiu-shin-gura-no-bu), welches nicht allein als eine Probe der wenig bekannten japanischen Literatur unser Interesse in Anspruch nimmt, sondern auch ganz besonders geeignet ist, einen Einblick in die Lebensanschauungen, Denkweise und sittlichen Begriffe des Volkes zu gewähren. Wichtiger für uns sind die folgenden Bände „Schilderungen aus Ja

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pan" (Zatsu-roku-no-pu) und in diesen besonders das ausführliche dritte Capitel des zweiten Bandes, Dai-Nihon, eine geographische Skizze, welche, wenn auch in gedrängter Form, eine alles Wissenswertbe enthaltende Abhandlang über die physikalisch-geogr. Verhältnisse des Inselreiches bietet. Der übrige Theil des Werkes enthält Aufzeichnungen über den Bau der Sprache, Literatur und Dichtkunst, Schreibmaterial, die alte Nationalreligion, Götterlehre und Mythen, die Geschichte der Kaiserdynastie, des Shogunates und ihres Falles, der wichtigsten geschichtlichen Episoden; ferner werden die religiösen Anschauungen, der Buddhismus, die Einführung und spätere Unterdrückung des Christenthums besprochen. Im Anhange zum dritten Bande erhalten wir ausserdem eine Geschichte des japanischen Geldes und eine synchronologische Tabelle der japanischen GeBchichte. In zahlreichen Anmerkungen finden wir werthvolle Nachrichten über japanische Verhältnisse, besonders sprachliche Erläuterungen.

Über die Insel Amami-Oshima des /./«-/-/»-Archipels findet sich eine ausführliche Monographie von Dr. L. Boederlein im 23. Heft der „Mittheilungen der Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens", Yokohama, März 1881. Der Verfasser hielt sich 16 Tage auf der Insel auf und giebt sowohl über die Natur als namentlich über die Bewohner derselben eingehende Nachrichten. Ausser einem speciellen Kärtchen von Amami-Oshima fügt er eine Übersichtskarte der Liu-kiu-Inseln mit ihrer Eintheilung in drei Gruppen und deren japanische Benennungen bei, und im Text eine von ihm ausgeführte neue Arealberechnung sämmtlicher zwischen Kiushiu und Formosa liegenden Inseln. Was die politischen Verhältnisse anlangt, so gehören die Inseln Tanega, Yakuno und Kuchino-Erabu (Nagarobe) südöstlich von Kiushiu zur Landschaft Osumi der letzteren Insel, Take, Yuo, Kuro und Kose im Süden von Kiushiu zur Landschaft Satsuma. Die Reihe der Linschoten-Inseln (Shichi-to), sowie die nördliche Gruppe der Liu-kiu (Kokubu-shoto) mit Amami-Oshima als Hauptinsel kamen vor mehr als 200 Jahren unter die directe Oberhoheit des Fürsten von Satsuma und sind unbestritten japanisch; die mittlere und südliche Gruppe der Liu-kiu (Chubu-shoto und Nambu-shoto) wurden vor einigen Jahren von der japanischen Regierung für japanisches Gebiet erklärt und als Ken Okinawa dem japanischen Reich einverleibt, doch macht China noch seine Rechte darauf geltend. — Eine andere Arbeit des Heftes, die für uns Interesse hat, ist E. Knipping's sorgfältige und kundige Abhandlung über den grossen Taifun vom 19. bis 27. August 1880 mit Karten, Diagrammen &c.

Der 23. Lieferung des Kreitner'schen Werkes ist eine hübsche, verhältnissmässig grosse Karte der Insel Jesso beigegeben, während eine in ähnlicher Weise ausgearbeitete, die auf der Reise durch China gewonnenen topographischen Resultate enthaltend, mit der letzten Lieferung ausgegeben werden Boii. Um '/, kleiner als die Knipping'sche Karte ist Kreitner's Karte von Jesso in der Nomenclatur weniger reich als die letztere, auch verschmäht sie die Wiedergabe der administrativen Eintheilung, wohl um das physische Bild nicht zu stören, sie ist aber in den Küstenumrissen , den Fluasläufen &c. feiner gezeichnet, besonders auch bezüglich des Terrains, das bei der Knipping'scben Karte nur angedeutet und am Wenigsten gelungen ist. Im Ganzen bezeugt sie von Neuem die Zuverlässigkeit der letzteren, wenn auch da, wo Oberlieut. Kreitner selbst beobachten konnte, Veränderungen und Zusätze sich bemerkbar machen. Kreitner's Reise auf Jesso hielt sich innerhalb des südwestlichen Viertels der Insel, indem er von Hakodate nach Mori ging, nach Mororan übersetzte, längs der Küste über Schiraoj, Tumakunaj und Jubutz nach Mukawa gelangte, das Thal des hier mündenden Flusses aufwärts die Aino-Districte Nivan &c. bis Bigdonaj besuchte und durch Dick und Dünn den Fuss des Jubaridake erreichte. Nach Jubutz zurückgekehrt, wendete er sich über Kjeru nach Saporo und zum Iskari-Fluss, dann längs der Westküste nach Otarunaj und Yoitschi, ging von da über den B-na-o-Pass nach Iwanaj, Isoja und Otaschitzu, ferner Über Land nach Oschamambel an der Vulcan-Bai, an dieser entlang bis Mori und endlich wieder nach Hakodate.

Afrika.

Über die Societä (Tesploraxione commerciale in Africa, deren Unternehmungen in Cyrenaica jüngst von Seite französischer Blätter ein politisches Motiv untergelegt und deshalb eine allgemeinere Aufmerksamkeit zugewendet wurde, erhalten wir von ihrem Vizepräsidenten M. Camperio, welcher die eigentliche Seele der Gesellschaft ist, die folgenden authentischen, gewiss Vielen willkommenen Nachrichten:

„Die Societa d'esplorazione commerciale in Africa entstand vor drei Jahren unter dem Ehrenpräsidium des berühmten italienischen Geographen, Commendatore Prof. Chr. Negri. Einen affectiven Präsidenten besitzt sie nicht, statt dessen zwei Vicepräsidenten, Herrn C. Rossi für die Leitung des commerciellen, Capt. M. Camperio für die des geographischen Theiles. Die von dem letzteren herausgegebene Zeitschrift L'Esploratore ist seit Anfang dieses Jahres das officielle Organ der Gesellschaft. Die Präsidenten, Mitglieder des Comite's und Sendlinge erhalten kein Gehalt für ihre Tbätigkeit.

„Die Gesellschaft eröffnete ihre Unternehmungen durch. Entsendung einer Expedition in die Galla- Länder unter Leitung von Dr. Matteucci; die übrigen Theilnehmer waren Tagliabue und Legnani, welche nach Ablauf ihres zweijährigen Contractes auf eigene Kosten Handelshäuser in Massaua, Metemma und Chartum gegründet haben, sowie Dr. G. Bianchi. Nach Beendigung dieser Expedition errichtete die Gesellschaft einige Versuchsstationen an der Küste des Rothen Meeres, in Abessinien und im östlichen Sudan. Bianchi allein setzte seine Thätigkeit fort und ist vor Kurzem nach dreijähriger Erforschung der commerciellen Verhältnisse der Galla-Märkte, Damot und Godscham nach Mailand zurückgekehrt, wo ihm von der Gesellschaft sowohl für seine eigenen Verdienste um die Befreiung des Capt. Cecchi, des Sendlings der Italienischen Geogr. Gesellschaft, aus der Gefangenschaft in Ghera, für die Erfolge seiner Reise in commercieller Beziehung, für die grosse Sparsamkeit, durch welche er seine langjährigen Forschungen ermöglichte, als auch zur Ermuthigung für andere Sendlinge eine goldene Medaille verliehen wurde.

„Im zweiten Jahre wurden Fraccaroli und Capt. Casati nach dem westlichen Theile des oberen Nil-Thales entsendet. Der Erstere starb, nachdem er eine Rundreise durch

Kordofan und Darfor unternommen, in Chartum; Capt. Casati befindet sich jetzt im Gebiete der Niamniam und beabsichtigt, wenn möglich, zum Mittellaufe des Congo vorzudringen.

„Im letzten Winter hat man endlich eine neue Versuchsstation in Bengasi errichtet, und zwei Expeditionen in das Innere von Barka gesandt, von welchen eine von Capt. Camperio, die andere von Comm. Haimann geleitet wurde. Erstere wurde von Dr. Mamoli, letztere von E. Pastore begleitet. Camperio hatte die Aufgabe zu lösen, ob und wo Stationen für Handel und Ackerbau anzulegen seien, während Mamoli sich mit Anlegen wissenschaftlicher Sammlungen beschäftigte. Ende Mai hat der Letztere sich abermals nach Derna begeben, um dort eine neue Station zu errichten.

„Alle Sendlinge der Gesellschaft werden aus dem Handelsstande entnommen, müssen aber eine gute geographische Vorbildung haben und in Topographie und Naturwissenschaften bewandert sein. Für den Gebrauch wissenschaftlicher Instrumente werden sie im Observatorium zu Mailand von Prof. Schiaparelli vorbereitet. Alle Stationen besitzen ein meteorologisches Observatorium, welches vom Mailänder abhängt; die Instrumente werden vor und nach den Reisen mit denjenigen der Stationen verglichen, und unterwegs werden die Beobachtungen in denselben Stunden wie an der Küste angestellt.

„Die Mitglieder verpflichten sich, drei Jahre je 20 Lire Beitrag zu zahlen; einige haben sich auch zu grösseren Zahlungen verbindlich gemacht. Für die Zweoke der Gesellschaft werden sonst noch verwendet die Einkünfte aus den Handelsproducten der Stationen, die Beiträge der Handelskammer und der Mailänder Sparcasse, sowie die Subventionendes Ackerbau- und Handels-, und des UnterrichtsMinisteriums.

„Die praktischen Resultate, welche die Gesellschaft bisher erzielte, bestehen in der Gründung einer selbständigen Handelsgesellschaft (Societa di commercio coli' Africa), der Societa Lattuada für den Handel mit dem Sudan und mehrerer kleiner Handelshäuser in Suakin, Massaua, Hodeida, Chartum, Metemma und Zanzibar. Die Societa Lattuada hatte in diesem Jahre 600 Kameele unterwegs nach dem Rothen Meere, die Societa di commercio coli' Africa 500".

Der so lange am Niger festgehaltene Capitän Gattieni hat mit seinen Leidensgefährten am 21. März Nango am Niger verlassen und ist über Kita (5. April) nach Bakel (23. April) und seitdem über Saint-Louis nach Frankreich zurückgekehrt. Kurz vor seiner Abreise von Nango hat er mit dem König Hamadu von Segu einen Vertrag abgeschlossen, wonach der Niger von den Quellen bis Timbuktu unter das Protectorat Frankreichs gestellt und den Franzosen das ausschliessliche Recht eingeräumt wird, sich im Reiche Segu niederzulassen und Handel zu treiben, wogegen dem König eine Jahresrente von 25 000 frcs zugesichert wird. Nicht genug damit, will Gallieni unterwegs auch von allen Häuptlingen im Mandingo-Gebiet die Erklärung ihrer Unterwerfung unter das französische Protectorat erwirkt haben.

Die Reise des vormaligen Gouverneurs der englischen Colonie Gambia, Gouldsbury, von Gambia über Fkita Djalon nach Sierra-Leone ist rasch und glücklich verlaufen. Nach einer Mittheilung des M. Yerminck au die geographische Gesellschaft in Marseille war Gouldsbury am 22. Januar d. J. von Bathurst abgereist, begleitet von Marinearzt Browning, Ingenieur - Officier Dumbleton und ca hundert Polizisten und Trägern. Er fuhr den Gambia hinauf bis zu den Fällen von Barakunda und wendete sich dann, dem linken Nebenfluss Diama folgend, nach Futa Djalon. Am 23. März kam er in Timbo an, fand aber die Stadt so zu sagen verlassen, denn der Almamy Ibrahima hatte sich mit dem grösseren Theil der Stadtbewohner nach dem 60 km entfernten Ningisory zurückgezogen und bereitete sich dort auf einen Krieg vor. Gouldsbury begab sich daher nach Ningisory und schloss dort mit dem König den Handelsvertrag, um dessen willen er die Reise unternommen hatte. Wie M. Verminck bemerkt, soll Ibrahima beim Absohluss des Vertrags dem englischen Gouverneur nicht verhehlt haben, dass er und sein Volk grosse Freunde der Franzosen seien und hauptsächlich mit diesen Handelsgeschäfte trieben; er habe im letzten Jahre den Besuch eines französischen Reisenden (Aime Olivier) empfangen und rechne darauf, im Laufe dieses Jahres einen Gesandten der französischen Regierung (Dr. Bayol, der am 5. Mai von Dakar nach Futa Djalon abgereist ist) bei sich zu sehen. Von Ningisory beabsichtigte Gouldsbury nach Falaba zu gehen, da sich aber ein Theil seiner Escorte weigerte, ihm durch das Gebiet der Hubu zu folgen, so musste er seinen Weg direct durch die Thäler der Scarcies-Flüsse und über Port Lokko nach Freetown nehmen, wo er am 21. April anlangte.

Unter den neuesten Karten des Hydrographie Office in Washington befindet sich eine specielle Aufnahme des unteren St. Pauh River in Liberia von der Mündung in die Monrovia-Bay aufwärts biß 6° 36' N. Br.'). Die Aufnahme wurde im März 1879 auf Befehl deB Commodore Shufeldt von den Officieren F. J. Drahe und C. E. Yreeland des Schiffes „Ticonderoga" ausgeführt und erstreckte sich über den bei Millsburg (6° 31,' N. Br.) endenden schiffbaren Theil des Flusses hinauf bis zu den Stromschnellen von Nyumbahwah.

Briefe und Berichte von Cecchi und Chiarini vom April 1879 mit den ersten ausführlichen Nachrichten über ihre Reise von Schoa nach Kaffa findet man nebst einigen Briefen von L. des Avanchers und 0. Antinori im „Bollettino della Societä geografica italiana", Mai 1881.

Capt. Cambier's astronomisch Positionsbestimmung der belgischen Station Karema am Tanganjika ist nach E. Adan im „Bulletin de la Sociäte beige de geographie", 1881, No. 2, p. 226: 6° 49' 20" 8. Br. und 28° 11' 33,30" östl. L. von Paris.

Die vom Erzbischof Lavigerie von Algier nach OstAfrika ausgeschickte dritte Karawane katholischer Missionare hat im Februar 1881 zu Mdaburu, halbwegs zwischen Bagamoyo und dem Tanganjika, unter 6° 30' S. Br. und 32° 24' östl. L. von Paris gelegen, eine Station eingerichtet. Ihre zu Rumonge in Urundi stationirten Collegen gehen mit dem Plane um, eine Mission beim Muata Yamvo zu gründen 2).

') West Coast of Africa. Liberia. St. Pauls River. Washington, Hydrogr. Office 1881. No. 884. Preis 12 cents. -) Les Missions catholiques, 20. Mai 1881.

Am 13. Februar hat Mr. Bloyet im Auftrag des französischen Comite's der internationalen Association eine Station „Condoa" auf der Linie zwischen Zanzibar und Tanganjika gegründet. Andererseits bat sich die Stationenreihe durch das äquatoriale Afrika dadurch vervollständigt, dass Stanley am rechten Ufer des Congo, etwa 30 miles oberhalb Vivi, eine Station Isangila bei den gleichnamigen Katarakten angelegt hat.

Zwei Missionaren, Crudgington und Bentley, gelang es, am nördlichen Ufer des Congo entlang den Stanley Pool zu erreichen nach dreiwöchentlicher mühsamer Fusstour. Sie besuchten de Brazza's Station, besichtigten beide Ufer des Stromes und kamen zu Anfang des März nach Vivi, Stanley's Station bei den Yellala-Fällen, zurück.

Australien und Inseln des Grossen Oceans.

Baron Ferd. v. Mueller in Melbourne schrieb uns am 12. April: Skuthorpe's Aussagen über seine angebliche Auffindung von Reliquien der Leichhardt'schen Expedition scheinen sich als ganz unbewährt zu erweisen. Ich werde mich nun an die Ministerien der vier Hauptcolonien Australiens wenden, um die Mittel für eine neue Nachforschung nach Leichhardt zu erlangen, und hat der Premier der Colonie Victoria bereits seine Bereitwilligkeit zur Gewährung des entsprechenden Geldbeitrags erklärt. Mr. Ernest Gilet hat sich erboten, die Führung der neuen Expedition zu übernehmen und die Gegend, wo nach Hume und Skuthorpe Spuren Leichhardt's gefunden wurden, einschliesslich des Landes nördlich vom Eyre- und Amadeus-See, zu beiden Seiten der transcontinentalen Telegraphenlinie, zu durchsuchen. Sollte er auch in Bezug auf Leichhardt's Schicksal keine Aufklärungen bringen, würde das Unternehmen doch einen willkommenen Beitrag zur geographischen Kenntniss Australiens liefern.

„At home in Fiji" benennt sich nicht mit Unrecht ein bei W. Blackwood in Edinburgh herausgekommenes, zweibändiges , elegantes, mit feinen Illustrationen geschmücktes • Buch, dessen Verfasserin, C. F. Gordon Oumming die Familie des ersten Gouverneurs der Fiji-Inseln, Sir Arthur Gordon, nach jener Inselgruppe begleitete und dort von 1875 bis 1877 jede Gelegenheit benutzte, sich mit den verschiedenen Inseln und ihren Bewohnern bekannt zu machen. Wie wenig das Buch Anspruch macht, ein gelehrtes zu sein, ersieht man schon aus dem Geständniss der Verfasserin, dass sie in der Zeit, als sie sich zu der Reise entschloss, nur sehr unbestimmte Begriffe von der Lage des Fiji-Archipels gehabt habe und dass ihres Wissens nur zwei Leute vorher dort gewesen wären, Mr. H. Leefe und sein Onkel. Also von der ganzen Literatur über die Inseln ist ihr Nichts bekannt, um so unbefangener und ursprünglicher sind die in Briefform gekleideten Aufzeichnungen. Kein anderes Buch dürfte sich in gleichem Grade dazu eignen, auf so angenehme Weise in die Kenntniss der Natur und der Zustände jener entlegenen kleinen Welt einzuführen.

Amerika. Das Seite 38 erwähnte Memorandum von Dr. G. M. Dawson über die Queen-Charlotte-Inseln war nur ein kurzer Auszug aus einer grossen Arbeit über diesen Archipel, welche der Verfasser kurze Zeit darauf in Alfr. R. C. Selwyn's „Report of progress of the geological survey of Canada for 1878—79" (Montreal 1880) veröffentlicht hat. Sie beschrankt sich keineswegs auf die Geologie der Inselgruppe, sondern berücksichtigt unter Beigabe von Übersicht;;- und Specialkarten, sowie von zahlreichen Abbildungen, auch die Topographie, die Fauna und besonders die einheimische Bevölkerung. In der That werden die Haida - Indianer in einem umfangreichen Anbang ausführlich geschildert und ein Vocabular ihrer Sprache, sowie die sehr interessanten Abbildungen werden den Ethnologen willkommen sein. Eine andere nicht weniger werthvolle Arbeit in diesem Bande ist Dr. Robert BelTs „Report on explorations on the Churchill and Nelson Rivers and around God's and Island Lakes 1879", eine Fortsetzung der wichtigen Bell'sohen Forschungen über die Uferländer der Hudson-Bai. Die beigegebene grosse Karte der zwischen Winnipeg-See und Hudson-Bai gelegenen God's- und Island-Seen &c. ist namentlich ein bedeutender topographischer Beitrag.

Major Pardons „La Guadeloupe depuis sa decouverte juaqu'ii nos jours" (Paris, Challamel, 1881) ist eine Geschichte der Doppelinsel und ihrer Dependenzen, die besonders für die neuere Zeit sehr ausführlich behandelt wird. Das geographisch-statistische Capitel am Anfang des Buches sowie die beiden Kärtchen sind nebensächlich und unbedeutend.

In den ersten Nummern der neuen Serie des Boletin del [nstituto Geografico Argentino, welches fortan alle 14 Tage erscheint, giebt Oberstlieut. Fr. Host eine Schilderung über seine Forschungen an den Ostabhängen der Cordillere, welche er 1878—80 im Anschlüsse an den Feldzug des rechten Flügels der argentinischen Armee in dem Kriege gegen die Indianer bis zum Zusammenflüsse des Limay und Neuquen ausgeführt hat. Für die Publication seiner Aufnahmen, welche, wie wir dem Berichte entnehmen, bedeutende Änderungen auf der in Tai. 5 veröffentlichten Karte hervorbringen werden, hat das Kriegsministerium eine Subvention von 200 Pesos bewilligt.

Polar - Regionen. Die Erscheinungen des Polarlichtes bleiben uns noch immer ein unerklärliches Phänomen, obwohl Laien und Fachleute es an Versuchen nicht haben fehlen lassen, die Ursachen dieses, so weit Menschengedenken überhaupt reicht, stets mit Staunen, aber auch mit Furcht und Schrecken beobachteten Naturräthsels zu erklären. Die Literatur über diesen Gegenstand ist in Folge dessen zu einem bedeutenden Umfange angeschwollen, jedoch sehr zerstreut und t heil weise schwer zugänglich, so dass Prof. II. Fritz in Zürich, welcher sich bereits durch seine langjährigen Studien und früheren Arbeiten als Autorität auf diesem Gebiete documentirt hatte, den Dank der Geographen, Physiker, Meteorologen &c. verdient für seine neueste Publication: Das Polarlicht'), in welcher er das Wichtigste aus der Literatur zusammengestellt hat. Auf die Beschreibung der so mannigfaltigen Erscheinung geht der Verfasser nicht näher ein, sondern er beschränkt sich darauf, die Hypothe

') Leipzig, Internationale wissenschaftliche Bibliothek Ton F. A. Brockhaus. Bd. 49. 8°, 348 SS., mit Karte. M. 6.

sen und Erfahrungen über ihr gesetzmässiges Auftreten, ihren Verlauf, die periodische Wiederkehr und Beziehungen zu anderen Erscheinungen zusammenzufassen. Das Werk ist leicht verständlich geschrieben und daher auch dem Laien eine willkommene Gabe. Die beigegebene Karte der geogr. Verbreitung des Nordlichtes weicht in den Isochasmen (Linien gleicher Häufigkeit der Sichtbarkeit) nur wenig von den Resultaten ab, welche der Verfasser bereits 1874, Tafel 18 der Mittheilungen, veröffentlichte.

Zum vierten und wahrscheinlich letzten Mal ist der niederländische Schuner „Willem Barents" am 17. Mai in See gegangen, um wiederum oceanographische Untersuchungen in der Barents-See vorzunehmen; im nächsten Jahre gedenkt das Comitu einen Dampfer auszusenden. Über die ungünstig verlaufene dritte Expedition von 1880, auf welcher das Schiff, wie wir bereits 1880, S. 425, mittheilten, an der NW-Küste von Nowaja Semlja bei der Kreuzinsel auflief und durch die erlittenen Beschädigungen zur baldigen Rückkehr gezwungen wurde, liegt jetzt der officielle Bericht1) vor, welchem Mittheilungen über die zoologischen Sammlungen und magnetischen Beobachtungen folgen; auf der beigegebenen Karte sind Tiefen- und Temperaturmessungen gleichzeitig mit denen der früheren Expeditionen mitgetheilt, und in einem Carton sind einige Veränderungen für die NW-Küste von Nowaja Semlja zwischen der Kreuzinsel und dem Eiscap zur Darstellung gebracht. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die Gegend des Kleinen und Grossen Eiscap. Letzteres lag nach den norwegischen Aufnahmen von 1871 (s. Peterm. Mittheil. 1872, Tafel 20) in 77° N. Br. und 67° 7' östl. L., naoh den Weyprecht'schen Peilungen von 1872 (s. daselbst 1875, Tafel 20) in 76° 56' 40" N. Br. und 67° 35' Östl. L. und nun nach der holländischen Expedition des „Willem Barents" von 1880 in 77° 6' 5" N. Br. und 66° 50' östl. L.

Oceane.

G. Herrle in Washington hat seiner, 1879, S. 316, erwähnten Karte des Indischen Oceans in gnomonischer Projektion eine ähnliche Karte vom mittleren Theil des nordatlantischen Meeres folgen lassen: „North Atlantic Ocean fmiddle partj. Gnomonic chart for use in great circle and windward sailing. With simple methods for measuring courses and distances. Washington 1881". Auch dieser Karte ist eine Erläuterung und Gebrauchsanweisung beigegeben.

Von Herrn Dr. 0. Krümmel in Göttingen erhielten wir unter der Überschrift: „Neue Areale für die Meeresräume" folgende gedruokte Zusendung:

Die in nachfolgender Tabelle abgedruckten Ziffern sollen die fehlerhaften Arealangaben ersetzen, welche in meinem vor zwei Jahren publicirten „Versuch einer vergleichenden Morphologie der Meeresräume" gegeben wurden. Es sind planimetrische Berechnungen, ausgeführt auf britischen Admiralitätskarten, mit Zugrundelegung der Wagner'schen Zonentabellen durchweg nach Eingradfeldern neu ermittelt. Nur die Areale der kleineren Mittelmeere und zweier Randmeere sind aus der älteren Arbeit unverändert übernommen,

') Verslagen omtrent den derden tocht Tan de Willem Barents naar de ijszee in den zomer Tan 1880. Haarlem 1881. (Nicht im Bachhandel.)

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