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dass der Emir, welcher sich von dem Einflüsse der Wahabiten so vollständig emancipirt hat, auch fernerhin in seiner Toleranz verharren und Europäern eine eben solch' freundliche Aufnahme zu Theil werden lassen möge. Dann wird es sich auch wohl ermöglichen lassen, von Ha'il aus wissenschaftliche Forschungen weiter in's Innere von Arabien zu tragen und den Umfang der terra incognita immer mehr zu beschränken.

2. B. P. Burton's Erforschung des MidianiterLandes, 1877 und 1878 ')•

Wie in der Epoche der Entdeckungsreisen des Mittelalters, so verdankt auch in der neuesten Zeit die geographische Forschung nicht zum geringsten Theile ihre bedeutenden Fortschritte der Sucht der Menschen und Staaten nach Schätzen und Reichthümern. Diese menschliche Schwäche war auch der Beweggrund zur Erforschung des nordwestlichen Theiles von Arabien, welcher, wenn auch nicht völlig unbekannt, da er bereits von Riippell, Wellsted und endlich auch von Wallin flüchtig durchwandert war, doch trotz seiner Lage an einem viel befahrenen Meeresarme und der Nähe des Suez-Canals uns in vielen Beziehungen terra incognita geblieben war. Die beständige Finanznoth Ägyptens, die fortwährend leeren Taschen des seitdem entthronten Khedive Ismail Hessen seine Rathgeber jede irgendwo sich eröffnende Aussicht, neue Einnahmequellen zu eraehliessen, mit beiden Händen ergreifen und wurden so mittelbare Veranlassung zur Eroberung Darfors, zur Rohlfs'schen Expedition in die Libysche Wüste, wie auch zur Durchforschung des alten Midians durch Rieh. F. Burton, den berühmten englischen Forscher und Entdecker des Tanganjika.

Der Hauptzweck seiner wiederholten Mission, der ersten Recognoscirung 1877 und seiner ausgedehnten Forschungen 1877-—78, war die Wiederauffindung alter Minendistricte, aus deren erneuter Ausbeutung sich der Khedive eine Überschwemmung seines Reichsschatzes versprach. Nicht allein in der Bibel spielt das Midianiter-Land eine bedeutende Rolle als Fundgrube edler Metalle und Edelsteine, nicht allein die Jahrtausende alten ägyptischen Papyrusrollen schildern die Reichthümer dieses Districtes, sondern auch den mittelalterlichen arabischen Geographen waren dieselben bekannt, und noch vor nioht sehr langer Zeit wurden hin und wieder Türkise, sowie Proben edler Metalle von Beduinen in Suez und Cairo zum Verkaufe ge

') R. F. Burton: The Gold Mines ofMidian. 8°, 412 pp. London,

Kegan Paul & Co. 1878. 18 sh. Tho Land of Midian, revisited.

2 Vol. 8°, 670 pp. Mit Karte. Ebend. 1879. 32 Bh. ltineraries

of the Second Khedivial Expedition; metnoir explaining the new map of Midian made by the Egyptian Staff-officers. (Journ. of the I! Oeogr. Soc, XLIX, p. 1—151. Mit Karte.)

bracht. Wenn nun auch die Expedition hauptsächlich eine mineralogische Untersuchung des Gebietes im Auge haben sollte, so wurden doch die übrigen Disciplinen nicht ausser Acht gelassen, vielmehr wurden, namentlich bei der zweiten Reise, in freigebigster Weise Mittel und Mannschaften zur Verfügung gestellt, um topographische Aufnahmen, astronomische Bestimmungen, meteorologische Beobachtungen vornehmen, zoologische und botanische, besonders aber mineralogische Sammlungen anlegen zu können.

Capt. Burton's erste Expedition war nur von kurzer Dauer, da ihre Aufgabe darin bestand, die Existenz alter Minen und Fundgruben nachzuweisen, sowie Gesteinsproben aus denselben zu sammeln, welche vielleicht eine eingehende Erforschung des Küstenstriches erwünscht erscheinen lassen konnten. Am 2. April 1877 landete Burton in Moilah (ElMuwailah) und konnte schon am folgenden Tage mit 10 Soldaten und 50 Kameelen nach N zum Wadi Aynuneh aufbrechen; die flüchtige Untersuchung seiner Umgebung wurde bis zum 13. April vollendet. Der Versuch, die Türkisengruben in der Gegend von Ziba in Augenschein zu nehmen , missglückte an dem Widerstände der feindseligen Maaseh - Beduinen. Endlich wurden noch einige Tage auf die Untersuchung der zahlreichen Spuren bergmännischer Thätigkeit verwendet, welche in der Umgebung von Makna, einstmaligem Hafenorte des Midianiter-Landes am Golfe von Akaba, vorhanden waren; schon am 21. April befanden sich die Forscher wieder in Suez. Trotz der kaum 3wöchentlichen Dauer der Excursion waren an sechs verschiedenen Punkten alte, bergmännisch betriebene Minen aufgefunden worden, in denen man einst Gold, Silber, Bleiglanz, Zink, Antimon und Schwefel zu Tage gefördert hatte und welche sich als noch abbaufähig erwiesen. Burton gewann ausserdem die Überzeugung, dass die erzreichen Schichten sich nach N bis Akaba, wahrscheinlich aber auch noch weit nach Syrien hinein, nach S bis zum Djebel Hassani und nach 0 über das ganze Hochplateau, die sogenannte Hisma, ausdehnen würden.

Die durch diese flüchtige Recognoscirung erweckte Aussicht, dass eine Wiederaufnahme des Betriebes in diesem alten Minendistricte günstige Resultate liefern würde, veranlasste den Khedive Ismail, eine in grossartigem Maassstabe organisirte Expedition unter Führung des bewährten Capt. Burton auszusenden, die eine sorgfältigere Durchforschung des von Ägypten beanspruchten Gebietes vornehmen sollte. Der äussere Verlauf derselben ist in dieser Zeitschrift 1878, S. 274, bereits geschildert worden, und es mag daher hier genügen , auf die hauptsächlichsten Resultate in geographischer Beziehung hinzuweisen. Trotzdem das Personal an Officieren, Ingenieuren und Mannschaften ein sehr zahlreiches war, hatte man es versäumt, einen Geologen als Fachmann der Expedition beizugesellen; die mineralogische Sammlung wurde in Folge dessen Ton unkundiger Hand angelegt und lieferte keinen klaren Beweis, dass die hochgespannten Hoffnungen sich realisiren lassen würden. Aus diesem Grunde ist denn auch bisher kein weiterer Versuch gemacht worden, die gewonnenen Resultate praktisch auszunutzen, zumal auch eine Bezwingung der räuberischen Maaseh-Beduinen erforderlich sein würde.

Schon im Alterthume war der Name Midian nicht feststehend mit einer Landschaft verbunden, sondern schwankte sehr bedeutend je nach der Ausdehnung der Herrschaft; die jetzigen Bewohner bezeichnen mit Ars Madian den District von El Akaba bis Moilah und Wadi Surr, während sie für die Landschaft von hier bis zum Wadi Hamz, der Südgrenze der ägyptischen Herrschaft und der Nordgrenze der Landschaft El - Hedjas, keinen einheitlichen Namen haben. Burton selbst benennt den ganzen Antheil Ägyptens an Arabien Midian, was seiner Ansicht nach sich nicht allein aus politischen, sondern auch aus ethnologischen Gründen rechtfertigen liisst, da die jetzigen Bewohner, Nachfolger der alten Nahathäer, Einem Stamme angehören. Nach dieser Annahme würde Midian von N nach S eine Ausdehnung von mehr als 200 miles haben; in der Richtung von W nach 0 ist die Ausdehnung nur sehr gering; die ägyptische Herrschaft erstreckt sich nominell nur über die Küstenebene, El-Tihama, bis an die Rammhöhe des Gebirges, im nördlichen Theile 24—35 miles, im südlichen 60—70 miles weit. In Wirklichkeit ist der ägyptische Einfluss nur auf die unmittelbare Nachbarschaft der Küste und der von Ägypten über Suez und Akaba nach Mekka führenden Pilgerstrasse, El-Hadj, welche durch einzelne Forts beschützt wird, beschränkt; namentlich die Maaseh-Beduinen erkennen die Oberhoheit Ägyptens in keiner Weise an.

Während der vom 19. December bis zum 13. Februar dauernden Excursion nach N, auf welcher besonders die Umgebungen der Wadis Aynuneh, Afal mit der einstmaligen Hauptstadt Madiama, dem jetzigen Maghair Shüayb und Wadi Makna mit dem gleichnamigen Hafenorte, einer sorgfältigen Durchforschung unterzogen wurden, konnten an acht verschiedenen Stellen Spuren früherer Metallausbeutung und bergmännischer Thätigkeit nachgewiesen werden; besonders wurde dieser Theil als reich an Silber- und Kupfererzen gefunden. Auf der Fahrt durch den Golf von Akaba, wie auch längs der Küste des Rothen Meeres konnte man die engliechen Seekarten in vielen Punkten berichtigen. Der zweite vom 19. Februar bis 8. März währende Ausflug im centralen Theile von Midian sollte leider nicht den erwarteten Erfolg haben, denn die Maaseh verwehrten das Eindringen in die Hochebene, El-Hisma, und über diese

hinaus in die vulcanische Zone der Harrah. Auf dem Rückwege wurde im Wadi El-Azlam eine sehr bedeutende Ruinenstätte entdeckt und endlich der höchste Gipfel Midians, der Djebel Scharr, bis zu einer beträchtlichen Höhe erstiegen wo steile Abhänge einen weiteren Aufstieg verhinderten. Die letzten Tage vom 21. März bis 13. April wurden auf die Erforschung von Süd-Midian verwendet; gerade dieser Theil bot die interessantesten Entdeckungen, so dass Burton bedauerte, nicht hier seine Entdeckungsreise begonnen zu haben und längere Zeit diesem Gebiete widmen zu können. Nicht allein mehrten sich hier die Beweise für den Metallreichthum des Landes, sondern auch Fauna und Flora lieferten eine ungeahnte Ausbeute. Während der nördliche Theil in alten Zeiten namentlich auf Kupfer und Schwefel, wie auch auf Silber ausgebeutet worden war und wichtige Gypslager aufwies, hatte im Süden ein kunstvoller Abbau von Gold- und Silbererzen Statt gefunden.

Das Küstengebirge besteht hauptsächlich aus Porphyr und Granit, welcher von starken, die edlen Metalle einschliessenden Quarzadern durchzogen ist; an einzelnen Punkten weisen Trachyte und Basalte auf frühere vulcanische Thätigkeit hin. An das Küstengebirge, Djebel • el - Schafah, schliesst sich im O die 1 bis 2 Tagereisen breite Hochebene der öden, vegetationslosen Hisma an, welche ausschliesslich aus rothem Sandstein besteht. Eine dritte Zone wird gebildet von den vulcanischen Gesteinsmassen der Harrah, welche östlich von Damascus im N beginnt und sich weit in die südlichen Theile Arabiens erstreckt, an einzelnen Punkten sich tief in's Innere ausbreitend.

Besonders charakteristisch für Midian sind die zahllosen Wadis, welche das Tiefland, El-Tihama, und die Vorberge in allen Richtungen durchziehen; einige derselben haben ihren Ursprung in der Harrah und durchbrechen dann, nachdem sie die Hisma durchzogen haben, in tiefen Spalten die Hauptkette des Djebel - el - Schafah. Am ausgedehntesten ist das System des Wadi Hamz, welches die Südgrenze des ägyptischen Gebietes bildet; nach den Erkundigungen, welche Burton über dasselbe einzog, soll es 15 Tagereisen weit in's Innere führen und noch östlich von Medina entstehen. Wallin bezeichnet dasselbe irrthümlich als Wadi Nedsched. Durchzogen und in seiner ganzen Ausdehnung aufgenommen wurde es bisher noch nicht; auch die Pilgerkarawane des Vicekönigs Said-Pascha, welcher 1860 von El-Wedsch (el-Wrjh), dem einzigen mit Ausnahme der Forts beständig bewohnten Ort« von Midian, eine Wallfahrt nach Medina antrat, überschritt dieses Wadi und erreichte sein Ziel auf einer lange unbekannt gebliebenen Route '). Nahe der Mündung der Wadi Hamz fand Burton

') Erst 1877 erschien die Karte dieser Pilgerreise in einem ägyptischen Militär - Kalender und im Mai 1880 ein dazu gehöriger Bericht die berühmten Ruinen eines römischen aus Alabaster erbauten Tempels.

Für den Ethnographen von Interesse sind die längeren Excurse, welche Burton über die jetzigen Bewohner des Landes seinem Werke einverleibt hat. Ausser den MaasehBeduinen, welche hauptsächlich bereite auf türkischem Gebiete hausen, mit Vorliebe aber in ägyptisches Territorium einbrechen und die Pilgerstrasse unsicher machen, ist der nördliche Theil der Aufenthalt der Stämme der Howeitat, der Maknawi und der Beni Ukbah, welche wahrscheinlich aus Ägypten stammen, obwohl sie sich selbst zu den edelsten arabischen Stämmen rechnen. Unzweifelhaft steht diese Abstammung fest von den Balijj oder Beli, den Bewohnern Süd-Midians bis zum Wadi Harn/., welche, wie ihre Vorfahren , wenn auch in viel geringerem Maasse, eine bergmännische Thätigkeit betreiben. Zwischen diesen Stämmen zerstreut wohnen die verachteten Huteim, welche eine ähnliche Stellung wie die Zigeuner in Ägypten einnehmen; es ist eine Pariatribus von unbekannter Herkunft, mit welchem die Beduinen keine Zwischenheirathen schliessen. Die Zahl der Bewohner auch nur annähernd festzustellen, stiess auf unüberwindliche Schwierigkeit, indem die Beduinen, um sich einen Schein von Macht zu geben, ihre Stärke stets um das Zehn- und Zwanzigfache übertrieben.

3. Ch. McDoughty's Reise in West- und CentralArabien, 1876—78'). Wenn wir oben erwähnten, dass seit Guarmani's Besuche von Hai'l bis 1879 kein weiterer Versuch gemacht worden war, Central - Arabien zu erforschen, so hat diese Behauptung nur insofern Berechtigung, als bis zur Veröffentlichung von Blunt's erstem Berichte fast Nichts von den ausgedehnten Reisen Ch. McDoughty's bekannt geworden war. Seitdem hat der Reisende selbst einen kurzen Bericht über seinen fast 2jährigen Aufenthalt unter den Beduinen erstattet, aber gerade seine Kürze lässt uns um so mehr bedauern, dass wir einer ausführlichen Darstellung der Resultate, welche der kühne Forscher heimgebracht hat, noch entbehren. Die Reise wurde ursprünglich nur zu dem Zwecke unternommen, um die in Felsen eingehauenen Wohnungen von Madjin Salih zu besuchen, erreichte jedoch eine unerwartet lange Ausdehnung, da günstige Umstände es gestatteten, auch tiefer in's Innere vorzudringen und Routen zurückzulegen, die bisher kein Europäer betreten hatte.

Ton Mohamed Sadik-Bey: „MSdine il y a yingt ans", im Bulletin de la Societo Khudiviale de geographie No. 8.

') A. Sprenger: Doughty's Forschungen im nördlichen Arabien.

(Globus 1880, XXXVII, Nr. 13.) Ch. M. Doughty: Reisen in

Arabien. (Globus, 1881, XXXIX, Nr. 1 und 2. Mit Karten.)

Schon der erste Tbeil der Route liegt zum grössten Theil auf jungfräulichem Boden. Von Damascus begab sich unser Reisende nach Mezarib, dem Sammelpunkte der syrischen Mekka-Pilger, und brach von hier am 13. November 1876 mit der Karawane nach S auf. Zwei Tagereisen führten über die wüste Ebene von Ramteh, die nächste Station wurde im Wadi Zerka aufgeschlagen, dann folgten Kelat Blat, Kelat el-Belka, Kelat Katran, Kelat Haessi, Aneise und Maan, von wo Palgrave 1862 seine Reise nach dem Wahabiten - Reiche angetreten hatte. Von Damascus aus führte der Weg beständig über ein allmählich ansteigendes Kalkstein-Hochplateau, welches nur mit einer dünnen Schicht culturfähigen Bodens bedeckt war; es ist der Weidebezirk der Howeitat-Beduinen, welche McDoughty, entgegen der Ansicht Burton's, für Nachkommen der alten Nabathäer hält, da sie sich durch grobe Körperbildung von den Arabern unterscheiden. Zwei fernere Tagereisen führten über das Hochplateau, dann begann bei Akaba der Abstieg in die Wüste, welche im Westen von den Sandsteinmassen der Hisma begrenzt wurde. Erst von Dhat-elHadj an begann das Terrain wieder zu steigen; über el-Kaa, Tebuk, wo Wallin's Route nach Djof gekreuzt wurde, Dar-el-Mughr, Kelaat-el-Akhdar, Birket Moattham im Wadi-es-Sani, Dar-el-Hamra und Mufarisch-er-Ruz wurde Madjin Salih (El-Hedscher) erreicht.

Hier trennte sich der Reisende, welcher, vertrauend auf die strengen Gesetze arabischer Gastfreundschaft, ohne eine muhammedanische Verkleidung anzunehmen, sich in die fanatische Pilgerkarawane gewagt hatte, von seinen Reisegefährten , um deren Rückkehr von Medina, wohin er selbst in der Zeit des auf's Höchste erregten religiösen Fanatismus sich nicht begeben konnte, zu erwarten. Die Zwischenzeit benutzte er vortrefflich zu eingehenden Erkundigungen über die hydrographischen Verhältnisse von West-Arabien und war dadurch in der Lage, den Ursprung jenes mächtigen Wadi-el-Hamz, welches Burton's Verwunderung erregte, festzustellen. Es entspringt in zwei Armen als Wadi Djizzl von N kommend aus den westlichen Abhängen der Harrah und den östlichen des Djebel-el-Schafah, als Wadi-el-Humd von S her, dessen Anfänge in der Gegend von Mekka liegen sollen. In Begleitung der Nomaden durchstreifte McDoughty dann das ganze Gebiet bis el-Teima und Djebel-Irnan. Von hier aus drang er endlich nach Djebel - Schammar vor, wo er, entgegen der gastlichen Aufnahme, welche das Blunt'sche Ehepaar ') beim Emir Mohammed-Ibn-Raschid kurze Zeit später gefunden hat, unfreundlich empfangen wurde. Trotzdem hielt er sich, ge

') Eigentümlicherweise berichten diese Beisenden Nichts von dem Aufenthalt eines Europäers in Hai'l, obwohl kaum angenommen werden kann, dass sie Nichts Ton demselben erfahren haben sollten.

schützt durch die Gastfreundschaft eines Vetters des Emirs, einen vollen Monat in Ha'i'l auf und trat dann den Rückweg nach Khaibar an, wo ihn die fanatisirte Bevölkerung zum Rückzuge nach Haül zwang. Auch hier ausgewiesen, gelang es ihm, in die Landschaft Kasira zu entkommen, er wurde aber in Bereyda ausgeraubt und entkam mit Mühe durch den hier kaum 6 miles breiten Ausläufer der Nefud nach Aneisi, von wo ihm nach Überstehen vielfacher Gefahren der Rückweg nach Djidda, dem Hafenorte Mekka's am Kothen Meere, ermöglicht wurde. Hier traf er in der Mitte des Jahres 1878 ein.

Dieser flüchtige Überblick über den Verlauf der McDoughty'schen Heise lässt erkennen, dass es ihm gelungen war, besonders den westlichen Theil Central Arabiens, welcher bisher nur nach arabischen Geographen und Erkundigungen bekannt war, in vielen Richtungen zu durchkreuzen, so dass wir wohl eine bedeutende Erweiterung unserer Kenntnisse durch ausführlichere Mittheilungen erwarten dürfen.

Schon jetzt giebt er einige wichtige Aufklärungen über die Vertheilung der Harrah, jener vulcanischen Zone, welche Burton vergebens zu erreichen bestrebte. Es sind alte Lavafelder, die theils unmittelbar über die Grundlage der geologischen Formation Arabiens, den Granit, theil weise über die Sandsteinschicht sich ergossen, an einzelnen Stellen auch durch die Kalksteinkruste hindurch sich Bahn gebrochen hatten. Von Damascus aus durchzieht so eine allerdings nicht zusammenhängende, sondern häufig unterbrochene, schmale vulcanische Zone die ganze Halbinsel bis zur südlichen Hälfte des Rothen Meeres und findet in demselben noch ihre Fortsetzung in den vulcanischen Inseln, welche dem Festlande vorlagern. Obwohl noch in historischer Zeit in der Ahrar - el - Medina ein vulcanischer Ausbruch Statt gefunden hat, so wissen die Nomaden Nichts von feuerspeienden Bergen, auch Erdbeben sind ihnen nur dem Namen nach bekannt. H. Wichmann.

„Entdeckung eines neuen Handelsweges für Süd-Amerika durch Prof. Carl Wiener".

Diese Überschrift trägt eine Mittheilung in Nr. 11 des „Export" vom 15. März 1881, deren Inhalt der französischen geographischen Zeitschrift „L'Exploration" entnommen ist.

Aus diesem Aufsatze, sowie aus vielen anderen Referaten, welche durch Fachschriften und Zeitungen die weiteste Verbreitung gefunden, geht hervor, dass Mr. Charles Wiener das Verdienst für sich in Anspruch nimmt, nicht nur für die Schiffbarkeit des Rio Napo eine bisher wünschenswerth gebliebene Bestätigung geben zu können, sondern auch einen näheren Weg von Quito über die Cordillere nach dem Napo aufgefunden zu haben.

Der Vortheil, welcher dem französischen Handel aus diesem Erfolge der Expedition erwachsen soll, wird so scharf betont, dass der deutsche Berichterstatter des „Export" wohl mit Recht die Frage aufwerfen konnte:

„Wird Deutschland auch hier wieder zu spät kommen?" —

Diese Befürchtung dürfte jedoch vorläufig eine unbegründete sein, wie sich aus den topographischen Verhältnissen und anderen beachtenswerthen Thatsachen leicht nachweisen lässt.

Es ist den Geographen, welche sich mit der Hydrographie und Urographie Süd-Amerika's beschäftigen, den französischen gewiss nicht weniger, wie denen anderer Länder, hinlänglich bekannt, dass die Schiffbarkeit des Rio Napo bis hinauf nach Santa Rosa schon seit sehr geraumer Zeit nachgewiesen ist. Auch Dampfboote haben in dem

letzten Jahrzehnt — so der kleine peruanische Dampfer „Pastaza" — den Beweis dafür geliefert, gleichzeitig aber auch in Erfahrung bringen müssen, dass der Rio Napo der Schifffahrt alle die Schwierigkeiten bietet, welche den übrigen mächtigen Zuflüssen des Amazonas eigen sind.

Was die Geschichte der Schifffahrt auf dem Rio Napo anbelangt, so ist es ja genügend bekannt, dass der Lauf seiner Gewässer zur eigentlichen Entdeckung des grössten Flusssystemes der Welt führte. Genau den gleichen Weg, wie Mr. Wiener, von Quito ausgehend, schlug Orellana bereits im Jahre 1540 ein und entdeckte den mächtigen Strom, welchem der mythische Name „Amazonas" beigelegt wurde. Schon im Jahre 1637, einem gleichfalls noch weit zurückliegenden Datum, unternahm es Pedro de Teixeira von Pari aus mit zahlreichen Begleitern, den Rio Amazonas und Napo stromaufwärts verfolgend, nach Quito zu ziehen. Die Reise nahm ein volles Jahr in Anspruch. Auf dem gleichen Wege kehrte er, begleitet von den Jesuiten d'Artieda und d'Acufia, im folgenden Jahre nach seinem Ausgangspunkte zurück. Bekannt ist es auch, dass die Missionen am oberen Amazonenstrome meist von Quito aus, via Napo, begründet und verwaltet wurden. Der Pater Fritz, der am Ende des 17. Jahrhunderts zur Kenntniss dieses Gebietes so wesentlich beitrug, wusste recht wohl, welche Bedeutung der Rio Napo für das ecuatorianische Hochland und dieses selbst für die katholischen Missionen im tropischen Urwald habe. Nicht weniger kannte der um die Kartographie der „Provincia de Quito" hochverdiente Maldonado, der seine Reisen im Anfang des 18. Jahrhunderte unternahm, den rauben Pfad, welcher über die ungastliche östliche Cordillere nach den „Embarcaderos" oder „Puertos", den Einschiffungsplätzen des Rio Napo, führte.

Die französischen Akademiker La Condamine, Oodin und Bouguer, welche 7 Jahre lang (1735—1742) mit der Gradmessung im ecuatorianischen Hochlande beschäftigt gewesen waren, vermieden absichtlich, für ihre Rückreise den Rio Napo zu wählen, da sie seinen Lauf für hinlänglich erforscht hielten. Sie zogen es vor, die bisher unbekannter gebliebenen Ströme, den Rio Pastaza und den Maraiion zur Erweiterung der hydrographischen Kenntniss zu befahren.

Seit jener Zeit ist die Reise von Quito nach dem Napo und von seiner Mündung flussabwärts zur Küste, oder den Maraüon aufwärts nach Peru, häufig genug ausgeführt worden, ja, man kann sagen, unzählig oft, wenn man zu den Pionieren auch die Abenteurer rechnet, welche ausgingen, Minen zu suchen oder fabelhafte Schätze, „riquezas", zu entdecken, wie sie noch heutigen Tages die Phantasie der spanischen Abkömmlinge in die düsteren Wälder des NapoGebietes verlegt. Viele gingen zu Grunde, Andere knüpften kleine Handelsbeziehungen an, welche stets auf die ungerechteste Ausbeutung der beklagenswerthen Indianer hinausliefen.

Indianer und Weisse haben als Cascarilleros bei dem Suchen nach den spärlich durch den Wald vertheilten Chinchona-ßäumen, welche das werthvolle Handelsproduct der China-Rinde liefern, die unglaublich unwegsamen Abhänge der Cordillere in allen Richtungen durchstreift.

Ein grosses Contingent von Napo-Reisenden stellten auch die zahlreichen Revolutionen des ecuatorianischen Hochlandes, theils an Flüchtlingen, theils an solchen, welche als Verbannte diesen Weg wandern mussten. Auch für nicht politische Verbrecher ist der Napo stets eine erwünschte und sichere Zufluchtsstätte gewesen.

Zu den vielen, welche sich in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts zu einer Reise nach der des Fiebers wegen gefürchteten „Montana del Oriente" bestimmen Hessen, zählen auch einige Naturforscher und fleissige Sammler. So besuchte der englische Arzt und Botaniker, Dr. Jameson, der lange Jahre in Quito ansässig war, das Napo-Gebiet zu wiederholten Malen.

In dem gleichen Verhältniss wie die Aussicht auf eine Zunahme von Handel und Verkehr nach Freigebung der Schifffahrt auf dem unteren Amazonenstrome (1867) für Brasilien wuchs, steigerten sich auch in dem Hochlande von Ecuador, als die Nachricht dahin drang, die Illusionen, welche man mit dem Rio Napo als neuen Communicationsweg zu verbinden sich längst gewöhnt hatte. Wer es verstand,

als Ausländer und vermeintlicher Ingenieur, dieses Traumbild in den richtigen Farben zu beleben, sicherte sich in Quito den, allerdings zweifelhaften, Ruhm eines grossen Sachverständigen und erntete den ungetheilten Beifall der gerade an der Spitze der Regierung stehenden Persönlichkeiten.

Solchen traditionellen Anschauungen traten begreiflicherweise auch die meisten der Gutachten nicht schroff entgegen, welche Ingenieure von Fach, die nach Ecuador verschlagen, ihr Glück zu machen suchten, der Regierung oft genug zur Realisirung des Wegprojectes, aufgefordert und unaufgefordert, unterbreiteten.

Die letzte ausführliche Beschreibung dieses vermeintlich von Mr. Charles Wiener neu entdeckten Handelsweges ') verdankt man dem Amerikaner James Orton, welcher 1867 als Chef einer, von der Smithsonian Institution ausgesendeten , wissenschaftlichen Expedition diesen Weg einschlug und dessen Aufzeichnungen den Eindruck grosser Wahrheiteliebe und Gewissenhaftigkeit machen.

In den letzten Jahren der Regierung des Präsidenten Garcia Moreno war die Verwaltung des Napo-Gebietes in die Hände der Jesuiten gelegt und ihrer Intelligenz es ganz anheim gegeben, den Handel, wenn möglich, zu heben, die 'Communicationswege zu verbessern und die Indianer, ohne welche der Weisse in diesen Gegenden vorläufig nicht existiren kann, systematisch zur Arbeit anzuhalten. Ob diese Maassnahme ihren Zweck erreicht haben würde, ob sie zum Vortheil und zum Schutz der armen Indianer, gegenüber dem früheren Verwaltungssysteme, wo es dem Gobernador überlassen war, zum Besten seines eigenen Vortheiles den geringen Handel zu monopolisiren, ausgefallen wäre, dürfte schwer zu entscheiden sein; nur ist es höchst wahrscheinlich , dass Garcia Moreno diesen Systemwechsel mit dem Leben bezahlen musste. Ein früherer Gobernador des Napo war es, welcher im Jahre 1875 dem Präsidenten das Messer meuchlings durch die Brust stiess, weil ihm die Erlaubniss, für Handelszwecke nach dem Napo zurückzukehren, nachdem die Jesuiten von den Missionen daselbst aufs Neue Besitz genommen, verweigert worden war.

Die Anführung dieser wenigen, aus der Geschichte herausgegriffenen Thatsachen wird genügen, um zu zeigen,

') „L'Exploration" Tome XI, No. 213, 17. Ferner 1881, p. 409. „Aidi de ces braves compagnons, Mr. Charles Wiener, arrive le 6 octobre an Fara, ä l'embouchure de 1'Amazone, avait en six mois meiui ä bonne fin un travaU qui n'avait jamais ete entrepris. 11 avait parcouru et mesure l'Amerique meridionale dans sa plus grande largeur; U avait complrte l'immense voie commerciale naturelle traceo par le plus grand fleuve da monde. Entreprenant sur le Napo une expedition qne les gens du pays jugoaicnt entierement impracticable, ü a hisse avant tout autre le drapeau francais sur ces eaux, dont la prise de possession ideale etait jusqu'alors inscrite seulement dans les chartes et Constitution» politiques".

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