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das Geleit. Wie zu Barth's Zeit herrschte auch jetzt noch Eifersucht und Kriegszustand zwischen den Fullani und den Tuareg, doch hatte sich die Situation insofern geändert, als Abadin, der hoffnungsvolle Sohn des Scheich elBakay, des edlen Arabers, unter dessen Schutz Dr. Barth stand, Führer der Fullani ist, während sich el-Bakay bekanntlich auf die Tuareg stützte. Wie sein Vorgänger wurde auch Dr. Lenz von den Edeln der Stadt in endlose Gespräche über den Koran gezogen, materiell lebte er aber ganz aDgenehm, da gutes Weizenbrod, Fleischspeisen, Butter, Honig in Fülle vorhanden war. Wenn Dr. Lenz sagt, Timbuktu sei heute nur noch ein Schatten von dem, was es früher gewesen sein soll, so spielt er auf die sehr übertriebene Vorstellung an, die man sich vormals in Europa von jener Stadt gemacht hat, wir möchten bezweifeln, dass sie wesentlich bedeutender gewesen ist als gegenwärtig, wenn auch der Handel zeitweise lebhafter gewesen sein mag. In neuerer Zeit hat die Stadt jedenfalls nicht abgenommen, denn Caillie schätzte ihre Einwohnerzahl nur auf 10—12000, Barth auf 13 000, wogegen ihr Dr. Lenz 20000 giebt, auch besteben jetzt wie vormals Schulen und Bibliotheken.

Von Timbuktu aus ging die Reise nicht den Niger hinauf, sondern westlicher nach Basikunnu (4. August), bei welchem ein räuberischer Überfall durch die Gegenwart des Scberif noch glücklich ohne Blutvergiessen ablief. Hier in Basikunnu vertauschte man die Kameele mit Ochsen und auf diesen ging es zunächst südlich nach Sokolo oder Kala im Lande der Bambara, einer Stadt von 10000 Einwohnern , die dem Sultan Ahmadu von Segu gehört, ferner nordwestlich nach der grossen Doppelstadt Gumbu (6. September), welche 30000 meist arabische Bewohner zählt, und westlich nach Nioro, wo den Reisenden die letzten Habseligkeiten abgenommen wurden. Über Kuninkary erreichte man endlich am 2. November den Senegal bei dem französischen Posten Medine. Das Land, das auf diesem Wege zwischen Timbuktu und dem Senegal durchzogen wurde, bildet eine Hochebene von durchschnittlich 320 m Meereshöhe. Das Klima des Sudan machte sich hier im Gegensatz zu der gesunden Wüste sehr unangenehm fühlbar, die arabischen Mitglieder der Reisegesellschaft erkrankten, ein Diener starb am Typhus und Dr. Lenz, der glücklicherweise gesund blieb, hatte daher mit schwierigen Verhältnissen zu kämpfen und begrüsste freudig das Thal des Senegal, in welches die Hochebene rasch abfällt.

So war die grosse Aufgabe, nach deren Lösung seit langen Jahren vergeblich gestrebt worden, glücklich zu Ende geführt, nicht durch Machtentfaltung, wie Dr. Nachtigal in seiner Begrüssung des heimkehrenden Reisenden mit Recht hervorhob, sondern durch kluges, bescheidenes Auftreten, festes und doch massiges Handeln. Binnen Kurzem wird man den ausführlicheren Bericht in dem Organ der Afrikanischen Gesellschaft lesen, auch die grosse Routenkarte wird wohl nicht lange auf Veröffentlichung warten, wogegen das in Aussicht genommene erschöpfende, vermuthlich zweibändige Buch noch seiner Ausarbeitung harrt.

Eine reichhaltige Specialkarte des oberen Wad Draa, von den Quellen bis zu dem See Ed Debiaiat, von welchem sich das Thal nach Westen wendet, hat Lieut. H. de Castries nach Erkundigungen zusammengestellt und mit textlichen

Erläuterungen im „Bulletin de la Soc. de ge'ographie de Paris", December 1880, veröffentlicht.

Dr. Bayol, der 1880 die Gallieni'sche Expedition nach dem Niger begleitete, sich aber nach dem Überfall bei Bamaku von ihr trennte und nach dem Senegal zurückkam (s. Jahrg. 1880, S. 360), schiffte sich am 5. April in Bordeaux wiederum nach dem Senegal ein, um eine Rundreise durch Bambuk, das Mandingo - Gebiet, Bureh und FutaDjalon zu unternehmen, dabei ganz besonders auch die Stadt Timbo und Umgegend, einen wichtigen Handels- und Karawanenplatz, genau kennen zu lernen. Er reist im Auftrag der Regierung und wird von Licentiat Billet und einem Photographen begleitet.

Dr. G. Beck giebt im 3. Jahresbericht der Geogr. Gesellschaft in Bern ausführliche Nachrichten über die Reiten der Baseler Missionare Ashante und Buss 1877 und 1878 von der Station Abetifi, nordöstlich von Kumasse gelegen, nach der grossen Handelsstadt Salaga am Volta, die bekanntlich zuerst von Bonnat besucht wurde. Aus den Aufzeichnungen dieser Missionare erhellt, dass Europäer in Salaga mit Freuden aufgenommen werden und dass bei der jetzigen politischen Lage einer Reise über Salaga nach Mossi und dem Niger wahrscheinlich keine besonderen Schwierigkeiten entgegenstehen. Der Verfasser betitelt deshalb seinen Aufsatz: Eine neue Route nach dem Oberen Niger und dem Sudan.

Mantegazza's Archivio per l'Antropologia enthält einen Aufsatz von Prof. Giglioli über die in Europa lebenden Alka*. Die „Academy" entnimmt daraus Folgendes: „Man wird sich erinnern, dass drei Akkas oder sogenannte afrikanische Pygmäen gegenwärtig in Italien leben, zwei von Miani mitgebrachte Knaben unter dem Schutz des Grafen Miniscalchi zu Verona, und ein weniger günstig in Triest situirtes Mädchen. Thibaut, einer von Miani's Knaben, ist jetzt 1,42 m hoch und man glaubt, dass er das Maximum seines Wuchses erreicht hat; er ist wahrscheinlich ca 19 Jahre alt. Chairallah wächst dagegen noch und misst jetzt 1,41 m; man vermuthet, dass er ca 15 Jahre zählt. Die Form des Schädels scheint, nach dem äusseren Ansehen zu urtheilen, an Dolichocephalismus zugenommen zu haben, seitdem die Knaben zuletzt untersucht wurden. Die charakteristische dreilappige Form der Nase hat sich erhalten. Der Prognathismus ist sehr ausgeprägt, der Mund gross mit dicken Lippen, starken, gut von einander abstehenden und ausserordentlich weissen Zähnen. Kleine Büschel schwarzen wolligen Haares sind auf Wangen, Kinn und Oberlippe Thibaut'B zum Vorschein gekommen, wogegen Chairallah noch keine Spur von Bart zeigt, sein Gesicht ist jedoch mit den Jahren viel länger geworden. Beide sprechen, lesen und schreiben Italienisch, während sie ihre einheimische AkkaSprache und das in der Jugend gelernte Arabisch vergessen haben. Das Mädchen in Triest, Hausdienerin bei Signora Gessi, geniesst nicht die Vortheile solcher Bildung, sie kann weder lesen noch schreiben, aber sie spricht Italienisch und ein wenig Deutsch, Sprachen, die sie täglich im Hause hört. Man schätzt sie auf etwa 15 Jahre, ihre gegenwärtige Grösse beträgt 1,34 m. Alle drei Akkas erfreuen sich einer guten Gesundheit und betragen sich im Allgemeinen gut, sind jedoch in ihren Neigungen ausserordentlich kindisch".

Die Gadibursi-Somali südlich von Zeyla schildert Oberstlieut. M. Moktar-Bey, der 1877 auf seiner Reise nach Harrar ihr Land durchzog, im Bulletin de la Soc. Khe'diviale de geographie, No. 7, Fevr. 1880. Nach seinen Erkundigungen schätzt er die Stärke des Stammes auf 87 000 Seelen.

Von E. Ravenstein s grosser Karte von Ost - Afrika in 20 Blatt, deren Bearbeitung im Auftrag der englischen geographischen Gesellschaft wir S. 473 des vorigen Jahrganges erwähnten, liegt uns ein erstes Blatt (Nr. 19) vor. Den Bangweolo-See mit den westlich und südlich anstossenden Gebieten bis 25° östl. L. und 15° S. Br., also grösstenteils ganz unbekanntes Land umfassend, ist es wohl eines der leersten Blätter, aber es giebt uns doch eine Probe von der Ausführung der Karte und von der Art, wie Herr Ravenstein seine Aufgabe behandelt. Die Beherrschung des Materials, die kritische Zusammenfassung alles, was an Informationen über das Gebiet vorhanden ist, muss bei derartigen kartographischen Arbeiten die Hauptsache bilden, und dass gerade darin Herr Ravenstein Meister ist, hat er schon so oft bewiesen, dass uns die Vollständigkeit der auf Blatt 19 enthaltenen Reiserouten &c. nicht überraschen kann. Ausser Livingstone's Routen kamen die der Pombeiros von 1806 und von Silva Porto von 1852 hauptsächlich in Betracht, doch finden wir daneben auch J. Waiuwright's Itinerar von Kabinda, dem Sterbeorte Livingstone's, um das Westende des Bangweolo herum nach Norden hin sorgfältig construirt und im Süden bereits einen der neuesten Beiträge benutzt, die Route von Mr. Selous und Owen im Januar 1878 von der Confluenz des Kafue mit dem Zambesi nordwestlich über das wellige, 3500 engl. F. hohe Plateau von Manica nach Sitanda, publicirt in dem Märzheft 1881 der Proceedings R. Geogr. Soc. Die Karte zeigt uns, dass Selous' Annahme, er sei in Sitanda nur noch 120 miles vom Bangweolo entfernt gewesen, doch nicht ganz zutrifft, die Entfernung betrug immer noch reichlich 200 miles. Wir wünschen der Ravenstein'schen Arbeit den besten Fortgang und freuen uns auf die interessanten nördlich anstossenden Blätter.

Im ,,Le Tour du Monde" vom 26. März 1881 und den folgenden Nummern findet man einen reich illustrirten Bericht des Major Serpa Pinto über seine Reise durch SüdAfrika 1877—78, mit specielleren Karten der Route. Diese Karten sowie ein Theil der Illustrationen sind dem Werk Serpa Pinto's Wanderung quer durch Afrika" entnommen, welches Werk demnächst in deutscher und englischer Ausgabe erscheinen wird. Die deutsche geht aus der Verlagshandlung von Ferdinand Hirt in Leipzig und Breslau hervor und entspricht den früheren ausgezeichneten Publicationen dieses Hauses, sie ist bei besserer Ausstattung mehr als ein Drittel billiger (27 M, geb. 31 M) als die englische Ausgabe. Die Karten stellen den Weg von Benguella bis Zambesi in sechs Sectionen verschiedenen Maassstabes dar, wobei namentlich auch die Erkundigungen über das zu beiden Sfeiten des Weges liegende Gebiet, der Lauf der Flüsse &c. berücksichtigt sind. Das grosse Übersichtsblatt enthält dann auch die südöstliche Fortsetzung der Reise, und einige interessante Localitäten, wie die Wasserscheide zwischen Zambesi, Cuanza und Cubango unter 12 J° 8. Br.; der Quellsumpf des Cuando, die Gonha

Katarakten des oberen Zambesi und die berühmten VictoriaFälle desselben kommen auf Specialplänen zur Anschauung.

Dr. Buchner ist auf der Rückreise begriffen, nachdem seine Versuche, nordwärts gegen den Congo hin vorzudringen, an der Verzagtheit seiner Träger, die massenhaft dessertirten, dreimal gescheitert waren. So war er denn etwas niedergeschlagen naoh Malange in Angola zurückgekommen. Leider ist auch der Dampfer, welcher einen Theil seiner Sammlungen von S. Paul de Loanda nach Europa bringen sollte, an der englischen Küste zu Grunde gegangen. Dr. Pogge und Lieut. Wissmann trafen Anfangs Januar in Loanda ein und wollten nach kurzer Rast die Reise zum Matiamvo beginnen.

Von A. Merensky's „Original Map of the Transvaal or South - African Republic including the gold and diamond fields", welche 1875 in der Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin publicirt wurde, ist eine neue, durch das Berliner Missionshaus zu beziehende Ausgabe erschienen, auf welcher nur die Jahreszahl 1875 in 1881 umgeändert ist, ohne dass man sonstige, mit der Zeit sehr nothwendig gewordene Berichtigungen vorgenommen hätte. Da Superintendent Merensky ein vorzüglicher Kenner des Transvaal-Landes ist, so sei ausdrücklich davor gewarnt, diese veraltete Karte als den Ausdruck seines jetzigen topographischen Wissens zu betrachten.

Amerika.

Die Geogr. Gesellschaft in Quebec hat die erste Nummer ihrer „Transactions" herausgegeben, mit Abhandlungen von Suite über die neueren Forschungen zwischen Neu-Fundland und den Rocky Mountains, und von Dr. R. Bell über die jüngsten Explorationen an den Küsten der Hudsons-Bai, mit Karte. (The Academy.)

In der Sitzung der Pariser Geogr. Gesellschaft vom 18. März sprach Marine-Pharmaceut Lejanne über die jüngste Reise Dr. Orevaux , den er begleitet hat. Sie waren am 6. August 1880 von Sainte-Nazaire abgereist, den Magdalena-Strom mit dem Dampfer bis Neyva hinaufgefahren, wo sie am 3. October ankamen, hatten die Andes nach Osten zu überschritten und am 20. October den Guyabero (Guaviari), einen Zufluss des Orinoko, erreicht. In fünf Tagen zimmerten sie hier die nöthigen Flosse und fuhren auf ihnen den Guyabero bis zur Mündung bei San Fernandode Atabapo hinab. Der ganze Flusslauf, etwa 425 Lieues, wovon 125 durch unbewohntes Gebiet, wurde genau aufgenommen. In San Fernando engagirte man eine indianische Mannschaft, welche die Expedition den Orinoko hinab nach Ciudad Bolivar brachte. Von hier per Dampfer nach Trinidad gelangt, kehrte Lejanne nach Frankreich zurück, während Dr. Crevaux sich nochmals nach dem Orinoko-Delta begab und dort eine reichhaltige Sammlung von Photographien und ethnographischen Gegenständen zusammenbrachte, bevor er ebenfalls die Heimreise antrat.

Die Darstellung einer Meerenge zwischen Süd-Amerika und einem südlicheren Lande auf J. Schöner's Nürnberger Globus von 1520, also zu einer Zeit, wo von der Entdeckung Magalhäes' in Europa Nichts bekannt sein konnte, hat schon viele Untersuchungen und verchiedenartige Erklärungen veranlasst, ohne dass wirklich befriedigende Aufschlüsse gefunden worden wären. Diess scheint nun dem

Professor Dr. Fr. Wieser in Innsbruck gelungen zu sein. In einer gelehrten Schrift über Magalhâes - Strasse und Austral-Continent auf den Globen des Johannes Schöner" (mit 5 Karten. Wagner'sche Universitäts-Buchbandlung in Innsbruck) liefert er den Beweis, dass der durch Jomard bekannt gewordene Globus zu Frankfurt a. M. aus dem Anfang des 16. Jabrhunderts und der damit identische alte Globus in der Militär-Bibliothek zu Weimar ebenfalls Ar. beiten von Joh. Schöner sind, aber schon aus dem Jahre 1515. Diese Globen enthalten die erste kartographische Darstellung einer südwestlichen Durchfahrt, und die erste Erwähnung derselben geschieht in Schöner's Schrift „Luculentissima quaedam terrae totius descriptio" &c., Nürnberg 1513. Dieser Nachweis einer noch älteren Kunde von der südwestlichen Durchfahrt macht die Sache scheinbar noch räthselhafter, zugleich giebt uns Prof. Wieser aber die Lösung. Schöner bat die Notiz einem Zeitungsblatt entnommen, der „Copia der Neuen Zeytung auss Presillg Landt" (siehe darüber Prof. S. Ruge im IV. und V. Jahresbericht des Vereins für Erdkunde in Dresden), die von einer portugiesischen Fahrt in den ersten Jabren des 16. Jahrhunderts berichtet. Wieser ist aber nicht der Ansicht, dass diese frühere Expedition wirklich die später sogenannte Magalbâes-Strasse entdeckt habe, schon die Breite von 40° widerspricht dem, sondern er glaubt, dass sich die Seefahrer durch eine Meeresbucht täuschen liessen, und zwar durch den Golf von St. Mathias. Auch in Bezug auf die Geschichte der kartographischen Darstellung des grossen Südlandes, das bekanntlich noch Cook aufsuchen wollte, bietet das Buch eingehende Studien, wie es überhaupt einen sehr dankenswerthen Beitrag zur Aufklärung der grossen Entdeckungsperiode im Anfang des 16. Jahrhunderts liefert. U. A. wird hervorgehoben, dass der Schöner'sche Globus von 1515 auch das älteste gedruckte Kartenwerk ist, auf dem der westliche Continent den Namen America trägt.

Die Expedition sur Aufsuchung der Jeannette, zu wel. cher der Congress 175 000 Dollars bewilligte, wird jetzt ebenfalls mit allem Eifer vorbereitet. Der Walfisch-Dampfer „Helen and Mary” wurde für 100 000 Dollars angekauft und wird in San Francisco ausgerüstet. Das Commando der Expedition ist Lieut. Berry übertragen worden.

Einen wichtigen Theil der während der „Vega"- Expedition vorgenommenen wissenschaftlichen Arbeiten hat Dr. A. Stuxberg in der „K. Svenska Vet. Akad. Handlingar", Band 5, No. 22, Stockholm 1880, publicirt: Evertebratfaunan i Sibiriens ishaf. Es sind Studien über die niederen Seethiere, welche von Dr. Stuxberg 1875, 1876 und 1878–79 mittelst des Schleppnetzes an 102 Punkten des Karischen Meeres und längs der nordsibirischen Küste bis zur Bering-Strasse gesammelt wurden. Der Tabelle über die Beobachtungspunkte, Wassertemperatur, specifisches Gewicht, Tiefe, Bodenbeschaffenheit, schliesst sich die Aufzählung der zoologischen Funde an mit Beschreibung der neuen Formen und die Darstellung ihrer geogr. Verbreitung in Text und Tabelle. Die ganze arktische Region ist zum Vergleich an. gezogen. Auf einer Übersichtskarte sind die Beobachtungsstationen eingetragen.

Oceane. Vom November 1878 bis Juni 1879 hat die Göteborgs och Bohusläns Husbållnings - Sällskap in der Einfahrt zum Kattegat zwischen Skagen und der Westküste von Schweden, sowie längs derselben von 57° 27' bis 59° 3' N. Br. eine Serie hydrographischer Untersuchungen anstellen lassen, deren Resultate G. Ekman unter dem Titel: Hydrografiska Undersökningar vid Bohuskusten als Extrabeft zur Quartalsschrift der Gesellschaft veröffentlicht. Die Untersuchun. gen erstreckten sich auf Tiefseemessungen, Temperaturmes. sungen von Luft und Wasser, Prüfung des Wassers auf Salz- und Chlorgehalt in den verschiedenen Monaten, Stromrichtungen und Stromstärke, Wind- und Wetterbeobachtungen, sowie auf die gegenseitig ausgeübte Beeinflussung. Das gewonnene reiche Material, welches in zahlreichen Ta. bellen mitgetheilt wird, ist auf 8 Tafeln in Querschnitten und Profilen verarbeitet; auf der beigefügten Karte, dem Abdrucke einer schwedischen Seekarte in 1:250 000, sind ausser den Tiefen auch die Stationen und die Linien der Querschnitte eingetragen. Die ganze Publication bildet wiederum einen höchst willkommenen Beitrag zu der wissenschaftlichen Meereskunde, die in neuester Zeit von verschiedenen Nationen so eifrig betrieben wird.

Über die Meeresströmungen an der Westküste von Grönland findet man im „American Journal of Science" (Februar 1881) eine Notiz von 0. T. Sherman. Darin heisst es: „Die folgenden Beobachtungen wurden auf dem arktischen Dampfer „Gulnare" im Sommer 1880 angestellt, mit einem MillerCassella'schen Thermometer, dessen sorgfältig ermittelter Fehler jedesmal in Rechnung gezogen wurde. Der Dampfer lag während der Beobachtungen still bei mangelndem Wind. Auf einigen älteren Karten sieht man das warme Wasser, welches die Westküste von Grönland bewohnbar macht, in Zusammenhang gebracht mit dem arktischen Strom, der an der Ostküste alles Leben verdrängt; auf anderen ist der warme Strom obne Weiteres als Arm des Golfstromes dargestellt. Auf den neueren deutschen Karten dage.

Polar - Regionen. Der Congress der Vereinigten Staaten bewilligte am Schluss seiner vorigen Session 25 000 Dollars zu einer arktischen Expedition, welche von dem Signal - Bureau des Kriegsministeriums ausgeschickt wird, um in der Lady Franklin Bay oder an einem anderen, in möglichst hoher Breite gelegenen Punkte des Smith-Sundes Winter und Sommer hindurch meteorologische und sonstige wissenschaftliche Beobachtungen anzustellen. Die Vorbereitungen sind nunmehr so weit beendet, dass die Expedition zu Anfang des Sommers an ihren Bestimmungsort abgehen wird. Der Dampfer, eines der für den Seehundsfang gebauten Schiffe von St. Johns, wird von Master Lucien Young commandirt, während die Expeditionsmitglieder, Officiere und Soldaten, unter Lieut. Greeley's Befehl stehen, der in letzterer Zeit auf dem Signal - Bureau beschäftigt war. Auch Pavé und Clay, welche voriges Jahres die wegen der schlechten Beschaffenheit des Schiffes abgebrochene Fahrt des „Gulnare" mitmachten und zu Rittenbank in Grönland den Winter über geblieben sind, werden von dort aus an der Expedition Theil nebmen. So hat das schon von Dr. Hayes bald nach seiner Rückkehr aus dem Smith - Sund vorgeschlagene, in neuester Zeit von Howgate so eifrig betriebene Unternehmen endlich Aussicht zur Verwirklichung.

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„Das plötzliche Steigen der Temperatur in der grössten Tiefe erweckte natürlich bei dem Beobachter einigen Verdacht und die Messungen wurden daher dreimal wiederholt. Diese Beobachtungen mögen auch zum Theil die Biegung in der Curve der Eisgrenze erklären".

W. IL Dali hat uns einen hydrothermischen Durchschnitt der Bering-Strasse, nach seinen TemperaturmeBsungen von 1880 coustruirt, im Manuscript geschickt und wird derselbe in einem unserer nächsten Hefte zur Veröffentlichung kommen.

In seiner so besonders anschaulichen und fesselnden Weise schildert Prof. Dr. Th. Studer im „Berner Taschenbuch 1881" einen Ausflug auf der Insel Kerguelen, den er als Mitglied der deutschen astronomischen Expedition 1874 ausführte, und zwar von der Station an der Betsy Cove nach dem ca 3500 F. hohen Mount Crozier.

Allgemeines.

Ed. de Euze hat in einer Brochure „La terminologie ge'ograpktque dans les differents pays du globe" (Paris, E. Le"roux, 1880) eine Art Wörterbuch der geographischen Bezeichnungen in den europäischen und einem Theil der asiatischen Sprachen zusammengestellt, ähnlich der vergleichenden Tabelle geographischer Wörter, welche Dr. Berghaus früher dem Stieler'schen Hand-Atlas beigab. Mit dem Deutschen beginnend, heisst es da: Arm = bras (d'un fleuve), Bau (im) = en construction, Befestigung = place forte, Betrieb (im) = en exploitation &c. in alphabetischer Folge. Bei den europäischen Sprachen sind auch solche wie das Gälische, Irische, Serbische, Rumänische berücksichtigt; von den asiatischen sind vertreten das Arabische, Türkische, Persische, Armenische, Chinesische , Japanische, Annamitische, Javanische, Malaiische. Die deutschen Ausdrücke sind richtig übersetzt, mit Ausnahme von „Länge", die aus Versehen durch latitude wiedergegeben ist, während „Breite" fehlt,

Über „Magnetismus und Deviation der Co-nipasse in eisernen Schiffen" hat Navigationslehrer H. A. Jungclaus im Verlag von Chr. G. Tienken in Bremerhaven ein kleines Buch herausgegeben, das aus dem Englischen des Dr. Merrifield übersetzt und theilweise neu bearbeitet, einen elementar gehaltenen Leitfaden für den Schul- und Selbstunterricht abgiebt. Er behandelt in drei Theilen den Compass, den Magnetismus und die Deviation des Compasses und zeichnet

Petermann't Geogr. Mittheilungen. 1881, Heft V.

sich sowohl durch die praktische Richtung wie durch die schulgerechte Bearbeitung aus.

Die „Studien über die Gestaltung der Sandküsten und die Anlage von Seehäfen im Sandgebiet" von Regierungsbaumeister H. Keller (Zeitschrift für Bauwesen, Jahrg. XXXI. Berlin 1881) verdienen, abgesehen von ihrem praktischen Interesse, auch in physisch-geographischer Hinsicht Beachtung. Die Bildung der Sandküsten und ihre Veränderung durch natürliche und künstliche Agentien, Wellen, Strömungen , Fluthen, Sinkstoffe, Wind, geologische Vorgänge, künstliche Einbaue, die Bildung der Barren &c. werden darin auf das Eingehendste erörtert, unter Beigabe von Plänen verschiedener Küstenstriche Europa's, wo der Verfasser die Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen lernte.

Einen anderen Beitrag zur allgemeinen Erdkunde giebt Dr. R. Lüddecke in seiner Abhandlung „über Moränenseen" (Halle, bei M. Niemeyer, 1881). Unter specieller Berücksichtigung der Moränenlandschaften Europa's und Nord-Amerika's und fleissiger Benutzung der einschlagenden Literatur zeigt er, wie die Moränen ein wesentliches Moment zur Seebildung abgeben, unter welchen Umständen so gebildete Seen bestehen bleiben oder wieder verschwinden, und dass massenhafte Seenhäufung sowie häufiges Erweitern der Flussläufe zu Seen in Gebieten, welche ehemals vergletschert waren, ebenso charakteristische Merkmale und Spuren für die ehemalige Vergletscherung bilden, wie die Schrammen, Schliffe an den Felsen, Moränen, Riesentöpfe, erratischen Blöcke und Stauchungen des Untergrundes.

Der Verbreitung dts Eenthieres in der Gegenwart und in älterer historischer Zeit, sowie der Verbreitung der fossilen Reste des Renthieres mit besonderer Rücksicht auf die Funde in Deutschland widmet C. Struckmann eine Abhandlung im Jahrg. 1880, S. 728—773, der Zeitschrift der Deutschen geologischen Gesellschaft.

„Six lectures on phgsical geography, by the Rev. Samuel Haugldon" (Dublin 1880), ein Buch, das einen beträchtlichen Theil der physischen Geographie, namentlich Bodengestalt, Gebirge und Vulcane, Meteorologie, Flüsse und Seen, geogr. Verbreitung der Thiere und Pflanzen, in dem Tone eines Lehrbuches behandelt, zeichnet Bich durch vortrefflichen Druck, eine lange Reihe von Holzsohnitten, zahl• reiche Einzeldaten und hie und da originelle Darstellung aus, ist aber leider in seinen Detailangaben unzuverlässig und, was noch schlimmer, ohne Kenntniss der bezüglichen neuen Arbeiten Deutschlands geschrieben, so dass man stellenweise die Mühe bedauert, die sich der Verfasser um Fragen gegeben hat, die in der deutschen Literatur schon vollständiger und besser bearbeitet sind.

Ed. Whymper gab in einem Vortrag über Chimborazo und Cotopaxi (Nature, 17. März 1881, p. 459) interessante Nachrichten über die sogenannte Bergkrankheit, den Einfluss der verdünnten Luft auf das Befinden des Menschen, worüber er bei seinen zahlreichen Bergbesteigungen in den Andes reiche Erfahrungen an sich selbst und seinen Schweizer Begleitern gemacht hat. Er brachte 21 Nächte in mehr als 14 000 engl. Fuss Höhe zu, 8 Nächte in 15000, 13 andere in 16 000, 6 in 17 000 und eine in 19 450 Fuss Höhe. Der Hunger nach Luft, die Erschlaffung und heftiges Kopfweh sind die Hauptsymptome, Nasenbluten kommt nur bei solchen vor, die überhaupt dazu geneigt sind. Ein

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Überwinden der Krankheit durch den Willen ist unmöglich; so lange sie in hohem Grade anhält, ist jede Anstrengung unmöglich. Das von Dr. Marcet empfohlene, von Henderson auf dem Karakorum, von der Forsyth'schen Expedition auf dem Pamir &c. angewendete Chlorkali schien ihm Erleichterung zu bringen, doch ist er darüber nicht sicher; das beste Mittel ist Ausharren und Geduld, denn nach wenigen Tagen gewöhnt sich der Körper an den geringen Luftdruck und die Krankheit verschwindet.

Zu dem dritten internationalen geographischen Congress, der bekanntlich im September d. J. zu Venedig Statt finden wird, bereitet sich Deutschland, wie wir zu unserer grossen Freude erfahren, weit besser vor als zu dem zweiten, 1875 in Paris abgehaltenen. War damals die persönliche Betheiligung eine zahlreiche und glänzende, so blieb doch die Ausstellung Deutschlands hinter den der anderen grösseren Länder auffällig zurück. Es war lange zweifelhaft, ob Deutschland überhaupt Theil nehmen werde, erst sehr spät wurde der Regierungscommissär ernannt, und so konnten die Aussteller nicht die erforderliche Sorgfalt auf die Vorbereitungen verwenden, ja es betheiligten sich überhaupt verhältnisBmässig wenige und von den Behörden nur einzelne, wie das Geologische Institut in Berlin, die statistischen Bureaus von Preussen und Bayern und die Commission zur wissenschaftlichen Untersuchung der deutschen Meere. In unserem Bericht über den Pariser geogr. Congress (Peterm. Mittheil. 1876, S. 21) haben wir freimüthig ausgesprochen, welchen beschämenden Eindruck die deutsche Abtheilung auf uns gemacht hat, trotz der aufopfernden Bemühungen der Commissäre, sie in das beste Licht zu setzen; wie nothwendig es sei, bei der nächsten Gelegenheit dem Auslande zu zeigen, dass Deutschland in seinen geogr. Producten nicht hinter anderen Ländern zurücksteht, und wie diess nur durch die Betheiligung der Staatsanstalten, vor Allem des Generalstabs, des Hydrographischen Bureau's, der verschiedenen Ministerien &c. möglich sei. Sobald die grossen officiellen Kartenwerke fehlen, wird die geogr. Ausstellung eines Landes immer eine mangelhafte, ja unscheinbare bleiben. Von einsichtsvollen Ausländern , die recht gut wussten, dass die deutsche Ausstel

lung auf dem Pariser Congress in keinem Verhältniss zu der geogr. Production Deutschlands stand, wurde diese geringe Betheiligung, namentlich die fast gänzliche Abwesenheit officieller Kartenwerke als eine Art Rücksichtslosigkeit und TJnhöflichkeit ausgelegt. Nun, allem Anschein nach brauchen wir in Venedig keine ähnlichen Vorwürfe zu befürchten. Die Reichsregierung hat rechtzeitig einen Commissär in der Person des kais. Consul Wilh. Fiers zu Venedig ernannt, ebenso hat, viel früher als vor dem zweiten Congress, die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin eine Commission eingesetzt, welche für eine möglichst reichhaltige Betheiligung der Ausstellung wie für eine gute persönliche Betheiligung an dem Congress Sorge trägt, und ihre Bemühungen bleiben sicher nicht ohne Erfolg. So hat u. A. der Staatssekretär Dr. Stephan das Reichspostmuseum zur Verfügung gestellt, so dass die Geschichte der Verkehrsmittel von den primitivsten Einrichtungen der Vorzeit bis zum Telephon und der Rohrpost in sehr interessanter Weise zur Anschauung kommen wird, und gewiss werden andere Staatsanstalten nicht zurückstehen. Auch hat die Regierung einige Geldmittel der Commission zur Verfügung gestellt, wenn auch vor der Hand nicht in der Höhe, wie es in Frankreich und Russland geschehen ist, wo die Regierungen 50000 frcs, resp. 40 000 Rubel bewilligten. Die Reglements für den Congress und für die Ausstellung sind durch die Bemühung der Commission in den deutschen Zeitungen zum Abdruck gelangt, andere von dem italienischen Comite ausgegebene Drucksachen, wie die Anmeldungsformulare, und das Verzeichniss der wissenschaftlichen, auf dem Congress zu discutirenden Fragen sind von der Commission der Gesellschaft für Erdkunde (Berlin W, Friedrichsstrasse 191, III) oder auch vom kais. deutschen Consul W. Fiers in Venedig zu beziehen. Die Anmeldung zur Ausstellung muss bis 15. Mai erfolgen, die Einsendung der Gegenstände zwischen 15. Juni und 31. Juli. Die Ausstellung wird am 1. September im Palazzo Municipale eröffnet und bis zum Schluss des Monats dauern, während der Congress auf die Zeit vom 15. bis 22. September beschränkt ist.

E. Behm.

H. Oesterley's Historisch-geographisches "Wörterbuch des deutschen Mittelalters')

Da dem vorstehend genannten Werke hei seiner lieferungsweisen Veröffentlichung statt einer ausführlichen Vorrede nur ein kurzer Prospect vorausgeschickt ist, so benutzt der Verfasser mit Dank die von der verehrlichen Redaction dieser Mittheilungen ihm gebotene Gelegenheit, sich über den Plan und die Einrichtung seiner Arbeit an dieser Stelle etwas eingehender auszusprechen.

Der Prospect bezeichnet als die Aufgabe des Werkes eine lexikalische Zusammenstellung der deutschen Ortsnamen, die von den deutschen Geschichtsschreibern des Mittelalters

') Historisch-geographisches Wörterbuch des deutschen Mittelalters von Hermann Oesterley. 1. und 2. Lief. A—Engabrunn. Gotha, Justus Perthes, 1881. Lex.-Oct. Preis 2,40 M. für die Lieferung von 5 Bogen.

erwähnt werden, unter Angabe ihrer verschiedenen Namensformen , der Zeit ihrer Erwähnung, der darangeknüpften bedeutenderen Ereignisse, sowie der Quellen.

Um diese Aufgabe zu lösen, sind zunächst die gesammten erzählenden Gesohichtsquellen des Mittelalters durchgearbeitet, die von deutscher Hand herrühren, allerdings mit der Beschränkung, dass alles blosse Actenmaterial, die meist nur auf Entlehnung beruhenden Reimchroniken, sowie die wenig oder gar keine Ausbeute gewährenden Lebensbeschreibungen, Nekrologien &c. prinzipiell ausgeschlossen wurden; ferner aber ist auch eine Reihe von nichtdeutschen, namentlich niederländischen und slavischen Schriftstellern herangezogen, die durch den Gebrauch der lateinischen Sprache Einfluss auf die deutsche Geschichtsschreibung ge

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