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Staate Colorado und der Thätigkeit von Wheeler im Territorium Arizona und im westlichen Theile von New Mexico verdanken.

Schon bei einem flüchtigen Blicke auf die Karte tritt besonders auffallig die vollständig geänderte Configuration von Colorado hervor, welches in den Jahren 1873—76 von Hayden durchforscht worden ist. Während dieser Staat bisher als ein ziemlich regelmässig gegliedertes, von 3 in fast nord-südlicher Richtung verlaufenden Gebirgsketten durchschnittenes Hochland dargestellt war, erscheint er jetzt als ein durch vulcanische Thätigkeit zerrissenes Gebirgsland, welches den wildesten und höchsten Theil in der östlichen Rette der Rocky Mountains bildet.j Im Osten ziehen 2 fast parallele Ketten, die an Höhe mit einander wetteifern, von N nach S, die östliche Colorado oder Front Range, welche ohne Vorberge 6000—8000 Fuss in das Plateau der Prärie abfällt, und von derselben durch die weiten Thäler des North, Middle und South Park getrennt, die Park Range, welche sich, nachdem sie vom Oberlaufe des Arkansas durchbrochen wurde, als Sangre de Cristo Hange nach S fortsetzt, im Bianca Peak zum höchsten Gipfel der Vereinigten Staaten ansteigt und sich dann in der Culebra und Santa Fe Range mit der Front Range vereinigt. Im westlichen Theile des Staates erheben sich zwei mächtige Knotenstöcke, im N das White River-Plateau und im 8, von diesem durch den Grand River und dessen Zufluss Gunnison geschieden, das Uncompahgre-Plateau, jenes bis zu 11000 Fusb, dieses bis über 10000 Fuss ansteigend; nach W senken sie sich allmählich in das 4000 bis 6000 Fuss niedrigere Plateau des Green River und seines Unterlaufes, des Colorado.

Obwohl in der Park Range die Kammhöhe am bedeutendsten, zwischen 9000 und 12 500 Fuss, ansteigt, bildet dieselbe doch nur auf einer kurzen Strecke die Wasserscheide zwischen dem Atlantischen und Pacifischen Oceane, deren Verlauf höchst unregelmässig erscheint. Im nördlichen Theile des Staates liegt sie in der Park Range, dann umgeht sie in einer weiten Ausbuchtung nach Osten auf der Continental Divide und der Front Range das Quellgebiet des Grand River, setzt sich nochmals eine kurze Strecke auf der Park Range fort und wendet sich dann auf der Sawatch Range nach W zu den über 14000 F. hohen Eruptivmassen der Uncompahgre Mountains, dem Quellgebiete des Rio Grande del Norte. Von hier findet die Wasserscheide ihre Fortsetzung in der San Juan-Kette, welche statt in nordöstlich-südwestlicher, jetzt in nordwestlich-südöstlicher Richtung verläuft, und weiterhin im Territorium New Mexico in den Zuni und Miembre Mountains.

Doch nicht allein die Terrainverhältnisse wurden von Petermann'i Geogr. Mittheüungen. 1881, Heft V.

den neuen Aufnahmen Hayden's berührt, auch die Flusssysteme erfuhren bedeutende Correcturen und Bereicherungen. Treten diese in dem Verlaufe der bedeutendsten Flüsse, des Platte, Arkansas, Rio Grande del Norte und des Grand River auch nicht gerade auffällig hervor, so ist diess um so mehr der Fall in der Zeichnung der Nebenflüsse und ganz besonders in dem westlichen Theile des Staates, der, von den wilden Ute-Indianern bevölkert, nicht zur Ansiedelung verlocken konnte und daher weniger bekannt war als der an Mineralschätzen reiche centrale Theil dieses jüngsten Staates. Der Ausbeute seiner Gold- und Silberminen verdankt auch Colorado den raschen Aufschwung, welcher sich in der Vermehrung der bewohnten Ortschaften und Schienenwege zeigt.

Ebenso durchgreifend wie in Colorado sind die Änderungen in dem südwestlichsten Territorium Arizona; seine Oberfläche wird von grossen Hochplateaux gebildet, auf denen die nordwestlich-südöstlich verlaufenden Gebirgszüge aufgesetzt erscheinen. In diesen Sandstein-, Kalk- und Granitmassen haben sich der mittlere Lauf des die Westgrenze des Landes bildenden Colorado und seine Nebenflüsse in unzugänglichen Schluchten oder Canons, zwischen steilen Wänden, die bis über 5000 Fuss ansteigen, ihr Bett gegraben. Obwohl Arizona einen grossen Reichthum an Gold- und Silberminen besitzt, ist es in der Entwickelung hinter den meisten Territorien zurückgeblieben, was theils durch die schwere Zugänglichkeit, durch die Unfruchtbarkeit seines Bodens, welcher hauptsächlich nur für Viehzucht sich eignet, und durch die ungeordneten Zustände verursacht wird. Arizona ist auf allen Seiten von schwer zu passirenden Sand- oder Steinwüsten umgeben; nur der untere Lauf des Colorado bildet eine Zugangsstrasse und auch diese ist durch die Schlammbänke an seiner Mündung erschwert; für Fahrzeuge von 0,5 m Tiefgang ist er bis Hardyville und unter günstigen Umständen nocb bis Callville befahrbar.

Da diese Wasserstrasse nur die Westgrenze des Territoriums berührt, so ist ein Aufblühen desselben erst durch den Ausbau der in der Ausführung begriffenen grossen Eisenbahnen zu erwarten, welche neue Verbindungen zwischen Californien und den östlichen Staaten herstellen und die Territorien New Mexico und Arizona dem Weltverkehr erschliessen sollen. Die nördliche dieser beiden Linien, die Atlantic and Pacific Railway, welche ihrer Vollendung entgegengeht, führt von Kansas aus über Santa Fe, die Hauptstadt von New Mexico, durch die nördliche Hälfte von Arizona nach Süd-Californien; die Southern Pacific Railway, welche bis in's Thal des Rio Gila vollendet ist, soll die Verbindung von Californien mit Texas herstellen und von dem Hafen Galveston aus den Strom der europäischen

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Einwanderer direct nach Californien leiten. Dann auch werden diese bisher menschenarmen, von Indianern und weissen Banditen unsicher gemachten Gebiete sich bevölkern, die Cultur wird kräftig gefördert werden, und die

grossen Opfer, welche der Staat für ihre Erforschung gebracht hat, werden sich als eine grossen Nutzen bringende Anlage erweisen.

Geographischer Monatsbericht.

Europa.

Im Anschluss an v. Sonklar's geographische Gruppirung der Mittel- und Ost-Alpen (s. Peterm. Mitth. 1870, Tafel 17) stellt J. Rabl eine detaillirtere orographische Eintheilung des Osten: Alpengebietes auf, wobei er besonders den Arbeiten von Grohmann, Jäger, v. Mojsisovics, Trautwein, Wallmann und Waltenberger folgt. Derselbe Band des Jahrbuchs des Osterr. Touristen-Clubs, redig. v. Edm. Graf, Wien 1881, enthält u. A. ein grosses, gewiss Vielen höchst willkommenes Panorama des Gaisberges bei Salzburg, von Dr. A. Sattler, auch machen wir auf einige andere Aufsätze des Buches besonders aufmerksam, die geologisch-geographische Skizze über die „ Wiener Bucht" mit besonderer Berücksichtigung von Baden und seinen Thermen von Fr. Toula, und die Abhandlung über die Veränderungen der Gebirge und ihre Beobachtung von Prof. Dr. R. Roernes.

Über seine vorjährigen Reisen und geologischen Untersuchungen im westlichen Balkan, den er auf sechs verschiedenen Wegen übersohritt, giebt Prof. Fr. Toula eine zusammenfassende Notiz in den Sitzungsberichten der Kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien, mathem.-naturw. Classe, 1881, Nr. VII.

Als erstes Heft einer Serie von ethnologischen Forschungen über Ost-Europa und Nord-Asien erschien bei Alf. Holder in Wien eine Abhandlung über „die Goten in Taurien" von W. Tomaschek, Prof. an der Universität in Graz. In der Hauptsache eine möglichst vollständige Geschichte des dreizehnhundertjährigen Aufenthaltes der Goten in Taurien, spricht die Schrift insofern auch das geographische Interesse an, als sie vielfach Aufklärungen giebt über Ortsnamen und über die Aussagen der älteren Reisenden.

In Form von drei Novellen vermittelt J. v. Borneth den Lesern seines Buches „Aus dem Kaukasus und der Krim" (Wien, bei A. Hartleben) die Anschauungen, die er auf einer Küstenfahrt um die Krim und während eines Aufenthaltes zu Wladikawkas und einigen anderen Orten des Kaukasus gewonnen hat. Auf geographischem Hintergrund spielt sich in diesen Erzählungen das äussere und innere Volksleben der bereisten Gegenden ab, wie diess ja öfter auch in Bezug auf andere Länder versucht worden ist. Die meisten Leser werden die unterhaltende Leoture nicht ohne Zuwachs ihrer Kenntnisse von Land und Leuten beendigen.

Asien.

N. v. Seidlits beginnt in dem diessjährigen 1. Hefte von Röttger's Russischer Revue die Beschreibung seiner Reise durch die Gebiete zwischen Kura und Araxes im Antikau

kasus. Von allgemeinerem Interesse sind in diesem ersten von Tiflis über das Schamchor-Thal nach Elisabethpol reichenden Abschnitt die Notizen über das Siemens'sche Kupferbergwerk Kedabek.

J. Muschketows ausführlicher Bericht über seine I/rfurschung des Serafschan-Gletschers mit einer Specialkarte desselben in 1:126 000 ist im 2. diessjährigen Heft der Iswestija der Kais. Kurs. Geogr. Gesellschaft veröffentlicht.

In den „Iswestija" der Kais. Russ. Geogr. Gesellschaft werden 260 Photographien, Ansichten und Volkstypen am dem ostsibirischen Küstengebiet, der Insel Sachalin, Transbaikalien und Urga namhaft gemacht, die S. B. Tusmanoio von seiner Reise in Ost-Sibirien 1878—79 zurückgebracht hat und deren Copien einzeln oder im Ganzen käuflich sind. Theils in Cabinet-, theils in Visiten-Format, bieten sie eine grosse Mannigfaltigkeit der dargestellten Objeote. Die ganze Sammlung kostet 120 Rubel, hundert Stück nach Auswahl 65 Rubel, fünfzig Stück 35, fünfundzwanzig Stück 20 Rubel, die einzelne Photographie 1 Rubel, und sie sind zu haben beim Photographen Karrik in St. Petersburg, Wassili Ostrow, 5. Linie, Nr. 6.

Von dem lebhaften Interesse, welches das Reich der aufgehenden Sonne in der Gegenwart erregt, legt Nichts mehr Beweis ab als das rapide Anschwellen der Literatur über dieses Land, welches mit grosser Eile europäische Cultur anzunehmen sich bemüht. Nachdem wir erst vor Kurzem die umfangreichen Werke von Prof. Rein, Sir Reed und Miss Bird zu erwähnen hatten, liegt uns bereits ein neuer starker Band über Japan vor von L. Metchnikoff: L'Empire Japonais, welcher, seit 1878 in Lieferungen erscheinend '), jetzt vollendet ist. Der Verfasser, welcher mehrere Jahre als Beamter in Japan lebte, schildert, namentlich gestützt auf japanische Quellen, im ersten Abschnitte die geographischen und naturhistorischen Verhältnisse des Landes, woran sich eine Beschreibung der einzelnen Provinzen und Districte anschliesst. Im zweiten Abschnitte wird die Bevölkerung mit ihren Sitten und Gebräuchen , Literatur und Religion besprochen, der dritte ausführlichste Abschnitt ist der Geschichte gewidmet. Die beigegebenen 5 Karten, Übersichtskarte, Tosando mit der Eintheilung in Kok und Gun, Kina'i und Tokaido, Yesso und Kurilen, Liu-Kiu-Inseln, enthalten ziemlich viel Detail, sind aber leider sehr roh ausgeführt. Besonders interessant ist eine Reihe werthvoller charakteristischer niustrationen, Facsimiles japanischer Götzenbilder und Ansichten.

') 8°, 692 pp. Mit 5 Karten und Abbildungen. Genf, imprimerie Orientale de l'Atsume Gusa.

Die Tijdschrift van het Aardrijkskundig Genootschap gevestigd te Amsterdam, V, No. 2 (März 1881) bringt eine Spectalkarte von, Atjeh proper im Norden von Sumatra, Mst. 1:150000. Wir finden auf ihr die noch auf wenigen Karten angegebene erste Eisenbahn Sumatra's, von dem Hafen Olehleh nach Kota radja am Atjeh-Fluss, eingetragen. Der begleitende Text, von T. A. Liefrinck, behandelt den gegenwärtigen Zustand des Landes. Dasselbe Heft enthält Nachrichten von K. F. H. van Langen über die sogen. Gajoe-Landen auf Sumatra, welche aus den Reichen Lingga, Bukit und Patiambang bestehen und von den Atjeh'schen Küstenstaaten umschlossen werden.

Afrika.

In den Tagen, als Dr. Lenz in Paris'die wohlverdienten Huldigungen der französischen Geographen entgegennahm, traf daselbst die traurige Nachricht von dem Untergang der Expedition des Oberst Flatters ein. Seite 157 des vorigen Heftes wurde erwähnt, dass dieselbe bei der Sebcha von Amadghor Ende Januar in das Hogar-Gebirge eingedrungen und von dem Oberhaupt der Tuareg-Hogar gut aufgenommen worden sei. In seinem letzten, nach Paris gelangten Briefe sprach Flatters die Absicht aus, zunächst nach dem Brunnen Asiu (21° N. Br.) zu gehen, der auf der Strasse von Rhat nach Air die Grenze zwischen den Tuareg-Asdscher und den Tuareg Kelowi bildet. Wie die aus den Zeitungen bekannten Telegramme und Briefe besagen, hatte die Expedition das Hogar-Gebirge passirt und war bereits jenseits Asiu bis gegen die Nordgrenze von Air gekommen, als der Überfall am 16. Februar bei einem Brunnen erfolgte. Dass die Hogar, wenn nicht betheiligt, so doch einverstanden waren, beweist die Vergiftung der dem Gemetzel Entronnenen im Gebiete der Hogar und die schliessliche Umzingelung der zuletzt noch übrig gebliebenen 36 Mann während des Bückmarsches vier Tagereisen südlich von dem Brunnen Missiggen (28° N. Br., östlich von Tuat). Die Katastrophe ist um so mehr zu beklagen, als durch den Tod des Oberst Flatters und der übrigen Officiere die Aufzeichnungen über das Hogar-Gebirge, welches eine der empfindlichsten Lücken in unserer Kenntniss der Sahara repräsentirt und über das wir durch Flatters endlich Ausschluss erwarten durften, wahrscheinlich auf immer verloren sind.

Im grellen Gegensatz zu der Trauer über das Schicksal der Flatters'schen Expedition steht die Freude, mit der Dr. Lenz bei seiner glücklichen Rückkehr in die Heimath begrüsst wird. Schon bei seiner Durchreise durch Spanien und Frankreich wurde er von den geographischen Gesellschaften zu Madrid, Marseille, Montpellier, Lyon und Paris in auszeichnendster Weise bewillkommt, überall hielt man Versammlungen ab, um sich von ihm den Verlauf seiner wunderbar rasch und glücklich durchgeführten Reise erzählen zu lassen, und die Höchstgestellten wetteiferten mit Vertretern der Wissenschaft, ihm Ehren zu erweisen. Diese Strapazen, verbunden mit dem rauhen Frühjahr, warfen ihn in Paris für einige Tage auf das Krankenbett, aber, Dank der wahrhaft brüderlichen Pflege von Seiten des berühmten Afrika-Forschers H. Duveyrier, erholte er sich schnell und konnte der ihn längst mit Verlangen erwartenden deutschen Heimath zueilen. Von der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft ausgesandt, mochte er zuerst an

dem Sitze derselben Rechenschaft über die Verwendung der ihm anvertrauten, sehr bescheidenen Mittel ablegen, und so hielt er seinen ersten Vortrag innerhalb Deutschlands am 12. April in Berlin. In diesem Vortrag vor einer so glänzenden und zahlreichen Versammlung musste er sich mit einer kurzen Übersicht seiner Reise und der Andeutung einiger wichtigeren Ergebnisse begnügen, ohne specieller auf seine wissenschaftlichen Forschungen einzugehen; aber man erkennt daraus schon deutlioh genug, wie werthvoll und fruchtbringend es war, dass endlich einmal ein naturwissenschaftlich gebildeter Mann die westliche Sahara durchwandern und seine Beobachtungen glücklich zurückbringen konnte. War doch das ganze ungeheuere Gebiet westlich von Barth's Route durch Rhat und Air bis zur Atlantischen Küste nur von solchen Reisenden durchzogen worden, denen die Vorbildung zu wissenschaftlichem Sehen und Forschen abging, und die im besten Fall ein leidlich zuverlässiges Itinerar zurückbrachten, wie Caillie, Mardochai, Panet, Bu-el-Moghdad, und der Einzige, der seinem Bildungsgrade nach wohl Befriedigenderes hätte liefern können , Major Laing, wurde auf der Rückreise bei Arauan erschlagen.

Diese früheren Reisen finden sich auf der hier beigegebenen Übersichtsskizze der Lenz'sehen Route angedeutet; man ersieht daraus, dass namentlich der zwischen Marokko und den Salzminen von Taodenni gelegene Theil der Lenz'schen Route noch völlig unberührtes Gebiet durchschnitt. Eine ähnliche kleine Übersichtskarte wurde den Theilnehmern an der Versammlung zu Berlin eingehändigt, wie auch für die Lenz-Sitzung der Pariser Geogr. Gesellschaft eine solche hergestellt worden war, beide sind aber ausserhalb jener Versammlungen wenig verbreitet worden, so dass es Vielen unserer Leser doch willkommen sein wird, die Reise, die in letzterer Zeit so vorzugsweise die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, in ihrer örtlichen Fixirung vor sich zu sehen, wenn auch eine so kleine Karte nur die Hauptpunkte angeben kann und die Wegelinie selbst nur annähernd richtig gezogen ist. Für den nördlichen Theil, durch Marokko bis Tarudant und zum Wad Draa, liegen die schon ziemlich ausführlichen Briefe des Reisenden, die in den „Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft" (II, 1880, Heft 2) veröffentlicht sind, zu Grunde, daher konnte dort die Route mit einer für den kleinen Maassstab völlig genügenden Sicherheit eingetragen werden; für die grossen Strecken vom Wad Draa bis Timbuktu und von dort bis zum Senegal fehlt es noch jetzt an ausführlicheren Berichten, da auch die Vorträge des Reisenden die topographischen Einzelheiten der Route meist unberücksichtigt lassen, wohl aber hatte Dr. Lenz die Güte, die von uns gezeichnete und ihm vorgelegte Übersicht seiner Route durch mündliche Anweisungen von ihren auffälligeren Unrichtigkeiten zu befreien, auch konnten wir, allerdings nur flüchtig, seine grosse handschriftliche Itinerarkarte in 24 Blättern, die zum grossen Theil in dem Sitzungssaal zu Berlin ausgestellt war, zur Verbesserung unserer Skizze benutzen, so dass sie einige Uncorrectheiten der erwähnten anderen Übersichtskarten vermeidet.

Die Zeitungen haben Auszüge aus den Vorträgen des Dr. Lenz gebracht und der Verlauf der Reise ist dadurch allgemein bekannt; zur Erläuterung unseres Kärtchens wol

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len wir deshalb nur einzelnes Wichtigere oder besonders Interessante hervorheben.

Die Dauer der Reise betrug fast genau ein Jahr, eine merkwürdig kurze Zeit für die Länge des Weges und die schwierigen völkerschaftlichen Verhältnisse. Von Marseille kommend berührte Lenz zuerst am 9. November 1879 in Orun den afrikanischen Boden, verliess aber das Schiff erst in Tanger am 13. November und am 20. November 1880 erreichte die Landreise in St.-Louis-de-Senegal ihren Endpunkt. Dabei vergingen noch fast sechs Wochen mit den Vorbereitungen in Tanger und dem Ausflug von dort nach Tetuan und bis in die Nähe von Ceuta, denn erst am 22. December 1879 begann die Reise nach Süden. Über Fes, Mekines und Rabat gelangte die kleine Reisegesellschaft, in welcher neben Lenz der Scherif Sidi Hadj Ali, ein Verwandter des berühmten Abd el Kader die Hauptperson war, am 14. Februar 1880 nach der Hauptstadt Marokko, wo sie sich bis zum.6. März aufhielt. Von da an nahm Dr. Lenz der Sicherheit wegen die Maske eines türkischen Arztes an und nannte sich Hakim Omar ben Ali. Auf dem Pass Bibaun unfern des Djebel Tissi überschritt er den westlichen Theil des Atlas und lernte zu Tarudant im Wad Sus die Gefahren kennen, die ihm von Seiten des fanatisch - mohammedanischen, in Christenhass aufgewachsenen Volkes drohten, zugleich aber auch den Schutz, den ihm die Gegenwart des Scherif Sidi Hadj Ali gewährte, denn Abgesandte der räuberischen Howara-Araber, welche bis an die Thore von Tarudant Schrecken verbreiten, braohten dem Abkömmlinge Mohammed's ihre Huldigung dar. Jenseits Tarudant wurde in Sidi Hesoham ein mehrtägiger Aufenthalt genommen, dann südlich über den AntiAtlas, eine aus paläozoischen Schichten bestehende, nioht über 5000 Fuss hohe Gebirgskette, Tissgi erreicht, ein reizender kleiner Ort mit Quellen und Dattelpalmen, südlich von Sidi Hescham und westlicher als auf den Karten gelegen. Auf einem Hügel in seiner Nähe befinden sich Ruinen, die römischen Ursprungs sein Bollen. Bei Fum-elflossan, welches südwestlich von Akka am Wad Temenet oberhalb dessen Mündung in den Wad Draa liegt, wurde letzterer passirt und nun die eigentliche Wüstenreise begonnen.

Durch den Rabbi Mardochai sowohl wie durch mehrere zum Druck gelangte Erkundigungen (s. Peterm. Mittheil. 1880, S. 274) wüste man, dass in dem Handelsverkehr mit Timbuktu, der gerade von diesen südwestlichen Grenzgebieten Marokko's aus ein sehr lebhafter ist, der Ort Tenduf eine wichtige Rolle spielt. Dahin lenkte denn auch die kleine Karawane des Dr. Lenz zuerst ihre Schritte und erreichte den hübsch gelegenen, nooh jungen, aufblühenden Handelsort am 5. Mai, kaufte dort Kameele, engagirte einen Führer und traf die letzten Vorbereitungen für den langen Marsch durch die Sahara. Tenduf liegt ca 400 m hoch auf der Hammada, aber vier Tagereisen südlicher beginnt die niedrigere Sandwüste (el Erg). Auch hier entbehrt die Wüste nicht ganz des vegetabilischen und animalischen Lebens, hie und da fand sich Kameelfutter, Gazellen und Antilopen Hessen sich blicken, am 18. Mai wurde sogar Regen mit einem Regenbogen beobachtet. Die Temperatur war trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit nicht allzu hoch, durchBchnittiich 34 bis 36° C, und da bis Taodenni kühle

Nordwestwinde herrschten und man zumeist des Nachts marschirte, litten die Reisenden nicht von der Hitze, erfreuten sich vielmehr der gesunden und angenehmen Luft. Nordostwind kam niemals zur Beobachtung, die Hypothese von der Bildung der Sahara durch den trockenen Nordostpassat findet mithin für diesen westlichen Theil keinen thatsächlichen Halt. Auch überzeugte sich Dr. Lenz, dass die Sahara in neuerer geologischer Zeit nicht Meeresboden gewesen ist, die Sandbildung rührt lediglich von der Zersetzung des Sandsteingebirges her. Das Phänomen des tönenden Sandes, das an so verschiedenen Orten der Erde beobachtet worden ist und auch hier vorkommt, erklärt Dr. Lenz durch die Friction der erhitzten Quarzkörner.

Während die westliche Sahara auf der von Dr. Lenz bereisten Linie durchschnittlich 250 bis 300 m über dem Meeresspiegel sich erhebt, fand er im Wadi Telli bei Taodenni am 19. Mai eine wesentlich tiefere Stelle, die Messung ergab hier nur 148 m, so dass allerdings die Gegend von Taodenni, wie man nach Erkundigungen annahm, eine Einsenkung bildet, jedoch ist diese noch weit entfernt von der Depression unter dem Meeresspiegel, auf welche Skertchly sein abenteuerliches Project einer Unterwassersetzung der Sahara basirte. Taodenni selbst mit seinen Salzminen schien ein zu gefährlicher Ort, die Reisenden umgingen ihn östlich, wie es auch Caillie gethan, lernten dafür aber das Wadi Telli kennen, das auch, abgesehen von der tiefen Lage, ungewöhnliches Interesse bietet. Es befinden sich dort Reste einer uralten Stadt, Mauern aus Steinsalz und Lehm und alte Steinwerkzeuge aus Diorit in solcher Menge, dasB sie bis weithin verbreitet wurden und die Frauen in Timbuktu sie zu Küchenzwecken benutzen.

Südlich von Taodenni wechseln Sand und Hammada, bis man bei Arauan (9. Juni) wieder auf eine grosse Sanddünenregion stösst. Hier werden heisse Südwinde vorherrschend. Arauan ist noch jetzt der Central- und Knotenpunkt der Karawanen zwischen Timbuktu und dem Norden, und der daselbst ansässige Chef der Berabisch erhebt von den Karawanen einen Zoll. Wie Dr. Lenz hörte, sollen in Arauan noch die Effecten des Major Laing aufbewahrt sein, aber man zeigte sie ihm nicht. Das Wichtigste, des Majors Papiere, sind jedoch von ihm selbst vor seinem Tode abgeschickt worden und 1828 wirklich in Ghadames angekommen, wie denn auch Dr. H. Barth (s. dessen Reisen, deutsche Ausgabe in 5 Bänden, IV, S. 465) erfuhr, dass in Arauan nichts mehr von dessen Papieren vorhanden sei. Die Ermordung Laing's soll erfolgt Bein, als er im Begriff war, ein Kameel zu besteigen, und ihr Grund wird verschieden angegeben, u. A. erzählt man, Eifersucht sei im Spiel gewesen, oder eine unglückliche medicinische Kur an einem Grossen. Auch Dr. Lenz musste wegen der ihm abgenöthigten ärztlichen Hülfe sehr vorsichtig sein und beschränkte sich auf die unschuldigsten Medicamente.

Eine Tagereise südlich von Arauan beginnt Mimosenwald , der sich bis westlich von Timbuktu erstreckt. In Timbuktu selbst fand Dr. Lenz eine sehr gute Aufnahme; während Dr. Barth unter steter Bedrohung seines Lebens beinahe 7 Monate dort festgehalten wurde, konnte er es am 17. Juli schon wieder verlassen, nachdem er am 1. Juli angekommen war; er genoss die Gastfreundschaft des Oberhauptes der Stadt, und bei der Abreise gaben ihm Tausende

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