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österr.-ungar. Monarchie (1869, Bd. XV, Heft 4); in gelehrten Zeitschriften — auch die Geogr. Mittheilungen enthalten mehrere Beiträge auB seiner Feder —, Fachblättern &c. veröffentlichte er zahlreiche Abhandlungen, ausserdem auch eine Reihe selbständiger Werke, die sich hauptsächlich mit österreichischer Statistik befassen.

Fortune, Rob., bedeutender Botaniker und China-Reisender, geb. 1813, ging 1842, nachdem er sich im Botanischen Garten zu Edinburgh mit Pflanzenkunde beschäftigt, als Pflanzensammler naoh China, wo er 3 Jahre blieb; nach seiner Rückkehr veröffentlichte er über seinen dortigen Aufenthalt: Three years wanderings in Northern China. Dieses Werk lenkte die Aufmerksamkeit der Ostindischen Compagnie auf ihn und sie entsandte ihn 1848 nochmals nach China, um die Theecultur zu studiren und in Ostindien einzuführen; als Frucht dieser Reise schrieb er sein bestes Werk: Two visits to the tea countries of China. Zum dritten Mal führte ihn seine Forschungslust 1853—56 dahin, und die Ergebnisse dieses Aufenthaltes fasste er in den beiden Werken zusammen: Residente among the Chinese inland, on the coast and at sea und Yedo and Peking. In dem letzten Jahrzehnte lebte er als Gutsbesitzer in Schottland, wo er im April starb.

Fraccaroli, A., Sendung der afrikanischen Handelsgesellschaft in Mailand, starb im Juni zu Chartum. Im Winter 1879/80 hatte er Italien verlassen und war nach seiner Ankunft in Chartum sofort zu einer kurzen Forschungsreise nach Darfur aufgebrochen, über deren Resultate mehrere Reisebriefe in Camperio's Esploratore veröffentlicht sind. Kaum zurückgekehrt, wollte er eine Reise in das Gebiet des Bahr-el-Ghazal antreten, als ihn ein typhöses Fieber wegraffte.

Hobson, Capitän der englischen Marine, starb Anfang October in Pitminster bei Taunton. In den Jahren 1857 —59 nahm er an Mc. Clintock's Polarfahrt auf dem „Fox" Theil und führte die Schlittenexpedition nach King William-Land, von welcher das einzige Schriftstück über den Verlauf der Franklin'schen Expedition und den Tod ihres Leiters aufgefunden wurde.

Horner, Pater A., bekannter Missionar, ward geboren am 20. Juni 1827 in Schönenburg im Elsass und ging 1854 nach Bourbon, wo er sich mit gutem Erfolge seinen philantropischen Aufgaben widmete. Seine segensreichste Thätigkeit entfaltete Pater Horner, nachdem ihm 1863 die Leitung der neu gegründeten Mission in Zanzibar anvertraut worden war; 1868 gründete er die schnell aufblühende Zweiganstalt in Bagamoyo, welche von Sir Bartle Frere als Musteranstalt geschildert wurde. Bei seinen Bemühungen, die Unterdrückung des Sclavenhandels beim 8ultan von Zanzibar durchzusetzen, hatte dieser eine wesentliche Stütze an Pater Horner. Zur weiteren Ausbreitung der Missionsthätigkeit unternahm Horner auch einige Reisen landeinwärts in die Landschaften Ukami, ükuere und Usegura, auf welchen er die Station Mhonda in den Nguru-Bergen gründet«. Nach 16jährigem Aufenthalte an der Ostküste Afrika's war seine Gesundheit gebrochen, im Mai 1879 kehrte er nach Europa zurück, suchte aber vergeblich in dem milden Klima von Cannes Heilung, denn er erlag daselbst am 8. Mai seinen Leiden. Seine Verdienste um die Civilisirung OBt-Afrika's wurden von der R. Geogr.

Society durch seine Ernennung zum correspondirenden Ehrenmitglied anerkannt.

Kohn, Albin, bekannter Schriftsteller, wurde am 18. October 1820 zu Bromberg in der Provinz Posen geboren. Nachdem er seit 1839 mehrere Lehrerstellen bekleidet hatte, nahm er 1848 an dem polnischen Aufstande Theil, wurde gefangen und seiner amtlichen Stellung entsetzt, worauf er sich der Landwirtschaft widmete und 1856 nach RussischPolen übersiedelte. Aber 1863 betheiligte er sich hier abermals an der Insurrection, gerieth Ende des Jahres in russische Gefangenschaft und wurde, nachdem anfänglich das Todesurtheil über ihn gefällt worden war, zu 12jähriger Strafarbeit nach Sibirien geschickt. Auf Reclaroation der preussischen Behörden kehrte er 1869 von dort zurück. Seitdem widmete sich Kohn, der sich in Sibirien vielfach mit der prähistorischen Geschichte des Landes beschäftigt hatte, der Ethnographie und slavischen Archäologie, und es gelang ihm durch rastlose Thätigkeit, sich auf dem Gebiete der prähistorischen Forschung einen bedeutenden Ruf zu erwerben. Sein Hauptwerk auf diesem Gebiete: „Materialien zur Vorgeschichte des Menschen im östlichen Europa" erschien 1879. Ausserdem war er überaus thätig, das geistige Leben der Slaven dem europäischen Westen zu vermitteln, wofür zahlreiche Beiträge, die er im Ausland, in der Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie, in der Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik veröffentlichte , Beweis ablegen. In Gemeinschaft mit Rieh. Andre"e verlauste er das Werk: „Sibirien und das AmurGebiet"; ferner verdanken wir ihm die Übersetzung von „Przewalski's Reisen nach dem östlichen Asien", welche er mit werthvollen Anmerkungen versah. An den Folgen eines Fussübels, welches er sich noch in Sibirien zugezogen hatte, starb Kohn am 2. December in Posen, wo er seit seiner Rückkehr aus der Verbannung gelebt hatte.

Lucereau, H., ein junger französischer Reisender, welcher 1879 vom französischen Unterrichtsministerium mit der Erforschung der Galla- Länder und des Sobat betraut worden war, wurde am 19. October in Uarabelli, 6 Stunden von Harar, ermordet. Bereits im Februar 1880 war Lucereau in Zeilah eingetroffen, aber erst nach mehrmonatlichem Aufenthalt hier und in Aden konnte er im August in's Innere vordringen und erreichte im September Harar, von wo er am 17. Octbr. seine Reise fortsetzte. Schon 2 Tage darauf wurde er, als er nach AbschluBs der Verhandlungen mit den Galla-Chefs in sein Zelt zurückgehen wollte, verrätherischerweise hinterrücks angegriffen und trotz seiner Gegenwehr mit seiner ganzen Escorte niedergemacht.

Macleod, General W. C, geb. am 16. September 1805 in Pondicherry, trat 1822 in die ostindische Armee ein und nahm im Anfange der 30er Jahre an der Festeteilung der Grenze zwischen Birma und dem Vasallenstaate Manipur Theil; sein Bericht wurde nie veröffentlicht. Einige Jahre später lenkte er durch eine Karte des Landes zwischen dem Irawaddi und seinem westlichen Zuflüsse Kyendwen die Aufmerksamkeit auf sich. 1836 erhielt er den Auftrag zu einer Forschungsreise nach Yünnan, um einen directen Handelsverkehr zwischen dieser Provinz und Ostindien anzubahnen; er gelangte bis zur Stadt Kiang-hung am Mekong, von wo er, da die chinesischen Behörden ihm das Betreten von Yiinnan untersagten, seine Bückreise antreten musste. Sein Bericht erschien auszugsweise im 4. Bd. des Journal of the Asiatic Society of Bengal, vollständig erst 1869. Bis zum Jahre 1868 blieb Macleod im aotiven Dienste, dann kehrte er nach Europa zurück und starb am 4. April in Gloucester Gardens.

Mehoald, Fr., bekannt durch seine Studien über Norwegen, die er im Globus veröffentlichte, starb, 70 Jahre alt, am 12. Februar in Dresden. Im Jahre 1868 veröffentlichte er ein grösseres Werk „Nach Norwegen", wofür ihm der König von Schweden eine goldene Medaille verlieh.

MermoetJier, Oberst W. L., starb am 3. October in London. Nachdem er in der ostindischen Armee, welcher er seit 1841 angehörte, mit Auszeichnung an mehreren Feldzügen Theil genommen und sich bei diplomatischen Sendungen bewährt hatte, wurde er im J. 1865 zum politischen Agenten in Aden ernannt und hatte in dieser Stellung die Verhandlungen mit König Theodorus von Abessinien über die Freigabe der Gefangenen zu leiten, welche schliesslich zu dem Feldzuge Lord Napier's nach Magdala führten. Merewether bereitete denselben durch Recognoscirungen vor und nahm an ihm hervorragenden Antheil. Nach der Bückkehr von diesem Feldzuge 1868 wurde er Gouverneur der ostindischen Provinz Sindh und nach seiner Rückkehr nach England Mitglied des Council of India.

Moni-, F., Anthropolog, hatte sich auch auf geogr. Gebiete durch eine mit Frh. v. Holzhausen unternommenen Reise nach Senhit bekannt gemacht. In der Mitte des Jahres 1880 übernahm er die Leitung einer auf Kosten des Millionärs Biebeck in Halle auszuführende wissenschaftliche Reise um die Erde, an welcher der Sohn des Spenders und C. W. Rosset Theil nahmen. Nachdem das südliche Bussland, die Kaukasus-Länder und Kleinasien besucht worden waren, begab sich die Gesellschaft nach Palästina, wo Mook bei dem Versuche, auf einem Flosse den stark angeschwollenen Jordan zu passiren, in der Nähe von Jericho am 13. December ertrank. Er wurde 36 Jahre alt.

Neumann, C. J. H., Professor der Geschichte und Geographie an der Universität Breslau, starb daselbst am 29. Juni. Nach Beendigung seiner historischen Studien auf der Universität im Jahre 1846 war Neumann, welcher den 2". December 1823 in Königsberg i/Pr. geboren war, durch Beine Mittellosigkeit gezwungen, mehrere Jahre eine Hauslebrerstelle zu bekleiden; nach Ablauf der Eevolutionsjahre trat er in die journalistische Laufbahn ein, die ihm den Lebensunterhalt für seine weiteren Studien gewähren musste. Nachdem er 1852 promovirt hatte, veröffentlichte er 1855 den ersten und ohne Fortsetzung gebliebenen Band seines Werkes: Die Hellenen im Skythenlande, eine nicht allein in historischer, Bondern auch in ethnographischer und geographischer Beziehung hervorragende Arbeit, welche mit einem Schlage die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf ihn lenkte und ihm auf Bitter's Vorschlag den vom König von Bayern ausgesetzten Preis von 400 Gulden für die beste Arbeit auf dem Gebiete der Erdkunde eintrug. Im folgenden Jahre übernahm er die Bedaction der Berliner Zeitschrift für Erdkunde, die er mit geschickter Hand leitete, bis er 1860 zum ausserordentlichen Professor der Geschichte und Geographie in Breslau ernannt wurde, aber erst im Herbst 1863 konnte er sein Lehramt antreten, da

er bis dabin als Hülfsarbeiter im Ministerium des Äussern in Berlin zurückgehalten wurde. Obwohl selbst Historiker neigte sich Neumann doch entschieden der Anschauung zu, dass eine naturwissenschaftliche Vorbildung für das Studium der Geographie unentbehrlich sei, und daher entsagte er jeder literarischen Thätigkeit, um auf der Grundlage von eingehenden geologischen, physikalischen und botanischen Studien seine geographischen Vorträge auszuarbeiten. Im Jahre 1865 wurde er ordentlicher Professor, Bpätere Berufungen nach Strassburg und Leipzig lehnte er ab.

Ona%ewiUch, M., russischer Marineoffizier, hatte sich durch seine geodätischen und hydrographischen Arbeiten, die er während der Fahrt des Klippers „Wssadnik" im Jahre 1876 ausgeführt, einen wohlverdienten wissenschaftlichen Buf erworben (s. Petermann's Mitth. 1879, S. 136. Mit Karte). Nach vieljährigen Fahrten im fernen Osten 1877 nach Russland zurückgekehrt, begann Onazewitsch. die Bearbeitung des von ihm gesammelten Materials und schon nach 2 Jahren konnte er einen bedeutenden Theil desselben herausgeben. Er brachte in seinem Werke vollständig neue, werthvolle Angaben über die Hydrographie des nördlichen Eismeeres. Im Begriff, eine neue Fahrt in den fernen Osten als Führer einer Gesellschaft junger Officiere, die sich hydrographischen und astronomischen Arbeiten widmen wollten, zu unternehmen, ereilte ihn der Tod am 25. December/6. Januar.

Petersen, Carl, bekannter Polarforscher, starb am 24. Juni in der Nähe von Kopenhagen. Geboren 1813, ging er frühzeitig nach Grönland, wo er als Böttcher seinen Unterhalt fand. Da er durch den Verkehr mit den Eskimos deren Sprache, sowie durch Walfischfahrer auch englisch gelernt hatte, wurde er 1850 von Capt. Penny, welcher mit den Schiffen „Lady Franklin" und „Sophia" zur Aufsuchung Franklin's und seiner Gefährten ausgesandt worden war, als Dolmetscher engagirt und erforschte während der Überwinterung in der Assistance-Bai mit einer Schlittenexpedition einen Theil des Wellington - Kanals. Das rückhaltslose Lob, welches Penny seiner Pflichttreue und seiner Thätigkeit zollte, veranlasste spätere Polarfabrer, ihn ebenfalls in ihre Dienste zu nehmen; so begleitete er die Kane'sche Expedition in den Smith - Sund, McClintock auf dem „Fox" nach King William-Land, Torell und Nordenskiöld nach Spitzbergen; alle Forscher stimmten in dem Lobe über seine Brauchbarkeit und Tüchtigkeit überein. 1860 veröffentlichte er eine populäre Darstellung von dem Verlaufe der McClintock'schen Beise unter dem Titel: Den Sidste Franklin - Expedition. Bis 1875 war er Aufseher eines Leuchtthurmes in der Nähe von Kopenhagen; seitdem musste er sich mit einer kleinen Pension durchschlagen, bis man sich in England der Dienste erinnerte, welche er früher geleistet hatte, worauf ihm, namentlich durch Verwendung von Sir Allen Young, von der Regierung eine Pension ausgesetzt wurde und Freunde arktischer Forschungen ein kleines Capital für ihn sammelten.

Pourtaüs, Graf L. F. de, bedeutender Zoolog, wurde am 4. März 1823 in Neufchatel geboren. Nachdem er sich ursprünglich dem Ingenieurfache gewidmet, aber nebenbei sich eifrig naturwissenschaftlichen Studien hingegeben hatte, kam er 1847 mit seinem Lehrer Prof. Agassiz nach Amerika, wo er vom folgenden Jahre an bei der U. 8. Coast Survey Beschäftigung fand. In dieser Stellung wandte er sich namentlich dem Studium der Tiefseefauna zu. Wenn auch schon früher gelegentlich Untersuchungen über die Beschaffenheit des Meeresbodens, der Fauna &c. angestellt worden waren, so war es Pourtales' Verdienst, dass die Vereinigten Staaten sich zur Vornahme systematischer Untersuchungen entschlossen und besonders ausgerüstete Expeditionen zu diesem Zwecke entsandten; er selbst leitete die Untersuchungen auf den Expeditionen des .,Bibb" zwischen Florida und Cuba 1866 — 68 (s. den Aufsatz in Petermann's Mitth. 1870, S. 593. Mit Karte), des „Hassler" von Massachusetts bis Californien u. a. Zahlreiche Beiträge über die Tiefseefauna enthalten die Bände der U. St. Coast Survey, sowie das Bulletin of Comparative Zoology; sein Hauptwerk behandelt die Tiefseekorallen. Nach dem Tode seines Vaters, welcher ihm ein bedeutendes Vermögen hinterliess, wandte er sich ganz seinem Lieblingsstudium zu, er wurde Assistent seines Lehrers Agassiz in dem Museum of Comparative Zoology in Cambridge (Mass.) und nach dessen Tode sein Nachfolger. Pourtales starb am 17. Juli in Beverly Farms (Mass.), während er mit der Bearbeitung der von den „Blake" - Expeditionen heimgebrachten Sammlungen beschäftigt war.

Prestel, M. A. F., Meteorolog und Naturforscher, geh. am 27. October 1809 in Göttingen, kam 1833 nach Beendigung seiner Studien als Lehrer an das Wilhelmsgymnasium nach Emden, an welchem er bis zu seinem am 29. Februar erfolgten Tode, in den letzten 22 Jahren als Direotor, thätig war. Ausser zahlreichen Artikeln auf mathematischem, naturwissenschaftlichem und meteorologischem Gebiete in verschiedenen Zeitschriften veröffentlichte er: Der Boden, das Klima und die Witterung von Ostfriesland; 1878 erschien: Die höchste und niedrigste Temperatur, welche an jedem Tage der 41 Jahre von 1836—1877 auf dem Meteorol. Observatorium in Emden beobachtet ist.

Sauloy, L. F. J. C. de, berühmter Archäolog und Palästina-Forscher, starb Ende October in Paris. Geboren am 19. März 1807 in Lille wandte sich de Saulcy der Militärcarriere zu, beschäftigte sich schon frühzeitig mit Numismatik und wurde dadurch allmählich in das Studium der Archäologie, besonders der hebräischen und phönicischen, hineingezogen, der er sich, nachdem er 1839 zum Conservator des Artilleriemuseums in Paris ernannt worden war, fast ausschliesslich widmete. In demselben Jahre wurde er correspondirendes, 1842 ordentliches Mitglied der französischen Akademie. Hauptsächlich, um sich archäologischen Studien an Ort und Stelle hinzugeben, bereiste er im Winter 1850/51 zum ersten Mal Palästina; sein 1852 in 2 Bänden erschienenes Reisewerk: Voyage autour de la mer morte et dans les terres bibliques enthält jedoch auch eine Menge interessanten Materiales über die Geographie der von ihm bereisten Gegenden. Eine zweite Reise trat er im Winter 1863/64 ebendahin an, begleitet von dem Major Gelis, welcher die seinem 1865 veröffentlichten Werke: Voyage en terre sainte, 2 Bde., beigegebenen Karten und Pläne aufnahm. De Saulcy war ausserdem Verfasser zahlreicher Schriften archäologischen und historischen Inhaltes, sowie von Aufsätzen, die in den Memoires de l'Academie, im Journal asiatique u. a. erschienen.

Seebach, C. v., bedeutender Geolog, wurde am 13. August

1839 in Weimar geboren und widmete sich in Berlin und Göttingen dem Studium der Mineralogie und Geologie. Nachdem er 1862 promovirt hatte, wurde er bereits 1863 ausserordentlicher Professor in Göttingen und trat 1864, um den Bau der Vulcane und Erdbebentheorie zu studiren, eine zweijährige erfolgreiche Reise nach Costarica an, über deren Ergebnisse er einen Bericht in Petermann's Mitth. 1865, S. 241, mit Karte, veröffentlichte. Bald nach seiner Rückkehr veranlassten ihn 1866 die vulcanischen Ausbrüche von Santorin zu einer Studienreise nach dem Ägäischen Meere („Über den Vulcan von Santorin und die Eruption von 1866"). Seine Lehrthätigkeit liess Seebach, welcher 1870 ordentlicher Professor wurde, genügend Zeit, um an der geognostischen und kartographischen Aufnahme des Eichsfeldes Theil zu nehmen. Leider trat schon früh ein bedenkliches Halsleiden bei ihm ein, gegen welches er im Winter 1878/79 vergeblich Heilung im südlichen Portugal suchte; bereits am 21. Januar wurde er, kaum 40 Jahre alt, seiner segensreiohen Thätigkeit entrissen, bevor er seihe Vulcanstudien hatte abschliessen können. Von seinen übrigen Schriften erwähnen wir hier: Über die typischen Verschiedenheiten im Bau der Vulcane und deren Ursache 1866; Über die Wellen des Meeres und ihre geologische Bedeutung, 1872; Centralamerika und der interoceanische Kanal, 1873.

SSmelU, Graf G. C. de, wurde am 5. Juli 1845 im Schlosse Arville bei Metz geboren. Nachdem er längere Zeit als Offioier der französischen Armee angehört hatte, trat er 1878 mit nur unzureichenden Mitteln eine Forschungsexpedition in das Gebiet des Niger und Benue an, die er sogar bis zum Schari auszudehnen gedachte. Aber bereits bei Zuwo, wenig oberhalb der Mündung des Benue, zwangen ihn seine mangelhafte Ausrüstung und Fieber* anfalle, nach Frankreich zurückzukehren. Da er hier für eine grössere Expedition nicht die erforderlichen Mittel aufbringen konnte, trat er in den Dienst einer französischen Handelsgesellschaft, um deren Beziehungen im Gebiete des Niger zu erweitern, und befuhr denselben im Sommer 1880 zu wiederholten Malen, wobei er eine Reihe von Faotoreien anlegte. Da seine Gesundheit wiederum stark gelitten hatte, trat Graf Semelle- die Rückreise an, starb aber an den Folgen der Dysenterie am 22. October, 3 Tage vor der Ankunft in Madeira.

Walion, L., welcher mehrere Jahre als Bergingenieur in Atschin thätig gewesen war, wurde 1879 von dem französischen Unterrichtsministerium mit einer Forschungsreise nach dem nördlichen Sumatra betraut. Nur wenige Tagereisen von der Küste entfernt wurde er mit seinem Begleiter Guillaume am 15. März von den Malaien ermordet. Berichte über seine früheren Forschungen sind in den Annales de l'Extr&me Orient veröffentlicht.

Wengg, K. G., Kartograph, bekannt durch seinen Topogr. Atlas der kgl. Haupt- und Residenzstadt München (1858), durch seine Generalkarte von Mitteleuropa, Eisenbahnkarten &c, starb am 29. December in München, 66 Jahre alt

Zehme, A., welcher sich durch sein Werk: Arabien und die Araber seit 100 Jahren, 1875, sowie durch spätere im Globus veröffentlichte Aufsätze um die Kunde dieses Landes verdient gemacht hatte, starb am 29. April in Frankfurt a/M.

Aus dem Jahre 1879 sind nachzutragen: Brandt, J. F., geh. 25. Mai 1802 zu Jüterbogk, hatte seit 1821 in Berlin Medicin studirt, sich dann aber ganz der Naturwissenschaft gewidmet und die bescheidene Stelle als Conservator des anatomischen Museums bei der Berliner Universität angenommen. Nachdem er sich 1828 als Privatdocent habilitirt hatte und durch mehrere wissenschaftliche Arbeiten bekannt geworden war, wurde er 1830 von der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg als Adjunct für das Katheder der Zoologie berufen. Er beschränkte Bich jedoch nicht auf diese, sondern beschäftigte sich auch mit anderen Zweigen der Naturwissenschaften, besonders mit Botanik, und machte verschiedene Reisen in die Krim, nach dem Kaukasus &c, die der Wissenschaft gute Friiohte brachten. Brandt wurde bald zum ausserordentlichen und dann zum ordentlichen Mitgliede der Akademie erwählt. Seine Lieblingsbeschäftigung war die Erweiterung und Ordnung des zoologischen Museums, das, Dank seiner Fürsorge, die glänzende Gestalt erhielt, die es heute hat. Daneben leitete er als Studien - Inspector der Petersburger Schulen und des Marien - Fräuleininstituts die Beschäftigungen in denselben; auch fungirte er als Professor für Zoologie und vergleichende Anatomie bei der medico-chirurgischen Akademie. Die literarische Thätigkeit Brandt's war sehr bedeutend, und die Zahl der zu verschiedenen Zeiten von ihm veröffentlichten Abhandlungen beläuft sich auf mehr als 300. Viele derselben haben auch Bedeutung für die Geographie, da Brandt besondere Aufmerksamkeit der Zoogeographie und der Paläontologie zuwandte. Er starb am 3./15. Juli im Badeorte Merrekul im Finnischen Golf.

Cadell, Capt. F., Erforscher des Flusses Murray in Australien, trat als Midshipman in die Ostindische Marine ein, in welcher er mehrere Feldzüge, namentlich 1840 gegen China mitmachte. Später studirte er die Schiffsbaukunst, ging dann nach Amerika, um sich in der Flussschifffahrt auszubilden, und kam 1848 nach Australien in der ausgesprochenen Absicht, die Schiffbarkeit des bereits seit 1829 bekannten, aber ziemlich unbeachtet gebliebenen Murray zu erproben. Mit einem selbst erbauten Boote befuhr er 1851 den Murray von dem jetzigen Orte Swan Hill bis zum Lake Victoria unterhalb der Mündung des Darling, und wies durch Sondirungen und sorgfältige Untersuchungen des Strombettes nach, dass diese Strecke des Flusses sehr wohl zu Handelszwecken zu befahren sei. Zwei Jahre später vollbrachte er mit einem selbst erbauten Dampfer das Wagniss, die Barre vor der stark versandeten MurrayMündung zu passiren und dadurch den Beweis zu liefern, dass mit einiger Vorsicht das FlusssyBtem von Neu-SüdWales und Victoria mit dem Weltverkehr in directe Verbindung gebracht werden könne. Beide Entdeckungen, die für die Erschliessung der beiden Colonien von höchster Bedeutung waren, machten den Namen des glücklichen Forschers in ganz Australien berühmt. Im Jahre 1867 wurde

Cadell von der südaustralischen Regierung mit einer Entdeckungsreise im Golf von Carpentaria betraut, auf welcher er die Schiffbarkeit des Roper-River constatirte. Seitdem führte der Reisende ein fast abenteuerliches Leben in den chinesischen Gewässern und in der Südsee, um Handel mit den Insulanern zu treiben. Bei einem Besuche der BandaInseln wurde Cadell, vermuthlich auf Ceram, in der Mitte des Jahres 1879 von einem Malaien ermordet.

Chiarini, G., Afrikareisender, wurde am 23. Juni 1849 zu Chieti in Italien geboren. Nachdem er die Schule seiner Vaterstadt und in Neapel absolvirt hatte, studirte er an der Universität der letzteren Stadt Mathematik und Naturwissenschaften und bemühte sich, durch Studienreisen in den Apenninen zur Erforschung derselben beizutragen und gleichzeitig seinen Körper abzuhärten. Seine Beobachtungen sind im Bollettino del Club Alpino Italiano niedergelegt. Als im J. 1875 die Entsendung der Antinori'schen Expedition nach Schoa beschlossen wurde, verzichtete er auf die Aussichten einer glänzenden Carriere in der Heimath, um sich dieser anschliessen zu können, und trat am 4. März 1876 die Reise an. Nach längerem Aufenthalte an der Küste erreichte er glücklich Schoa, und begann in Begleitung deB Capt. Cecchi im Mai 1878 den Weitermarsch nach Kalla und den Quellseen des Nil. Aber bevor sie Kaffa erreichten, wurden sie in dem kleinem Ländchen Gera von der Königin gefangen genommen, Chiarini trat den Rückweg nach Schoa an, musste aber aus Mangel an Proviant zurückkehren und erlag in dem Orte Kialla in Gera am 5. October 1879 den Strapazen und Entbehrungen.

Jacquinot, C. H., französischer Viceadmiral, wurde am 4. März 1796 in Nevers geboren. Nachdem er unter Leitung des Com. Gauttier sich in der Vornahme astronomischer Aufnahmen ausgebildet und an der Aufnahme des Schwarzen Meeres 1820—1822 Theil genommen hatte, begleitete er Dumont d'Urville auf dessen erster Erdumsegelung 1822—25, wie auch auf der zweiten berühmten Fahrt auf der „Astrolabe", 1826—29. Als d'Urville sich zu seiner dritten Weltumsegelung anschickte, erbat er für seinen bisherigen Begleiter das Commando des zweiten Schiffes „Zelee", während er selbst die Führung der „Astrolabe" übernahm; nach 42monatlicher Abwesenheit, 1837 —40, kehrte die Expedition, welche bekanntlich wichtige Entdeckungen im Antarktischen Oceane gemacht hatte, nach Frankreich zurück. Nach dem unerwarteten Tode d'Urville's, welcher 1842 mit seiner Gattin und seinem einzigen Sohn bei einem Eisenbahnunfalle der Paris-Versailler Eisenbahn verunglückte, wurde Jacquinot mit der Redaction des Reisewerkes beauftragt, welches bis 1854 unter dem Titel: Voyage au Pol Sud et dans l'Oceanie in 23 Bänden erschien. 1852 zum Contreadmiral und 1855 zum Viceadmiral ernannt, trat Jacquinot 1860 in die Reserve über; er starb Ende 1879.

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Geographischer Monatsbericht.

Europa.

Den Besitzern von Spruner-Menke'a Historischem Atlas wird es angenehm sein, zu erfahren, dass in demselben Verlag von J. Perthes in Gotha die Ausgabe eines „historischgeographischen Wörterbuchs des deutschen Mittelalters" begonnen hat. Von dem Universitäts-Bibliothekar Dr. Herrn. Oesterley ausgearbeitet, ist es eine, auf umfassendsten Quellenstudien beruhende lexikalische Zusammenstellung der deutschen Ortsnamen , die von den deutschen, zum Theil auch von den niederländischen, slavischen und anderen ausserdeutschen Geschichtsschreibern des Mittelalters erwähnt werden, unter Angabe ihrer verschiedenen Namensformen , der Zeit ihrer Erwähnung, der daran geknüpften bedeutenderen Ereignisse und der Quellen. Der Umfang des Werkes ist auf ca 60 Bogen berechnet, die Ausgabe erfolgt in Lieferungen von 5 Bogen a 2,40 Mark und die Vollendung des Ganzen wird im Laufe des Jahres 1882 erfolgen.

Die vom Kaiserl. Statist. Bureau in Strassburg herausgegebenen „Statistischen Mittheilungen über Elsass-Lothringen" enthalten im 14. Heft gelegentlich einer Übersicht der Ernteerträge eine vergleichende Tabelle der Bodennutzung im Deutschen Reich und der grösseren Bundesstaaten:

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Summe der nicht landwirtschaftlich benutzten Fläche . . . 36,12

Zusammen

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100 100 100 100 100 100 100 100

E. W. Benecke und E. Cohen schliessen ihre „Geognostisch'.1 Beschreibung der Umgegend von Heidelberg" (s. 1879, S. 112; 1880, S. 435) mit den Abschnitten über die Jura-, Tertiär- und Quaternär-Formationen, denen noch ein dankenswerter zusammenfassender „Rückblick" angehängt ist.

An der spanischen Reise des Kronprinzen Rudolph von 1879 nahmen ausser dem Prinzen Leopold von Bayern und einigen Cavalieren Dr. Alfred Brehm, der Präparator des zoologischen Museums in Wien, Zelebor, sowie Ludwig Holtz von der Universität Greifswald, ebenfalls als Präparator der zu erlegenden Vögel und sonstigen Thiere, Theil. Auf Grund seiner Tagebuchsnotizen hat nun Holt% eine Beschreibung dieser Reise veröffentlicht: „Um und durch Spanien. Reiseskizzen &c. Wien, A. Hartleben's Verlag, 1881", ein kleines anspruchsloses Buch, das fast ausschliess

lich die eigenen Eindrücke und Anschauungen wiedergiebt, nebenbei naturhistorische Notizen enthält und wohl geeignet ist, den Leser mit dem Charakter der besuchten Landschaften und Städte, dem Reise- und Volksleben in Spanien , dem neuesten Standpunkte entsprechend, bekannt zu machen. Die Reise berührte Barcelona mit Montserrat, die ganze südöstliche Küste von Valencia bis Gibraltar, ferner Tanger (an der Marokkanischen Küste), Cadiz, Lissabon, Santander und auf zweimaligen Fahrten nach Madrid, von Valencia und von Santander aus, auch beträchtliche Strecken des Innern.

Asien.

An der Westküste der Insel Sachalin liegt unter 47° 3' N. Br. eine kleine Bucht, Namens Maucka Cove. Ihre grösste Ausdehnung, von Ost nach West, beträgt nicht mehr als 2 Kabellängen oder 240 Klafter und die Breite etwa 1 Kabellänge, aber sie bietet den sichersten Ankerplatz in der dortigen Gegend. Hier etablirte sich vor Kurzem eine Gesellschaft, welche von der russischen Regierung das Recht der Ausbeute an Seegras, Trepang, Fischen &c. auf zehn Jahre erworben hat. Die kleine Colonie besteht aus drei Europäern mit 7 russischen Soldaten und ca 700 Ainos, Koreanern und Chinesen als Arbeitern. Ausserdem liegen südwärts von der Maucka-Bucht der Küste entlang etwa ein Dutzend Ansiedelungen von Ainos und Koreanern, die ebenfalls für die europäischen Händler arbeiten, und eine Verbindung mit der Ostküste wird durch Hundeschlitten unterhalten , welche die Ainos gut zu führen verstehen. Der Fisohfang liefert sehr reiche Erträge namentlich an Heringen, Kabeljau, Lachs, Forellen und Butten, aber auch das Land bietet manche Ausbeute, besonders an Bären, Hasen Birkhühnern, und im Winter an Zobeln und kostbaren Fuchspelzen.

In den Bergen des nördlichen Japan, welche die Flüsse Kitakami und Noshiro von einander scheiden , findet man auf Knipping's Karte einen Ort Osarasawa angegeben, an der Grenze der Provinzen Ugo und Rikuchiu, etwa 2 Tagereisen nordwestlich von der Stadt Morioka. Wie wir aus einer Zuschrift an den „Japan Herald" vom 27. November 1880 ersehen, befindet sich dort ein sehr bedeutendes Kupferbergwerk mit Rost- und Schmelzöfen &c. Von den 3000 Bewohnern des Ortes sind 2000 unmittelbar bei den Minen- und Hüttenarbeiten beschäftigt, es werden monatlich ca 320 Tons Roherz gefördert und daraus im Durchschnitt 30 Tons metallisches Kupfer gewonnen; aber die Ausbeute könnte eine ungleich grössere und gewinnbringendere sein, wenn europäische Maschinen und Methoden angewendet würden.

Der gegen Ende vorigen Jahres erschienene „Report of the General Trigonometrtcal Survey of Japan. Astronomical Section. Part I, 1880. Bureau of Survey, Geographical Department" (68 Seiten Quart mit Tafeln) enthält ausführliche Angaben über die Instrumente, Correotionen, die zu Zeit- und Breitenbestimmungen benutzten Sterne &c. Die Resultate sind:

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