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belebt. Ein sehr langer und spitzflügliger kleiner Falke, oben dunkelgrau, unten weiss, flog hier paarweise, vielleicht Chelidopteryx Eiocourii. Um 4 Uhr 55 Min. Nachmittags wurde südlich von Wädelai zur Nacht gehalten. SorghumFelder und viele Dörfer, aus denen man sofort Holz zum Verkaufe brachte, waren hier bemerkbar. Am auffälligsten und unnützesten war ein Mann, der einen kleinen, früher von mir an Wadelai's Bruder gegebenen Spiegel, an einem gekrümmten Stock aufgehangen, als Trophäe umhertrug und durch den Sonnenreflex alle Welt genirte. Sechs Tagemärsche von hier nach Westen soll man auf ein grosses, westlich fliessendes Wasser kommen. Es heisst UäY.

Da die eigentlich durch Dr. Junker's Reise schon entschiedene Frage nach einem Abflüsse von hier nach Westen von anderer Seite immer noch verfochten wird, gingen wir von hier nach Bora, wo ein Chef wohnen soll, der diesen westlichen Chor kennt. Nachdem dieser, Libba genannt, aufgefunden und durch kleine Geschenke zur Führung gewonnen worden, wurde der Fluss gekreuzt; als wir jedoch an der von ihm bezeichneten Stelle anlangten, fanden wir nur eine weite Einbuchtung ohne jeden Ausfluss vor. Da erbot sich ein Dongolani, uns zu leiten und führte uns etwa 3 engl. Meilen flussabwärts bis zu einer enormen Papyrus-Wand, die uns als Abflussstelle bezeichnet wurde. Nahebei, etwas südlich, liegt ein kleines Madi-Dorf, wo wir anlegten, aber die Leute entflohen und waren nur nach vieler Mühe zur Annäherung zu bringen. Als ich ihren Chef, einen jungen Mann von etwa 18 Jahren, bat, mich zu dem Chore zu fuhren, war er dazu bereit, unter der Bedingung, dass ich unbewaffnet mit ihm gehe, und so ging es denn vorwärts; leider war es schon sehr spät geworden. Nach ca 3 km Marsch durch hohe Gras-Djungel sahen wir vor uns in anderen 2J—3 km Entfernung ein von ONO nach WSW in grossem Bogen ziehendes Sumpfbett von 1—1J km Breite völlig durch Pflanzenwuchs geschlossen. An den Seiten enorme Papyrus-Wucherungen, in der Mitte anscheinend Gräser und Rohr; nur hie und da wurde eine kleine Wasserfläche sichtbar. Nach Aussage der Neger soll dieser Wasserlauf weit in's Land hineingehen, weiter oben aber zu Fusse passirt werden können. Der Eindruck, den er auf mich machte, ist der eines alten Flussbettes oder eines

versumpften Altwassers. Der Madi-Name ist „Lärrogoi". Gerade mit Sonnenuntergang kehrten wir zum Dampfer zurück. Um viele Felder waren niedere Strohzäune geführt, um sie gegen das Wild zu schützen. Elepbanten sollen sehr zahlreich sein. Auf Gerüsten hingen mächtige Fische zum Trocknen.

Eine mehr als viertelstündige Fahrt brachte uns von hier zur Meschra es-Seid, wo der Leute wegen übernachtet wurde, und am nächsten Morgen um 11 Uhr langten wir nach durch starken Wind sehr verzögerter Fahrt wieder in Dufile an.

Der kurze Aufenthalt hier war zunächst der SammluDg und Zusammenstellung eines Vocabular der Madi-Sprache gewidmet, die allen hier gesprochenen Sprachen völlig fern steht, dagegen entschiedene Verwandtschaft mit den Makraka-Sprachen zeigt. Zu sammeln war nicht viel, da in der Nähe der Station Alles niedergebrannt war und überhaupt kein Wald und nur sehr vereinzelte Hochbäume daselbst existiren. Chef Abu Nachra von der Westseite des Flusses gab mir interessante Notizen über die Madi-Stämme und bestätigte meine Vermuthung, dass Chor Lärrogoi nur ein Altwasser sei, vollständig.

Von Dufile aus schlugen wir zur Vervollständigung früherer Aufnahmen einen neuen Weg ein und gingen über Djebel Labilla nach Fatiko und Fauvera, Routen, die anderweit bereits erwähnt wurden. Von Fatiko aus waren bereits Communioationen mit der neuen Station Wädelai eröffnet worden und erhielt ich Briefe von dort in 2J Tagen. Der Weg ist: Fatiko—Djebel Nurvira (Dj. el Adjiiz) 5—6 Stunden; Djebel Nurvira—Fagahk 6 Stunden; von hier zum Flussrande 2J—3 Stunden.

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Erkundigungen im äquatorialen Ost-Afrika.

Von Clemens Denhardt. Zeitz, September 1880.
(Mit Karto, ». Tafel 1.)

I.

Das 1. Heft des Jahrganges 1877 dieser Zeitschrift brachte eine Nachricht Über mein Forschungsunternehmen. Seither ist von demselben nichts wieder laut geworden, oder es gelangten doch nur incorrecte Angaben darüber an die Öffentlichkeit, welche zu widerlegen es mir an Zeit und Neigung mangelte; überhaupt unterblieben bezügliche Publikationen auf meine an betreffenden maassgebenden Stellen geäusserten Wünsche, weil Veröffentlichungen meinen Angelegenheiten mehr Schaden als Nutzen gebracht hätten; nach Abschluss der Reise aber war ich lange Zeit leidend und zu Arbeiten solcher Art unfähig.

Meine erste, wenn auch nur oberflächliche Andeutung über den Verlauf des Unternehmens gebe ich in diesen Blättern, weil diess mir als eine Pflicht erscheint gegenüber dem Andenken des Prof. Dr. A. Petermann, des Begründers dieser Zeitschrift, welcher mit ausserordentlicher Liebenswürdigkeit die erste Förderung meiner Angelegenheiten durch sein gewichtiges Urtheil und seine weitgehenden Beziehungen eintreten Hess. Diese erwarben mir Interesse und Unterstützung hochherziger, vermögender Männer und weitsehender Vereine, denen an Erweiterung des Wissens und des Verkehrs liegt. So ward bei meinen eigenen geringen Mitteln in aller Stille die Ausführung des Geplanten in bescheidener Weise ermöglicht, ohne Unterstützung einer Regierung. In einem späteren eingehenden Reiseberichte werde ich das Zustandekommen des Unternehmens, unter Nennung der gütigen Förderer desselben und unter Abstattung meines Dankes, darlegen.

Der um die Geographie Ost-Afrika's so sehr verdiente Dr. Otto Renten nahm in wirklich aufopfernder Weise sich seit dem Jahre 1875 meiner an; er bereitete mich speciell für meine Aufgaben vor und plante und berieth mit mir, auf Grund seiner eigenen reichen Erfahrungen, alle Theile der Unternehmung; ihm allein ist zu danken, dass dieselbe bei bescheidensten Mitteln so gut vorbereitet war, wie wohl wenige ähnliche unserer Zeit, und dass sie Erfolge erzielte!

Anfänglich war Untersuchung und Festsetzung am Juba geplant, an welchem Freiherr C. Cl. von der Decken und seine unerschrockenen Gefährten für die deutsche Forschung mit ihrem Leben eintraten; dann aber ward der Plan auf den Tana übertragen, weil nicht zu bezweifelnde Nachrichten über gänzliche Änderung der socialen Verhältnisse an jenem Strome diess nothwemlig erscheinen Hessen; — und auch über die Zustände in den Ländern an

diesem Flusse liefen beachtenswerthe Berichte und Meinungen ein, welche den von R. Brenner gegebenen, dem Projeet Anfangs zu Grunde gelegten Schilderungen der dortigen Zustände gänzlich widersprachen. Bei solcher zweifelhaften Sachlage wäre Festhalten am ursprünglichen Plane unverantwortlich gewesen; als das Naheliegendste, Notwendigste drängte sich daher eine Untersuchung des Tana und Feststellung der dortigen Völkerverhältnisse auf. Das ward denn auch nach Kräften vollzogen, um die notwendige, sichere Grundlage zu schaffen für spätere Unternehmen wie das ursprünglich geplante.

In Gemeinschaft meines Bruders Gustav und des uns befreundeten Dr. med. G. A. Fischer aus Barmen vollzogen sich die beregten Untersuchungen.

Durch den Bau von Instrumenten und durch Weiterführung der Vorbereitungen schob sich meine und meines Bruders Abreise von Deutschland bis zum 19. December 1877 hinaus, während Dr. Fischer etwa ein Jahr früher dieselbe antrat, um zur Klärung der uns zunächst interessirenden Thatsachen durch eigene Umschau beizutragen.

Die Herren Gebrüder Heinrich und Ludwig Hansing in Hamburg, Inhaber der dortigen grossen Firma Hansing & Co., gewährten in liebenswürdigster Weise unentgeltliche Beförderung unserer Personen und unseres Gepäckes nach Sansibar und zurück mit ihren Schiffen „Amanda und Elisabeth" und „Suaheli", und Hessen uns durch ihre Vertreter in Sansibar ungemein werthvolle Beihülfen mancher Art während unseres Aufenthaltes dort und der Dauer unserer Reisen zu Theil werden, — Beihülfen, ohne welche wir schwerlich unseren Zielen so leicht und schnell nahe getreten wären.

In Sansibar trafen wir mit Dr. Fischer zusammen, der inzwischen von dort aus den „Sultan von Wito" besucht hatte, welcher uns nach R. Brenner's Berichten am nächsten stehen sollte. Dort fand Fischer fast durchgängig das Gegentheil der früheren Angaben, und es zeigte sich, wie recht wir gethan, den ursprünglichen Plan nach den uns gewordenen ernsten Bedenken zu ändern.

Reisevorbereitungen und ein Ausflug nach der am afrikanischen Festlande belegenen grossen katholischen Mission Bagamojo, deren Mitglieder uns dazu veranlassten und äusserst gastfreundlich aufnahmen, beschäftigten uns bis zum 23. Mai 1878, an welchem Tage wir von Sansibar zur Lösung unserer Aufgaben aufbrachen.

Eine wenig angenehme dreitägige Seefahrt auf einer gebrechlichen arabischen ,,Dau" führte uns nach Malindi. Dort verweilten wir wegen heftiger Regen bis zum 20. Juni und gingen dann, mehrere Tage in Mambrui und Gallitja uns aufhaltend, über diese Orte, das zwischenliegende Gongoni und das später folgende Maräräni, an der Küste entlang bis Kipini am Osi. Von Kipini aus betrieben wir den Ankauf der erforderlichen Tauschwaaren und die Beschaffung von Kähnen zur Fahrt auf den Flüssen Osi und Tana. Diese Vorbereitungen und der verschmitzte arabische Befehlshaber von Kipini und Kau, Said ben Ali, hielten uns vom 5. Juli bis 8. August in Kipini. An jenem Tage fuhren wir den Osi hinauf bis Kau; aber auch diese Übersiedelung nach dem Wohnorte des gefürchteten, mit uncontrolirter Gewalt schaltenden Vertreters des Sultans von Sansibar störte fast gar nicht die Intriguen, durch welche er uns von der Reise nach dem Innern abzuhalten gedachte. Mit Umgehung Said ben Ali's beschafften wir nun durch unsere Leute die nöthigen Kähne aus Orten weit oberhalb von Kau und konnten dann endlich am 27. August dasselbe verlassen. Vom Osi fuhren wir durch den Belesoni in den Tana ein, nach sieben Tagfahrten Munjuni erreichend. Zuvor bereitete uns Said ben Ali jedoch noch zwei kürzere Aufenthalte in Ngao und Engatana, insofern auf seine Veranlassung hin die in der Umgegend von Kau sesshaften Bararetta-Galla zur Forderung hohen Tributes daselbst mit uns verhandelten. Diese Verhandlungen wurden friedlich erledigt, und dann unterblieben weitere Belästigungen.

In Munjuni erwarteten wir Waarenzufuhr aus Lamu, resp. Kau, und setzten dann ungehindert unsere Untersuchungen bis Massa fort, dem von Munjuni acht Tagfahrten entfernten Hauptorte des Districtes Malakote. Hier schlössen wir am 10. November das weitere Vordringen ab wegen der zur Neige gehenden, äusserst schwierig zu ersetzenden Tauschwaaren.

Mit meinem an Dyssenterie schwer erkrankten Bruder kehrten wir in Eilfahrten nach Tjarra zurück; ich untersuchte von dort aus den Tana bis zum Meere und brachte dann meinen Bruder, über Kau und Kipini, zur See nach Malindi und von dort mittelst einer anderen „üau" über Mombasa nach Sansibar. Wir trafen am 3. December 1873 in Sansibar ein, Dr. Fischer dagegen erst einige Wochen später, weil er sich der Jagd halber noch einige Tage in Kau aufhielt.

Meine durch starke Fieber geschädigte Gesundheit kräftigte sich in Sansibar, so dass ich vom 8. April bis 28. Mai 1879 die Umgegend von Mombasa, Ribe und Rabai — freundlichst aufgenommen und unterstützt von den dortigen englischen Missionären —, sowie Theile der Küste bis hinab zum Pangani trianguliren konnte; mein Bruder aber

musste zur Heilung seines Leidens am 7. März die Heimreise nach Deutschland antreten. Dr. Fischer widmete sich in Sansibar ärztlicher Praxis, und da auch ich meine Arbeiten als abgeschlossen ansehen durfte, begab ich mich am 1. Juni 1879 ebenfalls nach Deutschland zurück.

Während unserer Reisen erfuhren wir von Eingeborenen niemals Belästigungen, abgesehen von den uns durch Said ben Ali und den von ihm aufgehetzten BararettaGalla in Ngao und Engatana bereiteten. Überall wurden wir freundlich und zuvorkommend aufgenommen und in unseren Arbeiten nach jeder Richtung hin nicht nur nicht gehindert oder misstrauisch beobachtet, sondern sogar gefördert. Wapokomo und Wagalla ersuchten uns an allen Orten dringend, bei ihnen uns niederzulassen, weil sie gefunden, dass mit weissen Männern besser zu verkehren sei als mit Mohammedanern, deren rücksichtsloseste Bedrückungen sie stillschweigend ertragen müssen.

„Abenteuer" und Gefahren bestanden wir unter so friedliebenden, entgegenkommenden Menschen nicht: wir reisten so sicher und ruhig, wie es nur irgend daheim unter geordneten Verhältnissen geschehen kann. Bei solcher Sachlage vermochten wir uns mit aller Hingebung unseren Aufgaben zu widmen, welche neben den allgemeinen Studien im Besonderen für Dr. Fischer in zoologischen, für uns Brüder in geodätischen und geographischen Arbeiten bestanden.

Unsere Zeit nützten wir so gut wir konnten und trachteten danach, durch möglichst genaue astronomische Ortsbestimmungen und Triangulationen ein festes Netz für die Küsten- und Flussaufnahmen bezüglich der danach herzustellenden Karten zu gewinnen. Magnetische und meteorologische Arbeiten gingen damit Hand in Hand.

Über diese Arbeiten, wie über die Reise selbst, werde ich später eingehender berichten: ihre Ergebnisse sind zu umfangreich, um sich in der Kürze hier in wenigen Zeilen zusammendrängen zu lassen, ohne den Schein grosser Oberflächlichkeit auf uns zu werfen. Heute sollen nur die Factoren gegeben und besprochen werden, welche zur Construction der beigefügten Kartenskizze leiteten.

Ganz besonders hebe ich hervor, dass ich die Karte eben nur als Skizze ansehe: meine Beobachtungen und Messungen sind noch nicht berechnet und kartirt; die Küstenlinie des bereisten Gebietes, Osi und Tana, sind daher nach den bestehenden Karten und oberflächlich eingetragen. Bei künftigen Kartenconstructionen wird der Tana eine willkommene Linie für Anschlüsse anderer Reisen bilden, die mit ihm in Verbindung stehen; in vorliegender Skizze ist in dieser Beziehung Manches unterblieben.

Nächst dem Juba (Djub) zeigt sich der Tana als der bedeutendste Fluss des nördlichen und mittleren Ost-Afrika. Bis Hameje, dem letzten bewohnten Orte, 30 Tagefahrten von der Mündung entfernt, ist der Tana für Fahrzeuge bis zu etwa 1 m Tiefgang fahrbar. Seine Breite wechselt von 70 m an der Mündung und 30 m bei Tjarra zwischen 30 und 100 m, bei einer Tiefe von 4—10 m und einer mittleren Stromgeschwindigkeit von 3—4 Seemeilen in der Stunde. Auf der ganzen Strecke vom Meere bis Massa erhält er, ähnlich anderen afrikanischen Strömen, keine Zuflüsse, entsendet dagegen bei Hochfluthen sein "Wasser in das umgebende Land, es meilenweit überschwemmend. Das gilt namentlich für die Strecke von Tjarra bis Engatana. Von Tjarra bis Ngao kann man selbst bei mittlerem Wasserstande scharf markirte natürliche Ufer nicht unterscheiden; man hat es dort meistens mit künstlich hergestellten zu thun, mit kaum meterhohen Dämmen, die viele Einschnitte zeigen, durch welche die Wapokomo den Wasserzufluss nach den am Flusse liegenden Länderstreoken hindern und regeln. Hinter diesen Dämmen, vielleicht nur einige Centimeter niedriger als der mittlere Wasserstand, befinden sich die Reisfelder der "Wapokomo, über und durch welche das Tana-Wasser nach den weiter landeinwärts sich erstreckenden Niederungen strömt. Dort bilden sich aus dem Fluthwasser grosse seeartige Teiche, die wohl in vielen Fällen, wenn der Wasserstand im Flusse sinkt, ihr Wasser durch die tieferen TJfereinschnitte oder natürlichen Rinnsale wieder an ihn abgeben. Oberhalb von Munjuni benutzten wir derartige erhebliche Ausfluthungen zur Abschneidung starker Stromkrümmungen, zu möglichst schneller und geradliniger Fahrt bei der Heimreise, — Ausfluthungen, welche weiter stromab uns wieder in den Flusslauf führten, sich also dort als Zufluthungen darstellten, einzig hervorgebracht durch die Niveau - Unterschiede des sich sanft zum Meere abflachenden Terrains.

Derartige Überschwemmungen und Fluthrinnsale bedecken und durchschneiden oft das Land weit und bilden dann Verbindungen zu den Nachbarflüssen. Der „Belesoni" („Belondsoni-Canal" von der Decken's, „Khoti" von den Wagalla genannt) ist eine derartige natürliche Wasserverbindung zwischen Tana und Osi, welche von den Wapokomo , auf Veranlassung der Bewohner von Kau, in zweijähriger Arbeit erweitert ward, um einen bequemen Verkehrsweg auch in trockener Zeit zwischen beiden Flüssen zu bilden. Der Belesoni zweigt sich bei Tjarra in einer starken Krümmung des Tana am linken Ufer ab und erstreckt sich in einer Länge von etwa 1J Wegstunden zum rechten Osi-Ufer durch flaches, sumpfiges, teichiges Land, das meist nur wenige Centimeter über das Canalwasser ragt, sonst aber damit in gleicher Höhe liegt. Der Canal bildet viele kleine Curven, geht aber in ziemlich gerader Linie zum Osi. Seine Breite beträgt nicht mehr als 2 m,

verengt sich sogar vielfach bis auf % m, so dass Kähne, namentlich in Curven, häufig feststossen. Die Canaltiefe wechselt zwischen 3/i und 1£ m; die Strömung ist nahe der Abzweigung vom Tana stark, im weiteren Verlaufe schwächt sie sich jedoch bedeutend. Binsen und Schilf wuchern im Belesoni und würden das Rinnsal binnen wenigen Monaten gänzlich durchsetzen und bedecken, wenn es nicht durch stetiges Befahren von Pflanzenwucherungen frei bliebe.

Nur vom Schaggababu, einem hübschen See am rechten Tana-Ufer, möchte ich annehmen, dass er auch in trockener Zeit Wasser zum Tana sendet; vielleicht thun das aber auch die grossen Teiche Dumi und Mokange. Die sonst von uns gesehenen „Zuflüsse" scheinen der bereits geschilderten Art sämmtlich anzugehören oder nur Regenbäche zu sein, welche in den Regenzeiten die atmosphärischen Niederschläge aus den weiten Ebenen beiderseits des Flusses diesem zuführen.

Einstimmig behaupteten die Wapokomo, bei Hochwasser stehe der Tana mit dem Kilifi und Sabaki in Verbindung und man könne dann aus dem Tana durch den Schaggababu nach 2 Tagen in den Kilifi, nach 3 Tagen in den Sabaki mit Kähnen gelangen und sich Fussreisen zwischen diesen Flüssen ersparen. Unglaubhaft erscheint das nicht, nach dem Eindrucke zu urtheilen, den die Uferlandschaften des Tana verursachen, und unter Berücksichtigung von Aussagen der Eingeborenen, denen zufolge das Land zwischen Osi und Sabaki sehr eben ist.

Für einen späteren Verkehr bei gebesserten Zuständen wird diese natürliche periodische Wasserverbindung zwischen Osi, Tana, Kilifi nnd Sabaki sich wahrscheinlich verhältnissmässig leicht zu einer dauernden, zu einem Canale gestalten lassen, ähnlich, wie es Seitens der Eingeborenen bei Tana und Osi durch den Belesoni geschah.

Der Schaggababu stand bis etwa zum Jahre 1873 als in sich abgeschlossener, aber nahe am Tana belegener See mit diesem in Verbindung; in jenem Jahre trat jedoch eine überaus grosse Fluth auf und brach dem Flusse ein neues Bett, leitete ihn in ein Rinnsal, welches vom Tana-Bette nach der südlich belegenen Niederung nahe am See vorüber führte. So trat der Fluss zum See in ganz nahe Verbindung , tangirt ihn und bildet mit ihm auch bei niedrigem Wasserstande eine Fläche, aus welcher nur ein kleines inselartiges Stück des ehemals die Wasserscheide bildenden Landes sich erhebt. Das alte Tana-Bett ist seitdem gänzlich verwachsen und nur noch bei Hochwasser befluthet.

Eigene Quellen und das Flüsschen Tarsaa, welches sich aus einem grösseren Teiche entwickelt, geben dem Schaggababu Wasser. Mir erschien der See in seiner vom Tana her schnell abnehmenden Breite und vielfach gekrümmten Gestalt, als langgestreckte Depression des Terrains, als Terrainfalte, als ein vergrößertes Rinnsal nach Art des Belesoni. Seine Breite wechselte von 5000 bis zu 200 m und seine Tiefe zwischen 12 und 3 m. Das Wasser erscheint grünlich, ist klar und wohlschmeckend; an der Zusammenflussstelle mit dem Tana hebt es sich scharf von dessen durch Lehmtheile roth gefärbten Fluthen ab. Die flachen Seeufer sind wunderschön bewaldet; sie haben zuweilen ein parkartiges Ansehen bei ihren kurzgrasigen, schwellenden Wiesenflächen, reizenden Buschgruppen und köstlichen Durchblicken.

Mit dem Osi Bteht der Tana nur durch den Belesoni und sonst durch seine Fluthwasser in Verbindung; im Übrigen sind es zwei getrennte Ströme. Der Osi, so von den Küstenbewohnern und Wapokomo genannt, von den Wagalla dagegen wegen seines dunklen Wassers als „Galana guradja" („schwarzer Fluss") bezeichnet, hat ganz andere Stromverhältnisse als der Tana. Er entsteht, etwa eine Tagereise weit vom Belesoni, in der Niederung. Manche geben an, dass er aus dem kleinen See „Gambi" laufe; Andere wieder behaupten dasselbe vom Magagoni, der sich bei Kau („Odda ortis" der Wagalla) in den Osi ergiesst und dicht dabei den kleinen Tumembarnba aufnimmt, welcher sich aus den Flüsschen Schungi, Kitoni und Kikoni zusammensetzt.

Mir ward gesagt, das Sohungiwasser sei im Oberlaufe brackig. Leider erhielt ich diese Notiz zu spät und konnte mich nicht überzeugen; bezweifeln möchte ich sie nicht; denn auch in der Ebene rechts vom Tana, unweit von Tjarra, befinden sich Teiche, deren Wasser salzig ist, und im Gebiete Kinakombe steht am linken Tana-Ufer eine salzhaltige Bodenwelle an, die sich nach dem Osi hinzieht.

Breite und Tiefe des Osi zwischen Kipini und Kau stehen der des Tana bei Tjarra nicht nach, verringern sich dann aber ganz bedeutend; die Stromgeschwindigkeit beläuft sich auf 2—3 Seemeilen in der Stunde.

Die Meerfluth macht sich im Osi bis zum Belesoni bemerklich; im Tana dagegen nur bis halbwegs Tjarra.

Der Tana hat im Jahre zwei Fluthen: die erste oder grosse Fluth tritt Mitte oder Ende Mai ein und währt bis Mitte oder Ende September. Der das Land weit überschwemmende höchste Wasserstand fällt in den ersten Fluthmonat; von da an hält sich ein immer noch hoher Stand bis zum Ende des vierten Monats, nimmt dann aber schnell ab. Die zweite, kleine Fluth beginnt Mitte oder Ende October und hält sich günstigsten Falles drei Monate, ungünstigsten Falles nur einen Monat, hat also sich schon gegen Ende November oder im Januar verlaufen. Den niedrigsten Wasserstand zeigt der Tana von Ende Januar bis Mitte Mai. Die Fluthungen hängen mit den beiden Regenzeiten zusammen, welche in die Fluthmonate fallen.

Das Land, in dem diese Ströme fliessen, bildet eine vom Juba bis zum Sabaki sich erstreckende Ebene mit geringen Schwellungen zwischen den einzelnen Strömen. Am Meere wird diese Ebene von Dünenzügen und Lehmhügeln begrenzt , welche auf Korallengebilden lagern; weiter nach dem Innern steigt sie allmählich an bis Ukambani, wo sie sich zu Hochebenen erhebt, welche mit einzelnen Bergen durchsetzt sind und sich als Vorlagen des Schneeberges Kenia darstellen. Ausläufer dieses Bergstockes erstrecken sich in den Hochebenen Ulu und Jata und im NdunguniHügelzuge bis zu den Oberläufen des Sabaki und, bei Ta'kaungu und Mombasa, zum Meere, dort diese grosse Ebene abschliessend.

Am Tana erfolgt die Steigung unmerklich: Massa wird in nicht mehr als 300 m Meereshöhe liegen; erst im Districte Ndera erheben sich die Tana-Ufer bis 2 und 3 m über den mittleren Wasserstand. Hier ist denn auch das Land an wenigen Stellen der Überschwemmung ausgesetzt.

Der Ursprung des Tana, welchen die Küstenbewohner so nennen, die Wapokomo dagegen „Tsana" und die Wagalla „Galana marro" oder „Galana dima", ist im Keniabergstocke zu suchen. Das erscheint unzweifelhaft nach Krapfs Berichten, der ihn unweit des Kenia sah; und auch die Aussagen der Küstenbewohner und Eingeborenen ergeben diess. Bei Hameje werden die Tana-Ufer felsig; die Strömung braust und ist zu Kahnfahrten ungeeignet. Von jener Stelle an wird bergwärts der Fluss von den Suaheli „Gururuma" (vom Suaheliworte „Gurumo" = Donner?), von den Wakamba „Kiloluma" genannt. Er soll aus einem See fallen, der salzhaltiges Wasser hat und, nach Einigen, „Taka Abajila" heisst. Der See liegt N und NO von einem sehr hohen Berge und zwischen hohen Bergen; an seinen Ufern waren vor Jahrhunderten Suaheli ansässig. Man sagt, verwilderte Cocos-Palmen hätten sich von ihren Pflanzungen erhalten und deren Stämme würden manchmal in den Tana geschwemmt. Noch andere Flüsse sollen vom Taka Abajila ausströmen: nach N zu einem kleineren und grösseren See („Lorian" und „Samburu") und nach W zum Baringo.

Die Osi-Tana-Sabaki-Ebene scheint aus rothem Lehm zu bestehen mit grobkörnigem Quarzsande als Untergrund. An den Ufern des Tana zeigte sich die Lehmdecke bis zur Stärke von 3 m, doch war sie mit Humusschichten durchsetzt. Im Gebiete Ndera, bei Kosi, fiel diese Schichtung besonders auf. In der 2J m hohen Uferwand liegen drei mit Humus stark durchsetzte dunkle Schichten, etwa je 25 — 40 cm dick, fast wagerecht. Diess scheinen ehemals Oberdecken des Erdbodens gewesen zu sein. Durch Überschwemmungen ward Lehm auf die Pflan

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