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Dampfer, Cajaten, Kürbisse, Bananen und Hühner wurden gegen Glasperlen ausgetauscht. Wir besuchen ungehindert die kleinen Dörfer. Sie bestehen aus 10—12 zu einem Complex vereinter, halbkugeliger Strohhütten, deren Eingang eigens überdacht ist, wie man diess in Unyöro oft sieht. Sehr saubere, aus Stroh geflochtene, mit rothem Lehm überstrichene und verdichtete Kornbehälter, deren Seiten zwei erhöhte Griffe zeigen, stehen auf Holzgestellen zwischen den Hütten. Mehrere Miniaturhütten sind den Geistern geweiht, aber leer. Ein kleines Sonnendach mitten im Dorfe bezeichnet ein Grab: man weiht dem Verstorbenen das Blut einer Ziege. Gestelle zum Trockenen des Sesam sind schwer behangen mit Bündeln davon. Viele hohe Bäume zieren das Land und beherbergen Mengen von Vögeln, von denen Astur polyzonus, Spizaetus occipitalis, ein anderer braungelber Falke, Nectarinia pulchella, Vidua principalis noch jetzt mit Schmuckfedern, viele Hyphantornis und eine Anthus-Art bemerkt wurden. Spät Abends noch kam ein vom Chef gesandter Bote mit einem grossen Elephantenzahne zum Geschenk für mich; er war beauftragt mich zu fragen, ob ich gute oder schlimme Absichten habe und kehrte, nachdem er genügend darüber sich aufgeklärt, mit Geschenken für seinen Chef und sich selbst zurück.

Die Morgen sind hier in dieser Jahreszeit sehr nebelig, erst heute (17. November) war es mir möglich, ein SonnenCentrum zu nehmen, was 109,5 ergab. Gimoro, der rechte oder Milchbruder deB Chef Wädela'i, kam sodann, von etwa 300 Negern geleitet, mir seinen Besuch zu machen und brachte ebenfalls einen Elephantenzahn zum Geschenk. Er ist ein kräftiger, intelligent aussehender Mann. Um den glatt geschorenen Kopf waren grüne Banken gewunden, seine Arme voll hübschen Eisenschmuckes und seine Kleidung einige über die Schulter geschlungene Ziegenhäute. Nachdem er seine Geschenke in Glasperlen, Stoffen und Kupfer erhalten, erzählte er mir, Wädelai habe selbst nicht kommen können, weil er zum Gehen zu dick sei; der ihm gestern Abends gesandte Kaftan sei zu eng, weil, ,,wenn er sitzt, ein Kind auf seinem Bauche stehen könne". Eine lange Verhandlung führt zu befriedigendem Schlüsse; gegen das Versprechen, die Soldaten streng zu beaufsichtigen, erhalte ich die Erlaubniss, eine Station anzulegen. Während auf meine Bitte mir sofort Holz für den Dampfer herbeigeschafft wird, bietet sich Gelegenheit, die Leute näher zu besichtigen. Der ganze District Wädelai's heisst Kö'tsche, was von den Schuli und Wany6ro wie Kdsche ausgesprochen zu dem auf Baker's Karte figurirenden Koshi geführt hat.

Der genannte District bildet eine der vielen Unterabtheilungen des grossen Landes Lur oder A-Liir, das von den südlichen Grenzen des Madi-Landes in unbekannter Aus

dehnung nach Süden sich erstreckt, während der Fluss und der Mwutan-Nzige seine Ost- und Liibara '), sowie eine Reihe noch völlig unbekannter Länder, wie Lendü, seine Westgrenze bilden. Die Sprache der Wädelai oder vielmehr Kö'tsche-Leute ist das A-Liiri, dem Schuli sehr nahe stehend und von ihm wohl nur dialectisch verschieden. Wir werden später Gelegenheit haben, auf Land und Sprache zurückzukommen. Die Leute sind ein hübscher Schlag, meist von Mittelgrösse, schwarz mit einem rothbraunen Schimmer, mit schönen Zähnen und kleinen Füssen. Die zur Kleidung dienenden Häute und Felle waren meist von Bindern und Ziegen, seltener von Zwergantilopen; sie werden über der rechten Schulter geknüpft. Rindenstoffe, die aus Unyoro gebracht werden, sind selten sichtbar. Wird auf Kleidung wenig gehalten (die getragenen Felle waren meist zerrissen), so sind Schmuckgegenstände und Bemalung um so mehr gepflegt. Alle Haarrfisuren waren vertreten: die Perücken und Kauri-Kappen des östlichen Schiili-Landes, die Thurmfrisuren des westlichen Lango, spiralig aufgewundene Flechten , Korkzieher - Löckchen. Viele hatten ihr Haar dunkelroth gefärbt. Noch grotesker war die Bemalung. Eine Schöne hatte die Beine grau mit rothen Linienmustern und auf jeder Wange einen hochrothen Fleck gemalt. Durchbohrte Unterlippen, gewöhnlich mit einem langen Strohhalm darin, waren häufig zu sehen. Von Schmuck wurden Eisenzierrathe aller Art — Eisenperlen ausgenommen —, Elfenbeinringe, Colliers aus Zähnen, lange, conische Messing-Ohrgehänge, Halbmonde aus Messing beobachtet. Sehr beliebt schienen auch die Panzer-Halsbänder aus übereinander gereihten Eisenringen von unten nach oben enger werdend. Messing und Kupfer schienen im Ganzen selten zu sein. Über Gebräuche und Sitten war bei dem so kurzen Aufenthalte natürlich kaum Etwas zu erfahren.

Es bestehen sehr lebhafte Beziehungen zwischen den Schuf i am Ostufer und den hiesigen Leuten; Station Fatiko ist über Fagäkki und Fäbbo am 3ten Tage zu erreichen. 6 — 7 Tage Marsch nach Westen führen nach Lübara, das westlich an Kallika grenzt. Ein grosser Fluss soll in Südwest existiren, doch hat ihn Niemand gesehen. Abflüsse des Bahr el-Djebel nach Westen existiren hier entschieden nicht.

Der Aufenthalt ist leider zu kurz — wenige Stunden —, um weitere Ausflüge zu machen. Eigenthümlich für hier sind Massen von Fliegen, anscheinend die gewöhnliche Hausfliege , ebenso erschien am Abend auf dem Verdeck des Dampfers eine grünliche Florfliege in solcher Menge, dass ganze Haufen davon zusammengekehrt werden konnten.

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Das Aneroi'd gab um 10 Uhr Vormittags 703,5 bei 27,5°. Etwas später setzten wir unsern Weg fort. Der Fluss wird von hier an freier und auch die Vorlagerungen an den Ufern schwinden. Viele, viele Dörfer werden passirt. Hippopotamus sind viel seltener als weiter im Norden, vermuthlich des tiefen Wassers wegen; von Vögeln waren nur die überall gemeinen Ardea, Plotus und Graculus zu sehen. Ceryle rudis, sonst so gewöhnlich, wird nach Süden zu seltener. Nach einer langsamen Fahrt von 5h 17', gegen sehr starke Strömung, legen wir am Fusse einer Hügelkette an, um einen andern Chef zu sehen. Leider sind, als wir das hinter den Hügeln gelegene Dorf erreichen, alle Leute entflohen und wir haben einen Dragoman zum Parlamentiren zu senden. Etwa 10 kleine Strohhütten, vor denen die Murhakka (Reibstein) und der zum Zerreiben bestimmte Talabün (Eleusine) liegen, ein Haufen wilder Wassermelonen, die hier in Menge wachsen, kleine Strecken mit einer Gynandropsis-Art bewachsen, die zum Essen dient, viele Cajaten und Sesam fallen zunächst auf. Alle Häuser sind durch eine Querwand in zwei Räume getheilt. Nachdem es gelungen, einen Mann zur Rückkehr zu bewegen, verspricht er mir, seinen Chef zu rufen. Sprache, Kleidung, Bewaffnung der Leute sind hier wie in Wädela'i's Land. Der hiesige District heisst Farroketto. Die Entfernungen sollen sein: nach Kö'tsche 6 — 7t; nach Mahägi (Station) 8h. Den nächsten Morgen wurde uns eine ablehnende Antwort gebracht; Chef Roketto hat sich verletzt gefühlt, dass wir nicht direct zu ihm gekommen sind.

So fuhren wir denn zeitig weiter, immer am Westufer hin, auf dem viele Dörfer zerstreut liegen und auffällig viel Euphorbien wachsen. Der Druck der Strömung scheint mehr auf das Ostufer zu wirken, weil am Westufer weite Strecken neuer Anschwemmungen bloss liegen und kaum angefangen haben, sich mit Pflanzenwuchs zu decken. Geradezu auffallend ist es, dass auf dieser ganzen Strecke weder Gänse noch Enten zu sehen waren; sehr häufig dagegen zeigten sich Trupps von Antilopen (A. ellipsiprymna u. A. senegalensis). Im See selbst, den wir bald darauf erreichten, flog eine kleine Sterna, leider unerreichbar. Einer der häufigsten, auch schönsten Vögel dieser Gegenden ist Haliaetos vocifer.

Um 2 Uhr 40 Min. Nachmittags erreichten wir Station Magungo, wo ein längerer Aufenthalt genommen werden soll. Für die Strecke Dufile-Magungo ergiebt sich 31t 58' Fahrzeit, was mit den früheren 35h 00' und 34h 46' ziemlich gut übereinkommt. Rechnen wir als Durchschnittsgeschwindigkeit auf 1 Stunde 4 engl. Meilen, so ergäbe sich eine Entfernung von nahezu 128 engl. Meilen. Zwischen Farroketto und Magungo fuhren wir 5h 28', der starken Strömung halber. Aneroi'd im See: 701,5—31,0°; in Magungo bei der Ankunft: 700,0—32,5°.

Der Aufenthalt in Magungo wurde, soweit diess mit anderweitiger Beschäftigung sich vertrug, zum Sammeln benutzt, und obgleich Mangel an Schiessmaterial und Spiritus, sowie mehreren anderen nöthigen Dingen — wir waren nahezu 2 Jahre durch die Verstopfung des Flusses von jeder Communication mit Khartum abgeschnitten —, obgleich all' diess und der noch empfindlichere Mangel an Schreibpapier die Arbeit einigermaassen beeinträchtigte, wurde doch viel des Guten und Schönen zusammengebracht. Die mir zur Disposition gestellte Seriba, ausserhalb der Station gelegen, hatte in ihrer Mitte eine prachtvolle Sycomore, in deren dichtem Blätterwerk sich eine Fülle von Leben barg. Abgesehen von den Vögeln, die dort sich eingenistet, als Spermestes cucullatus und die prachtvoll singende Crithagra musica (leucopygia), waren es besonders Baumschlangen von oft über 1 m Länge und bis zu 5 cm Umfang, welche hier ihr Wesen trieben. Ebenso waren Chamäleone nicht selten. Im Hofe selbst trieben sich Motacilla flava var. griseocapilla und M. vidua umher, eifrig singend und sich unter einander heftig befehdend. Auch Nattern Hessen sich häufig sehen: ein gefangenes Exemplar war bei 1,82m Länge 10 cm dick. Alles Holzwerk war überdeckt mit einer blauen, weissgestreiften Cerambyx-Art. Zahlreiche verstümmelte Männchen legten Zeugniss ab für die hitzigen Kämpfe, die wir unter ihnen beobachten konnten. Zahlreiche Insecten, meist den Lainellicornien angehörig, wurden im Hofe selbst erhascht. Oryctes nasicornis, ein Weltbürger wie es scheint, ist hier häufig. Nahe am Flusse in einer Reihe von Lachen tummelten sich Nepa, Nectodonten, Dytiscus und niedere Formen, die leider wegen Mangel an Spiritus unberücksichtigt bleiben mussten.

Der nahe Wald lieferte eine ebenso reiche Ausbeute an Vögeln, unter denen vieles, wenigstens für Ost-Afrika Neues, sich finden dürfte. Hier gelang es mir zu meiner Freude, eine Nestcolonie des stattlichen Coryphegnathus albifrons aufzufinden und Nester und Eier derselben zu sammeln. Der Vogel ist manche Jahre selbst in Ladö nicht selten, wie viele von mir dort gesammelte Exemplare beweisen; manche Jahre aber verschwindet er völlig. Ebenso wurde Nest und Junges von Pogoniorhynchus bidentatus in einem hohlen Baume gefunden. Die Hyphantornis-Schwärme sind hier gradezu unzählbar; 5 Arten wurden gesammelt. Ein Ausflug nach Station Kiröta nahm einige Tage in Anspruch, ohne wenigstens für Sammlungen Resultate zu gewähren, wenn auch ethnologische Objecto mitgebracht wurden. Über Kirota selbst, sowie über Magiingo wurde schon früher in meinen Notizen aus Uny6ro ausführlich gesprochen. — Am 6. December war das erste Gewitter zu verzeichnen, eingeleitet von starkem SSW-Winde. Das Aneroi'd stieg kurz vorher auf 702,75.

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Mancka Core auf Sachalin 112

Adrianow's Reise in die Flussthäler des Tom, der Mrassa &c. . 156

Seidlitz, Heise zwischen Kura und Araxes 186

Muschketow'B Erforschung des Serafschan-Glotschers . . .186 Tusraanow's Photographien aus dem ostsibirischen Küstengebiet . 186 Hage und Tegner, Handelsverkehr mit dem westlichen Sibirien . 274

Sommier's Espedition an den unteren Ob 274

Khandaschewski's Reise im Gebiet des unteren Ob . . .271 Moi'sseiew's Exped. zur Aufnahme des unteren Ob 274

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Iran undTuran. r. Kaulbars, Gebiet des unteren Arau-Darja 274 Rivadeneyra, Viaje al interior de Persia ..... 275 Tietze, Bildungen der jüngeren Epochen in Nord-Persien . . 275 Stewart's Reise durch Khorassan, Notizen über die Turkmenen . 470 Indien, llimalaya, Tibot. E. v. Schlagintweit, Indien in

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Biddulph, Tribes of the Hindoo Koosh 228

Tanner, Dar Nur und Tschugani 228

Temple, India in 1880 228

H. T. Schlagintweit, Sie Regenverhältnisse in Indien . 228, 275, 395

Hunter, Imperial Gazettoer of India 308, 395

Baness, Index geographicus 309

Temple, Seengebiet zwischen Sikkim und Chumbi . . . 309

Oldfield, Sketches from Nipal 350

Scully's und Blanford, Höhen zwischen Yarkand und Murree . 350

Harman's Aufnahme von Sikkim 470

Hinter-Indien. Bock's Reise nach Siam .... 230

Dutreuil de Rhins, Carte de l'Indo-Chine Orientale . . . 275 D'Souza's Map of the Malay Peninsula ..... 472

China, Korea. Ratzel, Das neutrale Gebiet zwischen China und

Korea 71

Dutreuil de Rhins, Handelsweg zwischen Europa und Westchina . 229

Seite Mftllendortf, Routenaufnahmen in der Provinz Dshy-li . . . 229 Soltau's und Stevenson's Reise von Birma nach China . . ■ -75 Eröffnung des Hafens Ningseng für die Japaner; Notizen über Fusan 276 Besuch der Ital. Corvette „Vettor Pisani" in Fusan . . . 276 Russisch-chinesischer Grenzvertrag ...... 395

Katscher, Bilder aus dorn chinesischen Leben .... 395

Japan. Reed, Japan, its history &c 34

Bird, Unbeatcn Tracks in Japan &c 34

Rein, Japan nach Reisen und Studien 34

Poststrasse Mikuni-Kaido 35

Neue Karte des Kriegsministeriums ...... 72

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Kupferbergwerk in Osarasawa . . . . . . .112

Report of the Great Trigonoraetrical Survey .... 112

Mittheilungen der Deutschen Gesellschaft für Ost-Asien 156, 276, 471 Metchnikoff, L'empire japonais ....... 186

Milne, Evidences of the glacial period in Japan .... 229

Woolley, Hist. Notes on Nagasaki 230

Mail Lines of the Mitsu Bishi Mail Stearaship C° ... 230

Junker v. Langegg, Segenbringende Reisähren .... 276 Döderlein, Insel Amami-Oshima im Liu-kiu-Archipel . . 276, 471 Knipping's Arbeit über den grossen Taifun von 1880 . . . 276

Kreitner's Karte von Jesso

Müller-Beeck, Notizen über Kazusa und Awa ....
Indischer Archipel. Ferreiro, Karte der Provinz Zambales
Blumentritt, Lage der Provinz Nueva Guipüzcoa ....

Besteigung des Apo-Yulcans auf Mindanao

Riedel's Reise nach dem Watubela-, Kei-, Aru-Archipel

Specialkarte van Atjeh proper

Langen, Nachrichten über die Gajoe-Landen

Werk Über die niederländische Sumatra-Expedition

Garin, Beschreibung der Jolo- oder Sulu-Inseln ....

Bock, Head-Hunters of Borneo .

Kuyper, Onze Oost

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3. Geographische Literatur. Asien 196, 435

III. AFRIKA.

1. Aufsätze. Seite

Ein Ausflug nach Lur am westlichen Ufer des Mwutan-Nzige. Von

Dr. Emin-Bey 1

Erkundigungen im äquatorialen Ost-Afrika. Von Clemens Den

hardt 11, 130

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Zur Hypsometrie von Ost-Sudan zwischen Suakin, Massaua und

Kassala. Von Prof. Dr. K. Zöppritz 68

Meine Reise nach den Nil-Quellseen im J. 1878. Von Richard Buchte 81 Aufzeichnungen über die Route von Ladö nach Dara. Von Robert

W. Felkin 89

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Rundreise in dem südlichen Niamniam-Lande. Überschreitung des

Kibali-Uelle-Makua und Besuch bei den Mangbattu - Stämmen.

Von Dr- W. Junker .

Prof. J. B. Balfour's Forschungen auf der Insel Socotra, 1880
Die Mission Flatters. Von Gerhard Rohlfs ....
Major Serpa Pinto's Reise durch Süd-Afrika, 1877—1879 .
Reisen in Cyrenaica. Im Auftrage der Handels-Erforschungsge-

sellschaft in Mailand ausgeführt von Capt. Camperio und Dr. Ma

moli, Comme Haimann und Herrn Pastore ....

Höhenbestimmungen des Dr. Emin-Bey zwischen Ladö und Maka

raka-Ssugaire. Von Prof. Dr. K. Zöppritz .... Die Sumpfregion des äquatorialen Nilsystems und deren Grasbarren. Von Ernst Marno 411

252 292 298 303

321

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2. Geographische Monatsberichte. Ganz Afrika oder grössere Theile. Lenz' Expedition 113, 187 Serpa Pinto's Wanderung quer durch Afrika . . . .191

Chavanne, Afrika im Lichte unserer Tage 230

H. Kiepert Physikalische und politische Wandkarte von Afrika . 230 Berghaus, Wandkarte von Afrika 230

Expedition Borghese-Matteucci-Massari .

Mailänder Societä d'esplorazione commerciale in Africa

Lannoy's Karte von Afrika

NO-Afrika, v. Müller u. v. Lücken's ostafrik. Reise
D'Arnaud's Karte des Weissen Nil
Gessi-Pascha im Bahr-el-Ghasal-Gebiet .
Purdy-Pascha's Expcd. nach den Kupferminen von Hofrah
Rohlfs' und Stecker's Reise nach Abessinien . 73,

Italienische Colonie an der Assab-Bai .
Zöppritz, Felkin's Höhenraessungen

Schuver's Expedition

Riebeck'sche Expedition in die Arabische Wüste .
Henriot, Wiederaufblühen der Sclavenjagden
Cecchi's Befreiung ans der Gefangenschaft der Gallas
Giglioli, Die in Europa lebenden Akkas
Moktar-Bey, Die Gadibursi-Somali
Emin-Bey's Reisen am oberen Nil . .' .

Berichte von Cecchi und Chiarini ....

Reinisch, Kunama-Sprache

Hill, Colonel Gordon in Central-Africa, 1874—79
Marno's Aufnahmen des Bahr-el-Abiad &c. .
Giulietti's Reise von Zeila nach Harrar
Pinchard's Reise zu den Arussi-Gallas .
Revoil's Forschungen im Somali-Lande.
Pearson's Position von Rubaga ....
Antinori's Höhenmessungen in Schoa .
Bianchi's Notizen über Damot ....
NW-Afrika. Mathews, Flora of Algeria .
Masqueray, Aoulad-Daoud, Le Sahara occidental .
Philippe, Etapes Sahariennes ....

Flattere' Expedition durch die Sahara .
de Castries, Specialkarte des oberen Wad Draa
Missionsreise von Richard zu den Tuareg Asdscher

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Eine sehr angenehme Unterhaltung gewährte das Eintreffen einer Partie von Uganda-Leuten, die mir Geschenke von König Mtesa und seinem ersten Minister Katikro, Briefe von diesen, den in Uganda befindlichen Arabern und den französischen und englischen Missionaren brachten. Als Curiosum mag hier erwähnt sein, dass Mtesa auf meine schriftliche Bitte, mir einige in Töpfe gepflanzte Kaffeepflanzen zu senden, mir heute ein Bündel trockener, etwa 1£—2 m langer Aststücke davon zuschickte. Im Gespräch mit den Leuten wurde hier wie schon früher, als ich in Uganda war, der Name Massäba für ein Land nordöstlich von Uganda erwähnt, ohne dass ich dasselbe zu identificiren vermag, falls es nicht das Massäba südöstlich von Mrüli ist.

Nach Abwickelung aller Geschäfte in Magiingo, wo eine Reihe von meteorologischen und hypsometrischen Notizen aufgezeichnet wurde, konnte nun an die Abreise gedacht werden. Vergleichung der Boussole am Lande und im Dampfer durch Visiren nach demselben Objecto ergab für die Landlesung 344 (der Nordpunkt 360) und für die Lesung im Dampfer 159, was für Construction der genommenen Routen in Rechnung zu bringen ist. Ein starker Gewitterregen verzögerte die Abreise und erst um 6 Uhr 43 Minuten Vormittags trug uns Dampfer „Khedive" dem See zu. Gewöhnlich wird die Fahrt über den See nach Mahägi nach Mitternacht gemacht, weil von 9 Uhr Vormittags starke Brisen aus S und SSW über den See fegen. In meist westlicher Richtung passirten wir scbnell den eigentlichen Fluss, dessen Ausweitung in den See von Colonel Mason sehr gut dargestellt wurde, fuhren um 7 Uhr 10 Min. Vormittags an den Doleb-Palmen vorüber, die hier eine Landmarke bilden und gingen noch für einige Zeit des scharfen Windes halber unter dem Lande nordwestlich, dann aber in meist 226 gegen die Berge und längs ihnen hin. Das nicht breite Vorland ('/3—1J engl. Meilen) ist in der ersten Partie des Weges nur mit hohem Grase und wenigen Bäumen bestanden, später aber theilweise schön bewaldet. Viele, meist recht ansehnliche Dörfer liegen hier nahe bei einander. Der See war leicht bewegt, sein Wasser von dunkel-meergrüner Farbe. Von Vögeln wurden nur einige Segler (Cypselus) und Plotus bemerkt. Viel schwimmende Pistia kam vom Winde getrieben von Süden herauf. Das Ostufer war durch Nebel völlig verhüllt. So gelangten wir um 10 Uhr 55 Min. Vormittags zur Station Mahdgi, die nicht an dem von Colonel Mason mit diesem Namen bezeichneten Punkte, sondern etwa 3j—4h nördlicher liegt und eigentlich falsch benannt ist, weil der Name Mahdgi dem südlicheren Punkte gebührt.

Die Ausschiffung ist der geringen Tiefe wegen einigermaassen beschwerlich, wie überhaupt auf der ganzen Fahr

linie längs des Westufers nur 5 — 6 m Tiefe gefunden wurden. Die gesammelten Schlammproben zeigen, dass der Grund im Norden ein tiefschwarzer Humusschlamm, hier aber röthlicher, sehr zäher Thon ist. Die Distanz zwischen Magüngo und hier wurde durch 4h 9' Fahrzeit ausgedrückt, wovon Oh 28' auf die Strecke Magiingo- Doldb-Palmen (flussabwärts), also auf den eigentlichen Fluss kommen. Das Aneroi'd, bei der Abreise aus Magiingo 701,5—22,2°, zeigte hier 700,0—24,5°.

Die kleine Station liegt mitten in üppigen Kornfeldern, hinter ihr erheben sich die ziemlich hohen, sehr steilen Berge in langer Kette und im Ganzen von Nordost nach Südwest verlaufend. Der hohe Djebel Eruku schliesst das Panorama nach Süden zu, während nach Osten scheinbar unbegrenzt der nebelbedeckte See sich ausdehnt. Was nach Westen zu hinter den Bergen liegt, ist nur aus Erzählungen der Neger bekannt.

Nahe der Station liegt ein grosses Dorf Toa, Chef Ssonda gehörig, und dorthin richtete sich mein erster Ausflug. Die Häuser sind in der auch in Uny6ro überall üblichen Weise durch Construction eines grossen, beinahe halbkugeligen Gerippes aus biegsamen Zweigen und Ruthen hergestellt. Dieses wird im Innern durch eine grosse Menge gerader Pfähle, die meist in Reihen gestellt sind, gehalten und nur die Vorderseite zum Eingange besonders gehoben und gestützt. Das Ganze wird dann mit dicken Schichten langen Grases, die bis zur Erde herabgehen, bedeckt und der Eingang besonders überdacht, sodass hier eine Art kleiner, gedeckter Vorplatz entsteht. Das so hergestellte Haus lässt, falls es gross genug, an Sauberkeit, Bequemlichkeit und Kühle nichts zu wünschen; es kann durch Rohrwände in verschiedene Abtheilungen getheilt und mit Schlafstätten &c. versehen werden. Der Feuerplatz ist beinahe immer in der Mitte; der Schlafplatz für den Hausherrn in einer Ecke, wo aus kurzen Pfählen eine Art feststehende, mit Querhölzern versehene Bettstatt hergerichtet wird; auf diese breitet man die das Bett vorstellenden Häute und Rindenstoffe einfach aus. Kürbi3gefässe und Schalen von allen Dimensionen und Formen, schwarze Thongefässe von runder, meist halbkugeliger Form, Stroh und Bastmatten bilden das einzige Hausgeräth. Hie und da sind Bündel von Samenkorn, Tabak und Lubien aufgehangen, sauber in breite Blätter verpackt. Neben den Hütten des Chefs, die nur durch ihre Grösse und einen aus Kuhdünger und Schlamm hergestellten, glatten, ebenen Vorplatz zum Tanz sich auszeichnen, stehen gewöhnlich 1—2 leere DiminutivHütten als einzig wahrnehmbares Glaubenssymbol. Bäume mit Jagdtrophäen fanden sich nicht, wohl aber hie und dort gepflanzt dieselbe Aloe mit weissgestrichelten Blättern, die auch in Uganda und Unyoro stets bei Zauberformeln zur

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