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Vorwort.

Gewöhnlich wird dies Werk des Horaz als dritter Brief des zweiten Buches angesehn; Manche halten es aber auch für ein besonderes, selbständiges. Beide haben Gründe dafür. Es ist einerseits ein Brief, der nicht bloss an die Pisonen gerichtet ist, sondern auch speciell sich auf sie bezieht, indem der älteste Sohn gewarnt wird als dramatischer Dichter aufzutreten. Andererseits aber ist es ein wirkliches didactisches Gedicht, welches allgemein die ersten und wichtigsten Gesetze der Dichtkunst gleichsam als ein Elementarbuch - aufstellt und die Erfordernisse für den walıren Dichter angiebt, mit dem bestimmt ausgesprochenen Zweck die römischen Dichter darüber zu belehren. Es kommt nun für die Sache nichts darauf an, ob man diese Schrift als Brief mit den andern herausgiebt, oder unter dem Namen der

Dich tkunst“ für sich allein. Hier geschieht das Letztere und zwar nur darum, weil vielleicht Mancher sie ohne die anderen Briefe besitzen möchte. Wer die sämmtlichen Briefe haben will, der kann die Dichikunst“ alsdann zu den andern hinzu

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fügen. Auch habe ich, der Kürze wegen statt „Dichtkunst“ immer Br. II. 3. angeführt.

Ich lasse die Briefe früher als die Satiren erscheinen, weil ich die Uebersetzungen jener für weniger gelungen halte, als von diesen, und weil ich auch für die Erklärungen derselben mehr Eigenes zu sa

gen hatte.

Als Einleitung habe ich hier, wie für die anderen Briefe und für die Satiren, nichts Wesentliches vorausgehn zu lassen, da meine Schrift: „Das Leben des Horaz, und sein philosophischer, sittlicher und dichterischer Charakter, (Halle 1860)" als Einleitung in sämmtliche Werke des Dichters zu dienen die Bestimmung hat, wenngleich sie auch sonst ein Abgeschlossenes, Selbständiges bildet. Daher werde ich auch öfters Veranlassung haben auf sie zu verweisen. So ist dort auch, in der Vorrede, von den befolgten Gesetzen der Uebersetzung gesprochen worden und Näheres noch in der Uebertragung des „Prometheus des Aeschylus“ zu finden.

Die Erklärungen sind, bis auf einige schwierige Stellen, meist kurz und geben nur das Nöthige für das Verständniss, ohne Beimischung anderer Dinge, wie es oft geschieht, die sonst zu wissen ganz gut, aber nicht zur Erklärung des Schriftstellers nothwendig sind. Möglichst suche ich dunkele Stellen aus andern, deutlichen, des Horaz selbst, zu erhellen, nicht

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durch ähnliche Anderer, ausser wo bei ihm eine Hindeutung darauf zu sein scheint. - Auf die Inhaltsangabe der einzelnen Dichtungen lege ich ein besonderes Gewicht, weil der Gedankengang da klarer hervorgehoben wird, als er aus dem Gedichte selbst hervortritt, wo die Bilder und poetischen Umhüllungen ihren Kern mehr verbergen, denn auf die Klarheit der Gedanken und ihren Zusammenhang kommt Alles an. Das ist das prodesse, und das wahre delectare gewinnt auch dabei.

Diese Bearbeitung des Horaz ist für Solche bestimmt, die nicht als Philologen das Lesen der Alten fortsetzen, sondern in denen die Liebe zu den klassischen Meisterwerken geweckt ist und die im reiferen Alter erst den wahren Nutzen aus dem Inhalte, und den vollen Genuss aus der Schönheit der Form, ziehen wollen. Diesen soll durch die Uebersetzung, wie durch die Erklärungen, das Lesen möglichst erleichtert werden. Vielleicht werden auch Manche, des Lateinischen Unkundige, hier befriedigend den Horaz in geschichtlicher Beziehung, als Darsteller seiner Zeit in lebendigen Bildern, kennen lernen, an dem Künstlerischen sich erfreuen und den Werth seiner Gedanken erkennen.

Die erste Ausgabe der Dichtkunst erschien 1836, und hatte zunächst nur den Zweck die mögliche Ausführbarkeit eines metrischen Gedankens zu zeigen,

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